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Hochschulen

Studentenproteste weiten sich aus

Berlin/Tübingen Immer mehr Studenten protestieren in ganz Deutschland gegen Missstände im Bildungssystem.

In 20 Städten hielten sie am Donnerstag Hörsäle besetzt, teilweise kam es zu Auseinandersetzungen mit den Hochschulrektoren.

In Tübingen ließ der Rektor von einer Hundertschaft der Polizei den seit einer Woche blockierten größten Hörsaal räumen. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) forderte unterdessen ihre Länderkollegen auf, vereinbarte Änderungen in der Studienstruktur rasch umzusetzen und die Studiengänge zu entschlacken.

Auf Transparenten forderten die Studenten die Abschaffung der Studiengebühren und beklagten überfüllte Vorlesungen. Am 17. November wollen Studentenorganisationen einen Protesttag an hundert Hochschulen organisieren. Die Proteste hatten vor rund drei Wochen in Wien begonnen und breiten sich seit gut einer Woche auch in Deutschland aus.

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, forderte von der neuen schwarz-gelben Bundesregierung, bei der Bildung Prioritäten zu setzen. Die Regierung müsse klar sagen, ob sie kostspielige Steuersenkungen für reiche Erben und Firmen wolle oder mehr Geld für ein gutes Bildungssystem, erklärte er. Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Ernst Dieter Rossmann, forderte Schavan auf, unverzüglich mit den Ländern Verhandlungen zu einem Pakt für bessere Studienbedingungen und eine bessere Lehre auf den Weg zu bringen.

In München, wo bereits die Akademie der bildenden Künste besetzt ist, nahmen etwa 300 Studenten auch das Audimax der Ludwig- Maximilians-Universität in Besitz. Die Hochschulleitung blieb gelassen: «Bis auf weiteres dulden wir die Besetzung des Audimax», sagte eine Sprecherin. Auch in Göttingen besetzten Studierende ein Gebäude. Der Protest sei friedlich und gewaltfrei verlaufen, sagte ein Universitätssprecher. An der Universität Hamburg blockierten mehrere hundert Studenten ebenfalls den zentralen Hörsaal. An eine Räumung sei nicht gedacht, sagte eine Sprecherin der Hochschulleitung.

In Berlin wollen Studenten zwei Hörsäle der Humboldt- Universität und Freien Universität (FU) bis zum 17. November besetzt halten. Am Donnerstag versammelten sich mehrere hundert Studierende, um gegen die Missstände im Bildungssystem zu demonstrieren. Die Hochschulleitung der FU signalisierte, dass sie die Aktionen tolerieren werde.

Die Räumung des Hörsaals in Tübingen sei ohne Probleme verlaufen, sagte ein Polizeisprecher. Nachdem die rund 200 Besetzer ein Ultimatum des Rektors verstreichen ließen, rief dieser die Polizei. «Es war eine friedliche Atmosphäre und ein reibungsloser Ablauf», sagte ein Polizeisprecher. Am Nachmittag zogen rund 400 Studenten friedlich durch die Tübinger Innenstadt. Uni-Rektor Bernd Engler warf den Besetzern mangelnde Gesprächsbereitschaft vor.

An der Universität Duisburg-Essen setzte das Rektorat, das die Proteste bislang duldete, den Besetzern eine Frist bis Freitagabend. In Münster planten Studenten, einen Hörsaal zu belegen, um ein Forum für Diskussionen zu schaffen. Vor einer Woche hatte die Universität dort das Audimax nach zweitägiger Besetzung von der Polizei räumen lassen und Anzeige wegen Hausfriedensbruchs erstattet.

Auch in Bielefeld, Heidelberg, Mainz, Dresden, Potsdam, Würzburg und Coburg hielten Studenten Räume in den Universitäten besetzt. In Magdeburg sollte bei einem Treffen am Donnerstagabend über Protestaktionen beraten werden.

dpa-infocom