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Abschied im Stadion: Trauerfeier für Robert Enke

Hannover Prominente aus Fußball, Politik und Gesellschaft sowie mehrere zehntausend Fans nehmen am 15. November gemeinsam Abschied von Robert Enke.

Sein Verein Hannover 96 hat «trotz einer inneren Lähmung» eine in der deutschen Sport-Historie einmalige Trauerfeier mit Unterstützung der Polizei innerhalb von vier Tagen organisiert. Das Stadion wird am Volkstrauertag bereits um 08.30 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Wer keinen Platz mehr findet - die Kapazität im Stadion ist auf 45 000 Besucher begrenzt, die Polizei rechnet aber mit einer höheren Zahl - kann die Zeremonie zum Andenken an den beliebten Torwart von «96» und der Nationalmannschaft auf einer Großbildleinwand vor der AWD-Arena verfolgen.

«Es war der Wunsch von Teresa Enke , dass sich die vielen Fans in einem adäquaten Rahmen von Robert verabschieden können. Das wäre auf einem kleinen Friedhof nicht möglich gewesen. Mit so einem großen Echo hatten wir allerdings nicht gerechnet. Wir hoffen, dass der Rahmen dennoch würdig bleibt», erklärte 96-Pressechef Andreas Kuhnt. Mindestens fünf TV-Sender (ARD, NDR, DSF, N24, n-tv) übertragen die Trauerfeier von 11.00 Uhr an live.

Der Sarg von Enke, der sich am 10. November im Alter von 32 Jahren das Leben genommen hatte, wird im Stadion aufgebahrt. Nach der einstündigen Trauerfeier, bei der DFB-Präsident Theo Zwanziger, 96-Chef Martin Kind, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff und Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil als Redner vorgesehen sind, soll der Sarg auf den Friedhof im Neustädter Ortsteil Empede gebracht werden. Enke wird dort im privaten Kreis neben seiner Tochter Lara beigesetzt. Sie war 2006 im Alter von zwei Jahren gestorben. Im Mai dieses Jahres hatten Robert und seine Frau Teresa Enke die kleine Leila adoptiert.

Die Beerdigung soll auf Wunsch von Teresa Enke im engen Kreis von Angehörigen, Freunden und Weggefährten erfolgen. «Bei aller verständlichen Trauer appellieren wir an die Fans, diesen Wunsch zu respektieren», appellierten 96-Clubchef Kind und Hannovers Polizeipräsident Uwe Binias an alle Teilnehmer, nicht dem Trauerzug in den Raum Neustadt zu folgen. Der katholische Pfarrer Heinrich Plochg spricht während der Trauerfeier die Andacht. Er hatte die Familie Enke bereits nach dem Tod ihrer Tochter Lara betreut. Das Streichquartett der Musikhochschule Hannover spielt, zudem soll das Vereinslied «96 - Alte Liebe» gesungen werden.

Bundestrainer Joachim Löw und die Spieler der deutschen Nationalmannschaft werden gemeinsam mit dem 96-Team dem Torhüter die letzte Ehre erweisen. Auch DFB-Teammanager Oliver Bierhoff, DFL-Präsident Reinhard Rauball, Franz Beckenbauer, Jürgen Klinsmann, Rudi Völler und ehemalige Nationalspieler wie Jens Lehmann oder Christoph Metzelder haben ihr Erscheinen angekündigt. Alle Bundesligaclubs sind mit einer Delegation vertreten. Der deutsche Meister VfL Wolfsburg reist mit dem Bus ins benachbarte Hannover. Aus dem Ausland haben sich Vertreter von Enkes früheren Clubs Benfica Lissabon und FC Barcelona angesagt. Auch Deutschlands Innenminister Thomas de Maizière und der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder stehen auf der Gäste-Liste.

Der frühere 96-Trainer Ewald Lienen (derzeit 1860 München), der den Keeper 2004 nach Deutschland zurückgeholt hatte, erinnerte an Hannovers Sportidol. «Wir wussten, dass wir einen Sechser im Lotto gezogen hatten. Robert war nicht nur der beste Torwart, mit dem ich als Trainer jemals arbeiten durfte. Er war auch eine sympathische und starke Persönlichkeit. Das hat man in jedem Training und in jedem Gespräch gespürt», sagte Lienen im Gespräch mit der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung».

Die «HAZ» und die «Neue Presse» aus Hannover erinnerten in einer achtseitigen Sonderbeilage mit insgesamt 228 Todesanzeigen an Robert Enke. Mehr als 200 Fußballfans drückten in liebevollen und berührenden Kleinanzeigen ihre Trauer über den Tod des Profis aus, der unter Depressionen und Versagensängsten litt. Größere Anzeigen schalteten unter anderem Hannover 96, der DFB, die DFL, Vereine wie Werder Bremen und die örtlichen Eishockey-Clubs Hannover Scorpions und Hannover Indians sowie mehrere Wirtschaftsunternehmen aus der Region Hannover.

dpa-infocom


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