Umfrage: Immer mehr Vertretungslehrer
Mainz An den rheinland-pfälzischen Schulen arbeiten einer Umfrage zufolge immer mehr Vertretungslehrer ohne volle Ausbildung.
"Ein Drittel der Lehrpersonen mit Vertretungsverträgen haben keine vollständige Lehrerausbildung", kritisierte der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Johannes Müller in Mainz.
Dies gehe aus einer landesweiten repräsentativen Befragung von 533 allgemeinbildenden Schulen hervor. Am kommenden Dienstag will Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) die aktuellen Zahlen zur Unterrichtsversorgung vorlegen. Die Kritik des VBE wies ihr Ministerium zurück.
Der Studie der Gewerkschaft zufolge werden Vertretungslehrer an 60 Prozent der Schulen beschäftigt. "Ein besonderes Problem sind die "Spitzen": An einzelnen Schulen haben bis zu 30 Prozent der Lehrkräfte keine vollständige Ausbildung", erklärte Müller. Inzwischen unterrichteten beispielsweise auch Zahntechniker, Bauzeichner, Designer, Kaufleute, Übersetzerinnen und Sekretärinnen die Schüler. Zudem würden viele ausgebildete Lehrer "fachfremd" eingesetzt.
"Der Grund ist natürlich der zunehmende Lehrermangel, der sich am gravierendsten in den naturwissenschaftlichen Fächern zeigt", sagte der VBE-Landesvorsitzende. "Deshalb gibt es bei der Einstellung von Lehrern einen gewissen Wettbewerb zwischen den Schularten und vor allem auch einen Konkurrenzkampf der Bundesländer."
Für viele Berufsanfänger sei Rheinland-Pfalz nicht die erste Adresse. "Wir sind das westliche Bundesland, das seine Lehrer am schlechtesten bezahlt", kritisierte Müller. "Statistisch gesehen gibt es einen ungünstigen Ländertausch: Für jeden Lehrer, der nach Rheinland-Pfalz kommt, gehen zwei weg." Hinzu komme die Pensionierungswelle: "Es gehen mehr in den Ruhestand als Jüngere nachkommen", sagte der Gewerkschaftschef. Da helfe auch die jüngst beschlossene Erhöhung der Altersgrenze für Verbeamtungen von 40 auf 45 Jahre wenig.
Müller betonte: "Wir wollen die Kollegen mit Vertretungsverträgen nicht diskriminieren. Aber die Ausnahme darf nicht zur Regel werden." Bildungsministerin Ahnen werde am Dienstag vermutlich wieder positive Zahlen zur Unterrichtsversorgung vorlegen. "Aber entscheidend ist nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität des Unterrichts", sagte der VBE-Landesvorsitzende.
Die SPD-Landesregierung müsse sicherstellen, dass künftig auch alle Vertretungslehrer vollständig ausgebildet seien. Ein großer Schritt in diese Richtung wäre, die Zahl der Plätze an den Studienseminaren zu erhöhen. Bildung sei auch langfristig gesehen so wichtig, dass trotz der tiefen Ebbe in den öffentlichen Kassen die Investitionen hierfür weiter steigen müssten, forderte Müller.
Ministeriumssprecher Wolf-Jürgen Karle wies die Vorwürfe zurück. 2008 habe der Anteil der Lehrer ohne Lehramtsprüfung unter zwei Prozent gelegen. Richtig sei, dass rund 680 Schulen im Rahmen des "Projektes Erweiterte Selbstständigkeit (PES)" mit Leuten ohne vollständige Lehrerausbildung kurzfristig befristete Verträge bis zu acht Wochen abschließen könnten. Die Schulen prüften aber selbst deren Eignung. "Herr Müller muss den Eltern schon erklären, was daran falsch sein soll, wenn kurzfristig Künstler, Musiker, Informatiker, Architekten oder Betriebswirte zum Einsatz kommen, um einen Unterrichtsausfall beispielsweise durch Erkrankungen von Lehrkräften aufzufangen", sagte Karle.
Bei den Studienseminaren sei erst in diesem Jahr die Zahl der Plätze um 120 erhöht worden. Falsch und daher mehr als ärgerlich sei schließlich der Vorwurf der geringeren Bezahlung der Lehrer in Rheinland-Pfalz im Vergleich zu den Nachbarländern. (Jens Albes) (Internet: www.vbe-rp.de; www.mbwjk.rlp.de)
RZO
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