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Arbeiten trotz Krankheit: «Das rächt sich später»

Berlin Die Angst um den Arbeitsplatz und steigender Druck im Betrieb treiben Millionen Arbeitnehmer krank zur Arbeit.

Rund ein Drittel geht sogar gegen den ausdrücklichen Rat ihres Arztes arbeiten - obwohl damit auch langfristig die Gesundheit leiden kann.

Die Wirtschaftskrise kann aktuellen Studien zufolge eine Spirale von Verunsicherung, verschleppten Krankheiten und dauerhaften Risiken in Gang setzen. Jetzt rufen die Betriebsärzte Arbeitnehmer dazu auf, angesichts der Schweinegrippe mit Grippesymptomen auf jeden Fall zu Hause zu bleiben.

Helmut Schröder, Forscher am wissenschaftlichen Institut der AOK, spricht von einer «dramatischen Zahl»: 30 Prozent der gesetzlich versicherten Arbeitnehmer sind binnen zwölf Monaten mindestens einmal im Job erschienen, obwohl der Arzt auf Krankschreibung drängte. Insgesamt gaben sogar 71 Prozent an, bisweilen krank arbeiten zu gehen.

«Das rächt sich später» , sagt Schröder. Eine aktuelle dänische Studie bei knapp 12 000 Beschäftigten zeigt: Je häufiger jemand krank zur Arbeit erscheint, desto wahrscheinlicher und länger wird er in späteren Jahren krank. Kommt jemand zwei bis fünfmal im Jahr krank in Büro oder Werkstatt, liegt das Risiko späterer Langzeit- Arbeitsunfähigkeit um 21 Prozent höher. Schröder: «Es rechnet sich weder für Mitarbeiter noch für die Firma, sich krank zur Arbeit zu schleppen.»

Dass Gesunde krankfeiern ist dagegen derzeit kaum ein Thema. Der Krankenstand sinkt seit Mitte der 90er Jahre ständig - laut Statistik des Bundesgesundheitsministeriums von 5,1 Prozent 1995 auf zuletzt 3,2 Prozent. In diesem Trend liegt auch die AOK, auch wenn in den vergangenen zwei Jahren hier wieder ein leichter Anstieg der Fehlzeiten verzeichnet wurden. Der neue AOK-Fehlzeiten-Report 2009 deutet an, dass die Forscher einen erneuten Rückgang erwarten: Im nächsten Report werde wohl über Auswirkungen der Wirtschaftskrise, zu berichten sein, schreiben sie.

Ein Fünftel der Leute, die anders als vom Arzt geraten nicht zuhause bleiben, tun dies aus Furcht um den Job. Viele, vor allem Teamarbeiter fühlen sich aber auch unersetzlich - zu rund 30 Prozent meinen die Betroffenen, dass sonst zuviel Arbeit liegen bliebt. Weitere 16 Prozent fürchten Ärger mit Kollegen oder Arbeitgeber.

Ein Symptom steigenden Drucks in der Arbeit ist nach Ansicht der Experten auch die rasante Zunahme der Ausfälle wegen psychischer Erkrankungen - allein bei den 9,7 Millionen AOK-versicherten Arbeitnehmern seit 1995 um 80 Prozent. Insgesamt gehen inzwischen acht Prozent aller Krankmeldungen von AOK-Versicherten auf seelische Leiden zurück.

Depressive Erkrankungen stehen bei Frauen im Vordergrund, psychische Folgen von Alkohol bei Männern. Eine Umfrage unter Betriebsräten zeigt laut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler- Stiftung, dass es in mehr als 80 Prozent der Betriebe hohen Zeit- und Leistungsdruck gebe. Allerdings ist auch die Zahl der Therapeuten, die psychische Leiden diagnostizieren können, in den vergangenen Jahren stark gestiegen.

Die Krise kann nach Ansicht Schröders den psychischen Druck auf die Mitarbeiter erhöhen - wenn sie meinen, ihr Job steht auf der Kippe. «Menschen mit Arbeitsplatzunsicherheit haben weniger Sozialkontakte, suchen häufiger den Arzt auf und sind öfter traurig», sagt er. Dabei sei es nicht entscheidend, ob der Arbeitsplatz objektiv wackelt - oft reicht es schon, wenn die Geschäftsführung klare Ansagen vermissen lässt. «Ein Mitarbeiter braucht Klarheit», sagt der Experte des AOK- Instituts. Stattdessen sind laut Kommunikationsforschern Gerüchte typisch für eine Krise.

Der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte sieht keinen Trend von massenweise krank bei der Arbeit erscheinenden Menschen, wie Präsident Wolfgang Panter sagt. Wegen der über Deutschland laufenden Schweinegrippe-Welle warnt Panter aber davor, durch so ein Verhalten andere zu gefährden. «Wer grippale Symptome hat, sollte zuhause bleiben», sagt der Mediziner, «das ist für eine Unterbrechung der Infektionskette wichtig.» Von Basil Wegener, dpa

dpa-infocom


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