Gier ohne En.de®
Jochen Magnus zur Vergabe kurzer Domainnamen
Für Anwälte, die sich im Internet auskennen und auf Namensrecht spezialisiert sind, werden die kommenden Monate ertragreich. Ab Freitag, 9 Uhr wird mit Abmahnungen und Verfügungen zurückgeschossen. Dann nimmt der deutsche Internet-Namensverwalter Denic ein- und zweistellige Domainnamen sowie reine Ziffer-Domains an. Kurz darauf werden juristische Namenskriege entbrennen. Wem gehört ja.de® (Plus?), wem hm.de® (H&M?), c1.de® (Citroen?) und wem sz.de® (den Schokoschnitten-Herstellern?)
vw.de gehört jedenfalls schon jetzt dem Volkwagen-Konzern. VW hat sich das Recht erstritten, seine Marke als Domain einzutragen. Denic hatte solche Ansinnen bis vor kurzem abgelehnt, weil es technische Probleme mit älterer Software geben könnte. Aber auch, um einen Krieg um die raren ganz kurzen Namen zu vermeiden.
Nachdem der Rechtsweg ausgeschöpft war, sah sich Denic unter rechtlichem Zugzwang und ersann auf die Schnelle ein technisches Verfahren, um die Kurznamen an den Mann zu bringen: Jedes Mitglied der Genossenschaft, es gibt davon genau 274 in Deutschland, darf ab Punkt 9 Uhr maximal vier Registrierungswünsche pro Minute am einreichen. Es gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. In der ersten Stunde werden bis zu 60.000 Registrierungswünsche erwartet.
Manche der berechtigten Provider haben sich darüber geärgert, vor allem die kleineren. Denn sie müssen nun flugs ein Programm stricken, um an der Verlosung teilnehmen zu können. Die Denic kassiert übrigens ganz selbstlos und ihrem Grundsatz als Non-Profit-Genossenschaft entsprechend, nur die üblichen Gebühren im Cent-Bereich.
Aber einige ausgebuffte Geschäftemacher versteigern schon Domainnamen, bevor sie das Glückslos gezogen haben: bis über 40.000 Euro reichen die Gebote. Sie müssen natürlich nur dann voll bezahlt werden, wenn die Bieter den bestellten Namen auch erhalten. Insider schätzen den Wert aller neuen Namen auf 10 bis 20 Millionen Euro, Kritiker fragen sich, ob das nicht ein illegales Glücksspiel sei. Andere wundern sich, dass Denic die Domains nicht versteigert und den Erlös einer guten Sache spendet.
Wem gehören eigentlich die Buchstabensuppe der Domainnamen? Bevor sie verteilt wird, ist sie Allgemeingut, gemeinschaftliches Eigentum wie Luft und Wasser: Allmende. Für die Erforschung der Kunst, damit sozial und nutzbringend umzugehen, gab es kürzlich sogar einen Nobelpreis.
Den hat sich Denic durch die Hauruck-Aktion nicht verdient, denn nun werden bloß einige Hallodris durch ihre zweifelhaften Methoden reich. Gier ist geil, das passt ja ganz prima in die Zeit. Schade um die vertane Gelegenheit, ein Zeichen dagegen zu setzen. ow.de, no.de, wc.de!























