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Kunst

Graf von Schack und die Leidenschaft des Sammelns

München Es müssen wahre Besucherströme gewesen sein, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Haus von Adolf Friedrich Graf von Schack in München pilgerten.

Der Dichter Hugo von Hofmannsthal war nur einer von ihnen, aber er wurde dort als junger Mann zu einem seiner frühen Dramen inspiriert. Damals kamen die Kunstbegeisterten, um die mehr als 200 Gemälde der Sammlung Schack zu bewundern. Das tun sie auch noch heute. Doch mit den Jahrzehnten kam eine neue Facette hinzu: Die vielen Einzelteile ergeben zusammen ein Gesamtbild der Sammel-Begeisterung des 19. Jahrhunderts. Seit Dienstag - pünktlich zum 100. Geburtstag des Hauses - ist die Sammlung nach einer Verjüngungskur wieder fast komplett zu sehen.

«Es ist für uns ein großer Augenblick», sagte Klaus Schrenk, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, zur Eröffnung. In den vergangenen Jahren waren immer weniger Besucher in die Schack-Galerie an der Münchner Prinzregentenstraße gekommen. Die Ausstellungsräume mit ihren Teppichböden waren in die Jahre gekommen, die verblassten Plakate im Schaukasten vor der Tür wenig einladend. Schon 2008 wurde das Erdgeschoss komplett renoviert, nun erstrahlt auch das erste Obergeschoss in neuem alten Glanz. Jetzt fehlt nur noch das zweite Stockwerk. Ende 2010 soll alles fertig sein.

Während die Sammlung Schack bereits um die 150 Jahre alt ist, feiert das Gebäude in diesem Jahr 100. Geburtstag. Der Graf, 1815 in Schwerin geboren und lange Jahre ein Wahl-Münchner, hatte seine Bilder kurz vor seinem Tod 1894 dem deutschen Kaiser vermacht. Kaiser Wilhelm II. baute ein eigenes Haus für die Werke, 1909 zog die Sammlung von Schacks Privathaus an ihren heutigen Ort um. «Das Haus hat seine Struktur im Wesentlichen über zwei Weltkriege bewahrt - ein Stück gebautes 19. Jahrhundert», sagte Herbert Rott, Oberkonservator der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.

Auch die Sammlung ist bis auf einige wenige zerstörte Bilder dieselbe geblieben. Schwerpunkte sind Gemälde von Anselm Feuerbach, Moritz von Schwind und Arnold Böcklin. Antike Mythen, idealistische Landschaften, Historienbilder - die Gemälde spiegeln die Interessen des Sammlers. «Die Sammlung war damals hochberühmt und hochbedeutend», sagte Rott.

Nach der Renovierung des zweiten Stockwerks gibt es jetzt einen Pracht-Saal für eine weiteres besonderes Element: die Kopien von Werken großer Meister der venezianischen Renaissance. Solche nachgemalten Bilder - zu Lebzeiten Schacks populär - schuf etwa Franz von Lenbach. In der Sammlung ist er prominent vertreten.

Die Renovierung hat noch weitere Veränderungen gebracht. Statt Schack-Galerie heißt das Haus jetzt Sammlung Schack. Die Wände sind in intensiven Farben bemalt, zu jedem Bild gibt es Erläuterungen. Die Gemälde werden im Zusammenhang zur Literatur der Zeit gezeigt. Vorschläge, die Sammlung aufzulösen und ihre Einzelteile etwa in der Neuen Pinakothek aufgehen zu lassen, kamen laut Rott nie infrage: «Es ist eine historische Einheit, ein Denkmal des Kunstsammelns in Deutschland im 19. Jahrhundert.» Von Britta Gürke, dpa

dpa-infocom