pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
RZ-Blog  |  Twitter  Mobil&RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
 

RZ testet: Staubsaugen mit dem "Kölsche Wisch"

Koblenz - Staubsaugen gehört zu den Haushaltspflichten wie Bügeln, Waschen und Kochen. Aber für diese eher einfache Übung gibt es seit Jahren Saugroboter.

Sie benötigen Flash Player 9, um den RZ-Video-Player ansehen zu können.

Genial oder über­flüs­sig?: RZ-Redak­teur Jochen Kamp­mann testet einen Sau­gro­boter der neuen Gene­ration

Die aktuelle Generation leistet tatsächlich Erstaunliches. Das Ergebnis ist durchaus sauber – aber auch rein?.

Liebhaber gut gestalteter Dinge werden mit Wohlgefallen darauf blicken: der Staubsaugroboter namens „Roomba“. Schwarz, glänzend, rund und flach – einfach schick. Die Ladestation mit einer Steckdose verbinden, den Saugroboter über Nacht aufladen (soviel Zeit muss sein) und auf Knopfdruck kann es am nächsten Tag losgehen

Auch wenn nun alles selbsttätig ablaufen soll: Sie werden Ihre Wohnung natürlich nicht verlassen. Denn die Neugierde, wie dieses Zauberding funktioniert, ist natürlich zu groß. Und vielleicht auch die Skepsis, ob alle Versprechen eingehalten werden.

Soviel vorweg: Der Saugroboter arbeitet wirklich verblüffend. Er schnurrt über den Teppichboden wie von Geisterhand gezogen. Voll aufgeladen bis zu drei Stunden lang; mit der entsprechenden Programmierung brummt er durch bis zu vier Räume, was natürlich von deren Größe abhängt. Er fährt – dank der flachen Bauweise – unter Heizkörper, umkreist Stuhl- und Tischbeine und rotiert unbeirrt von Hindernissen, die er klug umschifft (Kabel allerdings auch) über den Flor.

Tolle Sache. Für den exklusiven Single-Haushalt, das zeitschriftenartig durchgestylte Loft, den fotogenen Ausnahmezustand also.

Im Alltag wird allerdings nicht nur die gern zitierte schwäbische Hausfrau („mir gäbet nix“) den Kopf schütteln. Auch ihr rheinisches Gegenstück, das ja allgemein als etwas aufgeschlossener und weniger pedantisch gilt („man kann et auch übertreiben“), bekäme dieses gewisse argwöhnische Leuchten in den Augen. Knapp 400 Euro Anschaffungspreis müssen sich schließlich auch rechnen. Und der Alltag hält – nicht nur im Haushalt – mehr Fallstricke bereit, als ein Roboter an Tücken programmiert bekommen kann.

Wenn es mit der Reinlichkeit nicht ganz so genau genommen wird, spricht der Düsseldorfer vom „Kölsche Wisch“. Das ist kein Kompliment. So kann natürlich der „Roomba“ keinen Sessel verrücken, um „drunter mal richtig zu saugen“ oder von der Auslegeware auf die Orientbrücke zu hopsen. Auch wenn es die Hersteller anders sehen: Fransen oder Ecken bleiben noch Problemfälle.

Irgendwie erinnert Roomba denn auch eher an eine rotierende Tellermine. Der Vergleich ist übrigens gar nicht so weit hergeholt. Anfang der 90er-Jahre entwickelten Ingenieure des Massachusetts Institute of Technology Hochleistungsroboter, um vor allem gefährliche Aufgaben zu meistern – das Entschärfen von Bomben und Sprengstoff beispielsweise. Roomba ist sozusagen die entschärfte Variante für den Normalverbraucher.

Dass dieser saugende Suppenteller überhaupt so genial funktioniert, ist an sich schon sensationell und soll auch hier keineswegs gering geschätzt werden. Wer aber vor der Entscheidung steht, sich einen Sauger anzuschaffen, sollte eher auf eines der konventionellen Geräte zurückgreifen. Roomba ist ein nettes Zweitgerät für Singles. Überhaupt: Staubsaugerbeutel und Hepa-Filter für Allergiker sind eine nützliche Einrichtung. Für solche Errungenschaften hat Roomba einfach keinen Platz. Dagegen muss er sehr sauber gehalten werden und das ist – Hand aufs Herz – in der Praxis nicht jedermanns Sache.

Ein Roboter, der etwa Hemden wäscht , stärkt, bügelt und schrankfertig zaubert – das wär’s zum Beispiel. So was könnte als wahrer Segen und große Erleichterung beworben und verkauft werden. Denn Staubsaugen kann man doch genauso gut auch mal schlabbern.

Jochen Kampmann

RZO