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Theater

Erste Uraufführung der Koblenzer Hausautorin: "Klytaimnestra" - Thema mit Variationen

Koblenz Nachwuchsförderung der besonderen Art: In dieser Spielzeit beschäftigt das Koblenzer Theater eine eigene Hausautorin.

Das erste Auftragswerk der Intendanz Markus Dietze feiert heute Abend Premiere: Autorin Sibylle Dudek hat sich auf die Spuren einer der spannendsten Figuren der antiken Mythologie gemacht.

Seit dieser Spielzeit gibt es am Theater Koblenz eine Hausautorin: Sibylle Dudek. Vier Jahre lang arbeitete sie als Dramaturgin am Wiener Burgtheater, am heutigen Donnerstag, 20 Uhr, erlebt ihr Schauspiel "Klytaimnestra" seine Uraufführung in den Kammerspielen.

Die Stoffwahl wurde von Intendant Markus Dietze angestoßen: Ein antiker Mythos sollte es sein. Deswegen hat sich Dudek Klytaimnestra ausgesucht, der sie in ihrer eigenen Diplominszenierung der "Elektra" von Sophokles begegnet war: "Es war mir im Probenprozess immer wieder passiert, dass ich mehr bei den Argumenten Klytaimnestras hängen blieb - deswegen interessiere ich mich besonders für sie. Sie ist eine Figur, die in vielen verschiedenen Stoffen eine Rolle spielt - aber im Gegensatz zu beispielsweise Medea gibt es noch kein Stück über sie, bei dem sie auch im Mittelpunkt steht."

Vielen Theaterbesuchern wird Klytaimnestra etwa in der "Elektra"-Oper von Richard Strauss als wichtige, aber nicht gerade sympathische Figur bekannt sein. Aber Sibylle Dudek hat bei der Beschäftigung mit den vielen unterschiedlichen Quellen viele interessante Facetten entdeckt. Ausgangspunkt dabei war: "Wie konstruiert sich aus so vielen verschiedenen Figuren eine Gestalt? Diese unterschiedlichen Aspekte und Blickwinkel möchte ich auch zeigen." Dazu werden vier Schauspielerinnen in verschiedene Figuren schlüpfen, dann soll der Betrachter wieder distanziert auf Klytaimnestra blicken.

Sibylle Dudeks Wunsch an den Abend: "Ich fände es schön, wenn sich eine Art Mosaik ergibt. Kein Bild, das ganz scharf und eindeutig ist - sondern es soll diese Vielheit entstehen, die ich erlebt habe. Ich will ja auch zeigen, warum sie so negativ dargestellt wird, aus welchen Gründen dies geschieht. Jeder, der diese Geschichte erzählt, hat seinen Standpunkt und seinen Grund, sie auf die eine oder andere Art darzustellen und sie zu funktionalisieren."

Durch ihre Funktion als Hausautorin vor Ort konnte Sibylle Dudek für Fragen des Regisseurs zur Verfügung stehen - trotzdem musste sie sich irgendwann von dem Stück lösen und der Produktion ihren Lauf lassen. Ob ihr das leichtfiel? "Nein, natürlich nicht!", gesteht sie.

Aber die studierte Regisseurin möchte sich hier mit einem Augenzwinkern ganz professionell zeigen: "Ich achte die Rolle des Regisseurs sehr, bin keine Autorin, die da besonders mäkelig ist. Aber wir haben uns noch nicht geschlagen!"

"Klytaimnestra" ist das zweite Stück der Saison in den Kammerspielen, die in dieser Spielzeit von Dirk Steffen Göpfert umgestaltet werden, der mit den jeweiligen Bühnenbildern auf die Werke und die Umbausituation eingeht. Bei "Klytaimnestra" will er sich dem Werk in einer musealen Situation annähern: "Man darf sehen, dass dieser Raum einmal ein Museum war, dafür haben wir den Boden freigelegt. Und ich wollte das Mosaikhafte dieses modernen, vielschichtigen Textes zeigen: Klytaimnestra als ein Thema mit Variationen." Noch vier weitere Produktionen stehen in dieser Saison in den Kammerspielen statt, die zum Ende der Spielzeit dann eine neue, rundum funktionstüchtige Studiobühne mit einigen neuen Möglichkeiten sein soll.

Auf dem Weg dahin ist "Klytaimnestra" sicherlich das Stück mit den ältesten Wurzeln - aber wie immer, wenn es um zentrale Fragen und Kriegssituationen geht, sehr aktuellen Bezügen, wie Sibylle Dudek versichert.

Claus Ambrosius

Karten: Tel. 0261/129 28 40

RZO