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Projekt hilft Jugendlichen ohne Schulabschluss

Nürnberg Bis vor kurzem hatte Sandy Sauer noch wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Als sie die Hauptschule nach der achten Klasse «schmiss», waren ihre Aussichten auf eine Lehrstelle düster.

Jetzt aber schöpft die 17-Jährige neue Hoffnung: Um ihren Schulabschluss so schnell wie möglich nachzuholen, nimmt sie an dem Nürnberger Projekt «Jugendliche ohne Ausbildung» (JoA-aktiv) teil. Hier erhält sie professionelle Unterstützung von Lehrern des örtlichen Berufsbildungszentrums und Sozialpädagogen der Beschäftigungsgesellschaft Noris-Arbeit (NOA).

Das Projekt hilft 15- bis 20-Jährigen nicht nur beim Schulabschluss, sondern unterstützt sie auch bei der schwierigen Lehrstellensuche - und fungiert damit als Auffangstelle für junge Leute, die sonst keine anderen beruflichen oder schulischen Möglichkeiten hätten. Die Jugendlichen erhalten ein halbes Jahr lang einmal pro Woche Berufsschulunterricht. Weiterbildende Kurse ergänzen das Programm. Finanziert wird diese Hilfsmaßnahme für junge Leute von der Bundesagentur für Arbeit und dem Jobcenter Nürnberg.

Seit Januar 2009 läuft das Jugendhilfeprogramm in Nürnberg schon und hat bisher rund 130 junge Menschen unterstützt. Die Jugendlichen nehmen aus den unterschiedlichsten Gründen bei JoA-aktiv teil: Einige haben ihre Ausbildung abgebrochen, andere sind ohne Schulabschluss und wieder andere haben es einfach verpasst, sich rechtzeitig um einen Ausbildungsplatz zu kümmern. Viele haben schlechte Erfahrungen hinter sich und brauchen deshalb Unterstützung von Lehrern und Sozialpädagogen.

«Die Schüler blühen richtig auf, wenn man sich mit ihnen beschäftigt», weiß die pädagogische Mitarbeiterin, Maria Richwien. Wer als Jugendlicher bei JoA-aktiv mitmacht, muss einmal die Woche die Berufsschule besuchen, wo Mathe, Deutsch, EDV, Hauswirtschaft und Sozialkunde unterrichtet werden. Außerdem kümmern sich die Lehrer um einen hohen Praxisbezug; ein wichtiger Bestandteil von JoA-aktiv sind daher Betriebsbesuche.

Großen Wert legen die Pädagogen auf die regelmäßige Anwesenheit der Schüler im Unterricht. Ein Problem sind nämlich notorische Schulschwänzer, denen man mit Bußgeldbescheiden beikommen will. Fehlt ein Schüler einmal unentschuldigt, muss er dafür zehn Euro Strafe zahlen oder diese entsprechend mit Sozialstunden ableisten. «Die Berufsschulpflicht ist für die Jugendlichen eine Chance, sich auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren», erklärt Richwien diese Maßnahme. Eine weitere Taktik gegen die Schwänzer: Besuche von Sozialpädagogen bei den Schülern zu Hause.

Die Zusammenarbeit zwischen der Berufsschule und den neun Sozialpädagogen der NOA funktioniere gut, bestätigt Richwien. Am Anfang finden mit den Jugendlichen erste Beratungsgespräche statt, in denen ein konkretes Ziel festgelegt wird. Auf dem Weg dorthin helfen den jungen Leuten die verschiedenen Angebote der NOA wie etwa Coaching oder EDV-Kurse. Im Bewerbungstraining werden außerdem kulturelle Unterschiede angesprochen. So ist es in Russland nicht üblich, bei der Begrüßung einen festen Händedruck und direkten Augenkontakt zu haben. Hier in Deutschland dagegen kann das im Bewerbungsgespräch vom Personalchef als mangelndes Interesse gedeutet werden.

Damit in Zukunft die Jugendlichen nicht an solchen Hürden scheitern, lernen sie auch die richtigen Umgangsformen. Dazu gibt es in der NOA einmal pro Woche einen offenen Treff, wo gemeinsam gegessen und zum Beispiel über den Umgang mit Konflikten gesprochen wird. Dort können die Schüler bei Bedarf über ihre privaten Probleme mit den Sozialpädagogen reden. Außerdem besteht für die Jugendlichen die Möglichkeit, in den NOA-eigenen Werkstätten oder in Betrieben Praktika zu absolvieren. Diese Maßnahme haben schon mehr als 40 junge Leute genutzt. Von Dorothee Engelhard, dpa

dpa-infocom



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