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Brüderles Aktien für seinen Traumjob steigen mächtig

Berlin Nach seinem Motto „Erst grübeln, dann dübeln“ hat der joviale Rainer Brüderle seit der Wahlnacht nicht mehr viel gesagt – vor allem nichts Falsches.

Auch deshalb ist er nach elf Jahren des Wartens seinem Traum greifbar nahe, endlich Bundeswirtschaftsminister zu werden. Denn er gilt als erster Anwärter und Favorit.

Der Chef-Liberale von Rheinland-Pfalz , der mit der CDU und der SPD in Mainz regiert und das Superministerium (Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau) geführt hat, ist für seinen absoluten Traumjob schon 1998 in den Bundestag und auf die harte Oppositionsbank gewechselt.

Brüderle und Guido Westerwelle gelten zwar nicht als die besten Freunde. Aber der FDP-Boss dürfte nach den wenig souverän wirkenden Verhandlungen über die Steuer- und Gesundheitspolitik wissen, was er an dem Rheinland-Pfälzer hat und welche Erfahrung der 64-Jährige in die Kabinettsrunde einbringt, ohne ihm noch gefährlich werden zu können.

Der in Mainzer Koalitionsrunden seit 1987 gestählte Diplom-Volkswirt hat als Profi geräuschlos die Punkte in der Wirtschaftsrunde abgehakt, während sich der FDP-Finanzexperte und Ministeraspirant Hermann Otto Solms sich verhedderte und im dunklen Schatten des gescheiterten Nebenhaushalts gelandet ist.

Außerdem muss Westerwelle auch bewusst sein, dass Brüderle ein Machtfaktor ist, dessen Hausmacht er nicht unterschätzen sollte: Die rheinland-pfälzische FDP ist mitgliederstark und schneidet bei Bundestagswahlen immer überdurchschnittlich ab. Außerdem sind Brüderle bei Bundesparteitagen immer beste Ergebnisse sicher. Der Mainzer gilt Kritikern der Berliner Fraktion zwar als zu bedächtig, um den „Guttenberg zu machen“. Aber Brüderle hat in seinen Mainzer Ämtern gezeigt, wie publikumswirksam er für Politik werben kann – ob auf glatten Bankenparkett oder hemdsärmelig bei Bauern im Kuhstall. Zwar hängt ihm immer noch der Weltrekord im Küssen von Weinköniginnen an. Aber Winzer erinnern sich auch noch gut daran, dass vor ihm noch kein anderer Weinbauminister ihre Tropfen im Ausland so geschickt in Szene gesetzt hatte und sie als Wirtschaftsfaktor ernst nahm.

Der für kesse Sprüche bekannte Brüderle hat die Landes-FDP 1983 in ihrem größten Tief übernommen, als sie aus dem Landtag geflogen war. Mit ihm gewannen die Liberalen wieder selbstbewusst Wahlen: 1987 wurde Brüderle auf Anhieb Wirtschafts- und Verkehrsminister im Kabinett von Ministerpräsident Bernhard Vogel. 1991 profilierte er sich für die Ämter auch im SPD-Kabinett. Als Ministerpräsident Kurt Beck bei seinem Amtsantritt 1994 das Kabinett verkleinerte, wurde Brüderle auch für Landwirtschaft und Weinbau zuständig.

Brüderle umgibt als „Mister Mittelstand“ vielleicht nicht soviel Glamour wie CSU-Shootingstar Guttenberg im Wirtschaftsressort. Aber Unternehmer schätzen seine ordnungspolitische Kompetenz. Außerdem gilt er als Fuchs, der um seine Positionen an Kabinettstischen verbindlich, aber hart zu pokern weiß.

Ursula Samary; Foto: dpa

RZO