pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
RZ-Blog  |  Twitter  Mobil&RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Land & Region     » regioticker     » regiolinks     » aus dem Land     » „mehr” aus der RZ

20-Jähriger wegen Song-Texten bei WKW bestraft

Kaiserslautern Für den einen sind es ein paar Zitate aus Liedern von Rappern, für die Behörden waren es mögliche Vorboten eines Amoklaufs: Ein 20-jähriger aus Kaiserslautern soll 500 Euro Strafe und Verfahrenskosten zahlen oder 50 Tage ins Gefängnis gehen.

Ihm wird vorgeworfen, dass er mit zwei Einträgen auf seiner Seite bei wer-kennt-wen.de den öffentlichen Frieden gestört hat. Es waren Strophen aus Liedern, die nicht verboten sind. Der Fall und seine Fortsetzung wird inzwischen über Kaiserslautern hinaus als möglicher Eingriff in die Meinungsfreiheit kritisch beäugt.

Die Polizei kam unangekündigt zu Jack S: Hausdurchsuchung. „Im Zuge anderer Ermittlungen“, so Hartmut Carra, Direktor des Amtsgerichts Kaiserslautern, war die Polizei auf der persönlichen Wer-kennt-wen.de-Seite (www.wer-kennt-wen.de) von Jack S. gewesen. „Nicht nur Personalchefs bei Bewerbern machen das“, sagt Carra. Und dort hatten die Polizisten Dinge gelesen, die auf die Beamten alarmierend wirkten. So stand dort zu lesen: „Das ist die 12 Gauge Mossberg Pumpaction (eine Waffe, Anm. der Red.), einfach halten und auf keinsten an der Schulter ansetzen, die streut wie Sau, sie bringt Dich ins Nirvana, frag Kurt“. Im zweiten Beitrag heißt es: „Die Sonne scheint so hell, die Vögel singen schief, ich will töten, töten, töten. Der Winter ist vorbei, ich habe Frühlingsgefühle, ich will töten, töten, töten.“

„Über Geschmack lässt sich streiten, und für viele ist das sicher geschmacklos“, räumt Jack S. ein. Aber der erste Beitrag ist aus dem Song „Generation Counterstrike“ (Refrain: „Spiel Dein Level durch“) des Rappers Prinz Porno, der zweite aus dem Album „Sexismus gegen Rechts“ der Berliner Rapper K.I.Z, über das der Spiegel schwärmte: „Die comichaften, grotesk übersteigerten Alphatier-Lyrics bleiben eine Offenbarung.“ K.I.Z ist die Lieblingsguppe von Jack S.(„Man darf die Jungs einfach nicht ernst nehmen“) - inzwischen hat er das auch zum Beitrag geschrieben, der immer noch auf seiner Seite steht.

Bei der Hausdurchsuchung hat er den Beamten, die bei ihm nach illegalen Schusswaffen und Sprayerutensilien gesucht und beides nicht gefunden hatten, auf die Lieder hingewiesen. Damit war die Sache für ihn aus der Welt. Seine Angaben zu den Songtexten gingen auch in die Akten ein, sagt Amtsgerichtsdirektor Carra. Überprüft wurde das nicht. Es spielte wohl auch keine Rolle für seinen Richterkollegen, der am 20. Oktober den Strafbefehl erließ - und darin mit keinem Wort die Original-Herkunft der verhängnisvollen Beiträge erwähnt. Carra erklärt das aus seiner Sicht so: „Es ist eine Frage der Außenwirkung. Er hat das unter der Überschrift geschrieben, was er gerade macht - ohne einen Hinweis darauf, dass das Zitate sind.“ Im Strafbefehl hielt der zuständige Richter fest, die Beiträge seien geeignet gewesen, die öffentliche Ordnung zu stören und Jack S. habe das billigend in Kauf genommen.

Jack S. hatte zuvor schon Ärger mit der Justiz, wie er einräumt. „Falsche Zeit, falscher Ort.“ Die Polizei hat bei ihm schon einmal eine Sammlung von 20 Messern und seine Paintball-Ausrüstung beschlagnahmt. Aus seiner Paintball-Waffe - ein Sportgerät, um auf Gegenspieler Farbkugeln zu schießen - war aus dem vorderen Seitenfenster eines fahrenden Autos ein Schuss abgegeben worden. Jack hatte im Auto gesessen - aber hinten auf der anderen Seite, sagt er. Freispruch für ihn.“ Ich habe schon einen leichten Waffenfetisch“, sagt er. Und dann die Einträge auf seiner Seite... Er findet es selbst gut, dass die Polizei möglichen Verdachtsmomenten für einen Amoklauf nachgeht, er kann auch die Hausdurchsuchung verstehen. „Aber ich bin kein Amokläufer, und ich will nicht verurteilt werden und 500 Euro zahlen für Songtexte von legalem Liedgut.“

Einen Anwalt hat er nicht, den könne er sich nicht leisten, nachdem er erst seit drei Wochen wieder einen Job als Helfer auf dem Bau hat. Einspruch gegen den Strafbefehl hat er aber bei der Geschäftsstelle zu Protokoll gegeben. „Es wird demnächst zur Hauptverhandlung kommen“, bestätigt Amtsgerichtsdirektor Carra. (Lars Wienand)

RZO