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Kult

Tweets folgt Kunst von dem @frauenfuss

Erlangen Ein schnelles Medium schafft Unvergängliches: Etwa fünf Minuten lang soll angeblich im Schnitt ein Tweet Beachtung finden – also das, was Menschen im Kurznachrichtendienst Twitter absenden. Was Michaela von Aichberger aber da tut, ist inzwischen Kult und hängt aktuell in einer Galerie in Nürnberg.

Und dann, ab 12. Dezember, im „Kulturbunker“ in Köln, zieht dann weiter nach Hamburg und nach München – und lose Kontakte gibt es auch bereits nach Paris. Michaela von Aichberger hat eine neue Kunstform geschaffen, indem sie unter ihrem Twitternamen @frauenfuss ihre Follower zeichnet – Menschen und Institutionen, die ihre Tweets abonniert haben.

„Ich male meine Follower“ – oder für die begrenzten Zeichen auf knappere Form gebracht „#immf“ hat sie denn auch genannt, was sie da tut. Sie malt in Notizbücher Menschen, die sie meist noch nie gesehen hat. „Ich lasse mich davon inspirieren, was die Leute selbst schreiben und versuche, ein kleines Psychogramm von ihnen darzustellen.“ Und die Plattform mit den 140-Zeichen-Nachrichten erlebt sie dabei als sehr inspirierend: „Es treiben sich unglaublich viele spannende Menschen herum.“

Wie bei so vielem im Internet hat sich mit ihrer Aktion eine Idee verselbstständigt: Reisezeichnungen hatte sie schon häufiger gemacht, dann aus Spaß in ihr Notizbuch mal @haekelschwein gemalt, eine Twitterberühmtheit. Es folgten so schnell positive Reaktionen, dass sie auf den Gedanken kam, daraus eine Serie zu machen – auch mit dem Hintergedanken, dadurch mehr Follower zu gewinnen. „Für viele Gezeichnete ist das wie Weihnachten – man will doch wissen, wie man selbst rüberkommt.“ Sie selbst hat bei späteren Treffen von Angesicht zu Angesicht dann schon manches Mal gestaunt, wie sehr ihr Bild dann der Realität nahe gekommen ist. Im Handumdrehen wurde sie so zu der deutschen Twittererin, die von anderen Nutzern Woche für Woche die meisten Empfehlungen erhielt. Allerdings macht ihr Erfolg es ihr schwerer mit ihrem Versprechen: Inzwischen hat sie mehr als 4800 Follower – und kann bisher noch keine 300 davon zeigen, darunter den Schauspieler Michael Kessler, Schriftstellerin Else Buschheuer, Blogger Sascha Lobo, aber auch die Rhein-Zeitung.

Viele weitere Follower warten noch. „Ich kann’s irgendwann schaffen“, sagt sie. „Vor allem will ich, dass die Follower, die nicht dabei sind, Spaß mit meinen Tweets haben. Die will ich unterhalten.“ Bislang malt sie im Büro neben ihrer eigentlichen Arbeit als selbständige Grafik-Designerin – und dabei soll es bei allem Erfolg und ersten Verkäufen ihrer Followerbilder auch bleiben: „Ich muss das nebenbei machen, ich brauche die Freiheit. Es ist der größte Spaß meines Lebens. Wenn ich mich voll darauf verlegen würde, wäre das Liebevolle weg.“

Nach genauen Vorgaben und Plan arbeiten – das macht sie schon genug bei den Aufträgen des Grafikbüros. Ihr Geschäftspartner dort ist auch noch nicht so recht schlüssig, was er von ihrem Engagement halten soll. Da ist die bisher nicht unberechtigte Hoffnung, dass die Bekanntheit auch dem Büro zu weiteren Aufträgen verhilft. So hat @frauenfuss etwa das Buch „Erdbeerflecken“ von Twittererin @miabernstein (http://blog.mia-bernstein.de/) illustriert. Ein Anfang? „Wenn es den Effekt nicht hat, ist es die definitiv teuerste Prokrastination in der Firmengeschichte“, sagt Michaele von Aichberger.

Zur Homepage von Michaela von Aichberger mit den genauen Terminen ihrer Ausstellungen: http://ich-male-meine-follower.de

RZO