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Energie

Erster deutscher Offshore-Windpark ist komplett

Borkum/Oldenburg Es ist eine Weltpremiere: So stark, so weit draußen und in so tiefem Wasser ist weltweit kein weiterer Offshore-Windpark.

45 Kilometer nördlich von Borkum und in 30 Meter tiefem Wasser steht Deutschlands erster Offshore-Windpark in der Nordsee. Doch es gibt auch Kritik.

Vom Hubschrauber aus sind kaum Schiffe auf der Nordsee zu erkennen. Dafür schälen sich langsam die Aufbauten von zwölf Windrädern aus dem Dunst. Vorsichtig umfliegt Pilot Bernd Bruderseifer die bis zu 155 Meter hohen Türme mit ihren langen Rotorblättern. Es ist ruhiges Wetter, die Maschine landet auf einer Bohrinsel-ähnlichen Plattform. Hier draußen steht der erste deutsche Offshore-Windpark «alpha ventus». Nach sieben Monaten reiner Bauzeit ist das 250 Millionen teure Pilot- und Testprojekt der 5-Megawatt- Klasse komplett.

Für das Gemeinschaftsunternehmen von EWE, Eon und Vattenfall war «alpha ventus» ein Sprung ins kalte Wasser: Bis zu 350 Spezialisten waren manchmal zeitgleich an der Baustelle, unterstützt von bis zu 25 Schiffen. 2008 mussten die Techniker oft an Land bleiben: Hohe Wellen und zu viel Wind verzögerten den Baustart. Die Stahlpreise stiegen und die Kosten kletterten von 190 auf 250 Millionen Euro.

Kritik gab es anfangs nach Schäden im Watt bei der Verlegung des tonnenschweren Seekabels. Es endet auf einem auf Stelzen gebauten Umspannwerk im Windpark, wo auch ein Hubschrauber landen kann.

Skeptiker befürchten aber auch Gefahren für die Schifffahrt, wenn sich weitere Windparks in der dicht befahrenen Deutschen Bucht drängeln. Das nächste Projekt, Bard Offshore 1, steht mit 80 Windrädern bereits in den Startlöchern. Radarüberwachung und Sicherungsschiffe sollen auch hier das Risiko von Zusammenstößen mindern, wenn etwa ein manövrierunfähiger Öltanker in die Sperrzone treibt. In den kommenden Jahrzehnten sollen sich mehrere 1000 Windräder in der Nordsee drehen.

Naturschützer wie der regionale Wattenrat in Ostfriesland sehen zudem Gefahren für Schweinswale und Zugvögel. Ein Untersuchungsbericht von der benachbarten Forschungsplattform FINO 1 zeigt eine hohe Gefährdung beim Vogelzug in der Nacht. Ornithologen haben daher zum Schutz der Tiere und der Anlagen ein Frühwarnsystem in Kombination mit einem Beleuchtungs- und Abschaltkonzept vorgeschlagen.

Ob sich das Testfeld «alpha ventus» auch langfristig rechnet, ist die zentrale Frage für das Konsortium. Neben neuen Erkenntnissen über den bisherigen Bau- und späteren Wartungsaufwand sollen sich die zwölf Anlagen durch Erträge rechnen, die durch die Subventionen nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz fließen. «alpha ventus» soll jährlich eine Strommenge produzieren, die dem Verbrauch von 50 000 Haushalten entspricht. Für weitere Windparks müssen künftige Bauherren vor allem genug Geld auftreiben - in Krisenzeiten nicht unproblematisch.

Doch immerhin: «Seit Baubeginn Ende August 2008 hat es trotz der schwierigen Bedingungen in der rauen Nordsee keinen schweren Unfall gegeben», sagte Projektleiter Wilfried Hube vom Oldenburger Energieversorger EWE. Ein Rippenbruch, ein paar Quetschungen und Prellungen - die Unfallbilanz verlief glimpflich.

www.alpha-ventus.de Von Hans-Christian Wöste, dpa

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