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Musik

Sting singt Balladen über den Winter

Hamburg Sting, der Rockstar, ist mit 58 Jahren weiter auf einer Selbstfindungs-Reise unterwegs.

Nach einem Album voller Lauten- Lieder aus dem 16. Jahrhundert singt er diesmal Balladen über den Winter.

«If On A Winter's Night...» - seit Freitag im Handel - ist eine Mischung unter anderem aus englischen Volksweisen, Liedern des Barock-Komponisten Henry Purcell und einer Übersetzung des «Leiermannes» aus Schuberts «Winterreise». Sting selbst schrieb für das Album ein Wiegenlied, die Musik zu einem Gedicht von Robert Louis Stevenson und dichtete einen Text zu einem Fragment der Suite Nr. 6 von Johann Sebastian Bach.

Das ist ganz bestimmt nicht der Stoff, mit dem man die Hitlisten stürmt - und Sting weiß das auch. Und sagt, das sei ihm egal. «Das ist die Art von Musik, die mich im Moment begeistert.» Er sollte vielleicht nicht überrascht sein, wenn sie nicht den allgemeinen Geschmack treffen werde. «Aber das ist meine spirituelle Reise.» Platten verkauft habe er schon genug. «Und ich will nicht immer wieder die gleichen Knöpfe drücken und mit immer derselben Formel Alben produzieren.»

Wer also dachte, die Lauten-Musik auf «Songs From The Labyrinth» wäre nur ein kurzfristiger Ausflug in ein anderes Genre gewesen, dürfte mit der neuen Winter-CD eines Besseren belehrt werden.

Nein, so ist er wirklich, der aktuelle Sting. Das vergangene «konventionelle» Album «Sacred Love» liegt inzwischen sechs Jahre zurück, und seitdem machte der Musiker nichts Gewöhnliches mehr. Er trommelte nach 20 Jahren Entfremdung seine alte Band «The Police» für eine umjubelte Welttournee zusammen. Er sang den griechischen Fruchtbarkeits-Gott Dionysos in einer modernen Oper in Paris (daher auch der Bart, den er neuerdings trägt). Er erntete Oliven und machte Wein auf seinem Gut in Italien, wo er die meiste Zeit wohnt. Und jetzt die Winter-Songs.

Eigentlich wollte seine Plattenfirma eine CD mit Weihnachtsliedern von ihm haben, sagt Sting. «Und ich sagte: Nein, nein, nein, nein, nein. Ich mag keine Lieder über Rudolf mit der roten Nase, Santa Claus oder Frosty, den Schneemann, sie langweilen mich.» Also machte er es auf seine Weise. Weihnachten kommt auf den Album jetzt auch vor. Aber zum Beispiel in dem ungewöhnlichen Volkslied «Cherry Tree Carol», in dem sich Joseph verärgert darüber zeigt, dass Maria ein fremdes Kind austrägt.

Für diejenigen, die ihn auf dieser Reise begleiten wollen, hat Sting auch eine Bedienungsanleitung für das neue Album parat. «Ich würde zwei Möglichkeiten vorschlagen: Entweder in einem dunklen Raum, der nur von einem Kaminfeuer oder einem Ofen erleuchtet wird. Oder draußen mit einem MP3-Player. So wie der Mann auf dem Cover.» (Der Mann auf dem Cover ist Sting selbst, der mit seinem Hund durch eine Winter-Landschaft läuft.)

Erstaunlicherweise funktioniert das tatsächlich. «If On A Winter's Night...» ist ein Album, dem man Zeit geben muss. Es ist keines, das seine Wirkung im Alltagsstress entfalten kann. Gibt man ihm aber eine Chance, beginnt es wirklich, eine winterliche Atmosphäre auszustrahlen. Man merkt sogar, dass es hauptsächlich live in der kalten Küche von Stings Anwesen in der Toskana aufgenommen wurde - von frierenden Musikern, die sich im Januar in Mänteln um den Ofen scharten.

Die Sting-Fans dürfte danach aber immer noch interessieren, ob es von ihm irgendwann mal doch wieder auch ein typischeres Sting-Album geben wird. «Das ist sicher nicht ausgeschlossen», sagt der Musiker dazu. «Aber - ich will die Menschen überraschen, ich will mich selbst überraschen. Ich könnte zum Beispiel ein Techno-Dance-Album aufnehmen. Im Grunde genommen kann ich alles machen, was ich will.» Von Andrej Sokolow, dpa

dpa-infocom