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Unis wollen Bachelor-Studium entrümpeln

Mainz/Koblenz-Landau Junge Demonstranten entern das Haus der Landtagsabgeordneten in Mainz: Das war auf dem Höhepunkt des deutschlandweiten "Bildungsstreiks" für bessere Studienbedingungen im Frühsommer. Nun sieht es so aus, als hätten sie offene Türen eingerannt.

Der Beschluss der Kultusministerkonferenz, die teils stark verschulten Bachelor-Studiengänge "studierbarer" zu machen, fällt bei den Universitätsleitungen in Mainz und Koblenz-Landau auf fruchtbaren Boden. Die Bildungsminister hatten auf massive Studentenproteste gegen überfüllte Hörsäle, überfrachtete Studiengänge und zu wenig Lehrpersonal reagiert.

Der vor zehn Jahren eingeleitete "Bologna-Prozess" leidet unter Kinderkrankheiten. Dabei sollte die Umstellung von Diplom und Magister auf ein dreijähriges Bachelor-Studium plus zwei Jahren Master die Abschlüsse europaweit vergleichbar und einen Wechsel des Studienorts im In- und Ausland leichter machen.

"Eine Reform der Reform ist absolut nötig", sagt der Präsident der Universität Koblenz-Landau, Professor Roman Heiligenthal. Die Studienpläne seien derzeit viel zu starr. "Das geht auf die Knochen der Studierenden." Eine vom Senat eingesetzte Kommission soll den Bachelor vor allem im Lehramt entrümpeln. "Man versuchte praktisch, die gewohnten Inhalte und Abläufe ins neue System hineinzupacken", sagt Heiligenthal. "Das führte zu einer Überfrachtung und zu einem viel zu hohen Prüfungsaufkommen." Etwa in einem Jahr soll der Lehrernachwuchs das Studium stärker selbst gestalten können. Die Universität Mainz hat mit der Revision der Bachelors schon begonnen. "Sieben bis acht Prüfungen am Semesterende gehen nicht", sagt Bernhard Einig, Leiter der Abteilung Studium und Lehre. "Das geht zulasten der Qualität."

In den nächsten zwei Jahren sollen alle Bachelor-Studiengänge auf den Prüfstand kommen. Bei ihrer ersten Konzeption wurden die Bachelor-Ordnungen überfrachtet, so der Professor. "Die Fächer haben gemeint, sie müssen die alten Inhalte in eine strikte Form bringen, sodass eins auf dem anderen aufbaut wie in der Schule." So aber wird der Grundgedanke der freieren Kombinierbarkeit von Studien-Modulen aufgegeben.

Den Rahmen für die "Reform der Reform" will das Bildungsministerium im neuen Hochschulgesetz konkreter fassen. Beispiel: Ein Modul soll mit nur einer Prüfung abschließen statt mit mehreren Teilprüfungen.

Studentenvertreter begrüßen, dass sie zumindest organisatorisch Gehör finden. Stefan Hackenbruch, Vorsitzender des Studierendenausschusses am Uni-Campus Koblenz, kämpft aber auch für eine bessere Finanzausstattung: Es gebe zu wenig Dozenten, um den von der Bologna-Reform vorgegebenen besseren Betreuungsschlüssel zu erfüllen. Das Geld aus dem Bund-Länder-Hochschulpakt bis 2015 ist an weiter steigende Studierendenzahlen gekoppelt. Das wird bei sinkenden Abiturientenzahlen zum Problem, so Hackenbuch. Er fordert, "den Unis unabhängig vom Hochschulpakt mehr Personal- und Sachmittel zuzuweisen".

Claudia Renner

RZO