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Forschungscamp - Teil 2: Meeresbiologie

Schüler entdecken die Tiefen der Ostsee

Kiel Nahezu lautlos wickelt sich das Seil von der Bootswinde.

Der eiserne Dreschkorb mit Fangnetz sinkt immer weiter gen Meeresgrund – zehn Meter bringt er hinter sich, bis er am Boden liegt und vom Forschungsschiff gezogen wird.

Während sich in der Tiefe der Kieler Förde Schlamm, Würmer, Miesmuscheln und Seesterne in dem Netz verfangen, rücken an Deck zehn Jugendliche enger zusammen. Es regnet und schneit. Dennoch wollen sie im Forschungscamp, zu dem unsere Zeitung und das Augenoptik-Unternehmen Fielmann eingeladen haben, alles über Meeresbiologie erfahren. Einen Tag verbringen sie mit Forschern des IFM-Geomar, dem Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften. Der Bootsmann zieht den Fangkorb heran und öffnet das Netz. Die biologische Mitarbeiterin des Instituts Heidi Gonschior wühlt aus dem Berg von Miesmuscheln kleine und große Seesterne hervor und wirft sie zum Bestaunen in ein Wasserbecken.

Diese lilafarbenen Meeresbewohner kennen die Nachwuchsforscher bereits. Bevor sie hinaus aufs Wasser fuhren, haben sie nämlich gemeinsam mit der Mitarbeiterin heimische Meerestiere unter dem Mikroskop angeschaut und bestimmt. Für die 14-jährige Alina Köhler aus Bad Kreuznach ist der Ausflug ins IFM-Geomar besonders spannend. Sie findet an diesem Tag heraus, dass ihr langgehegter Traum einer künftigen Meeresbiologin auch der Realität standhält. Beim Mikroskopieren merkt Alina, dass sich die Seesterne gar nicht so einfach in die Petrischalen befördern lassen. Wie ein Saugnapf hängt ihr Forschungsobjekt an einer Miesmuschel. Vorsichtig streicht sie über die bunte, raue Oberfläche und versucht, die Arme zu lösen. Unzählige winzige Ambulakralfüßchen an der Unterseite der Meeresbewohner verursachen diese enorme Saugkraft. Würde Alina grob am Stern zerren, würde er seine Arme verlieren. Auch Kalvin Zimmermann aus Hattert ist begeistert von einem winzigen Seestern. „Der ist so süß.“ Die Bewegung der Füßchen und die Augen – kleine rote Punkte – faszinieren ihn.

Schon verblüffend, dass die Schüler jetzt hier draußen auf dem Schiff genau das aus der Ostsee fischen, was sie bereits unter dem Mikroskop angeschaut haben. Obwohl ... „Die Seesterne sind tot!“, ruft Alina. Die kleinen Ambulakralfüßchen scheinen sich nicht zu bewegen. „Ihr müsst schon genau hinschauen, sie bewegen sich halt ganz langsam“, sagt Heidi Gonschior und hält ihnen reihum einen Seestern unter die Nase. Im Warmen bewegen sie sich besser und schneller als draußen im Kalten. Und das ist bei der Forschungstruppe nicht anders.

Zurück im Warmen begeben sich die Schüler auf eine Zeitreise durch die Geschichte der Ostsee. Der Paläogeologe Dr. Robert F. Spielhagen, der die Geschichte der Erde erforscht, zeigt ihnen, dass Proben vom Meeresgrund wie Geschichtsbücher sind. Anhand eines zwei Meter langen Bohrkerns mit dem Durchmesser einer Regenrinne erörtert er die vergangenen 12.000 Jahre.

Verschiedene Schichten zeugen von der Entwicklung der Ostsee. Diese entstand einst aus Süßwasser von schmelzenden Eisdecken über Skandinavien. Deshalb ist der Bohrkern ganz unten relativ feinkörnig und glitschig. Vor 10.000 Jahren verschmolzen Ost- und Nordsee. Steine und Erdbröckchen in der Probe erzählen von der Zeit, als die salzige Nordsee über Land in die Ostsee floss und Material mitnahm.

Das Eis schmolz weiter, wodurch Skandinavien leichter wurde und sich hob: Die beiden Meere trennten sich wieder, und die Ostsee führte wie zuvor Süßwasser. Irgendwann stieg der Meeresspiegel aber so stark, dass beide Meere erneut ineinanderflossen, die Ostsee wieder Salzwasser trug. Deshalb kann Felix Kunz aus Sensweiler heute kleine Muscheln in einzelnen Abschnitten des Bohrkerns entdecken: Diese Art lebt nur im Salzwasser.

Die jungen Forscher begreifen an diesem Tag im Institut, dass alles zusammenhängt, dass Klima, Luft, Erde und Wasser einander beeinflussen. Und dass noch viele Aufgaben vor den Forschern liegen: Lediglich fünf Prozent der Weltmeeresgründe sind bislang erforscht. (Katrin Steinert)

RZO