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Heiße Sommer, nasse Winter: Klima verwandelt das Land

Rheinland-Pfalz Kurz vor dem Klimagipfel in Kopenhagen schaut die Welt auf schmelzende Polarkappen, auf vom Untergang bedrohte Inselstaaten und andere beträchtliche Folgen des Klimawandels. Wir richten unseren Blick nach Rheinland-Pfalz - und sehen auch hier ein Land im Wandel.

Der Klimawandel ist in Rheinland-Pfalz angekommen, und das schon vor Jahren. Die Auswirkungen werden oft noch als Wetterkapriolen wahrgenommen, sind aber die Vorboten einer fundamentalen Veränderung, vor der das Land ebenso steht wie der Rest der Welt. Mit den Folgen, die aber erst in einigen Jahrzehnten voll zum Tragen kommen, könnte man Bücher füllen - wir geben einen Überblick.

Das Wetter: Es wird extremer. Trocken im Sommer, nass im Winter und immer wärmer. Heiße Tage werden nicht nur häufiger, es gibt auch mehr Hitzewellen. Besonders betroffen sind die Regionen, in denen es heute schon warm und trocken ist - Rheinhessen, das Moseltal, das Koblenz-Neuwieder Becken und Ballungsräume. Im Sommer kommen vor allem Starkniederschläge herunter.

Dafür werden die Winter nasser - und das bei weniger Schnee- und Frosttagen. Bis 2100 können bis zu 40 Prozent mehr Regen fallen. Eine Studie des Bundesumweltamtes weist für Teile des Hunsrücks und der Eifel sogar Regenzunahmen von bis zu 70 Prozent aus, dies ist aber umstritten.

Das Wasser: Im Winter wird die Gefahr von kleinen und mittleren Hochwassern steigen, bei denen schon Häuser in Ufernähe betroffen wären. "Extreme Hochwasser werden nicht zunehmen", sagt Dieter Prellberg vom Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht (LUWG). Auf der anderen Seite leidet die Schifffahrt verstärkt unter Niedrigwasser im Sommer - ein Phänomen, das Binnenschiffer schon heute zwingt, mit weniger Last zu fahren. Die Kommunen stehen vor einem weiteren Problem: Im Sommer können Abwasserkanäle die starken Regengüsse kaum noch aufnehmen. Vergrößert man sie, werden sie bei Hitze und Trockenheit aber nicht genügend durchspült, sodass Keime und Fäulnis entstehen.

Die Arten: Schon heute lockt das mildere Klima - die Temperatur ist seit 1900 bereits um ein Grad gestiegen - tierische und pflanzliche Einwanderer an. Aus dem Süden sind etwa der Bienenfresser, einer der buntesten Vögel Europas, und der Silberreiher vorgedrungen. "Schmetterlinge fliegen zum Teil mitten im Winter", beschreibt Rüdiger Burkhardt vom LUWG ein weiteres Phänomen. Doch die Einwanderungswelle hat auch Nachteile. Mit dem Riesen-Bärenklau ist eine Giftpflanze heimisch geworden, die schwere Hautverbrennungen auslöst. Frösche und Lurche finden nur noch schwer Lebensräume, da Teiche und Tümpel austrocknen. Vom einst verbreiteten Moorfrosch gibt es nur noch ein größeres Vorkommen in der Pfalz. Längerfristig könnten auch Fische sterben, wenn der Rhein in Hitzeperioden eine Temperatur von 28 Grad erreichen würde.

Die Landwirtschaft: Das veränderte Klima bringt Bauern Vor- und Nachteile. Da der Frühling früher beginnt, verlängert sich die Vegetationszeit deutlich. Höhere Erträge sind die eine Seite - die andere ist eine verstärkte Gefahr durch Spätfrost, vor allem für den Obst- und Gemüsebau: Wenn die Kirschbäume schon im März in Blüte stehen und ein Kälteeinbruch folgt, kann die gesamte Ernte hin sein. Schädlinge überleben leichter die milden Winter. Fluch und Segen ist der Klimawandel auch für die Winzer: Die Reben profitieren von der Sonne, leiden aber unter der Trockenheit. Ob weiße Rebsorten wie der Riesling, die im kühlen Klima ihre besten Ergebnisse bringen, an Qualität verlieren werden, wird diskutiert.

Der Wald: Der Fichte wird es langsam, aber sicher zu warm und zu trocken. Experten vermuten, dass diese Baumart auf Sicht keine Zukunft bei uns haben wird. Schon heute bauen Förster die Wälder behutsam um und pflanzen hitzeverträgliche Arten wie Linde, Spitzahorn und Douglasie - die ja auch noch dann bestehen müssen, wenn vom Klimawandel mehr zu spüren ist als die ersten Anzeichen.

Stephanie Mersmann

RZO