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Lukas Smirek studiert in der Dunkelheit

Karlsruhe Wenn Lukas Smirek noch spät am Abend seine Gleichungen berechnet, brennt in seinem Zimmer kein Licht.

Das würde ihm auch wenig nützen - seit fünf Jahren ist er blind.

Sein Studium an der Universität Karlsruhe meistert der werdende Wirtschaftsingenieur trotzdem problemlos - als einziger Blinder seines Semesters. Unterstützt wird der 25-Jährige dabei vom Studienzentrum für Sehgeschädigte (SZS). Die Einrichtung in Karlsruhe ist in ihrer Form deutschlandweit einzigartig. Sie hilft blinden und sehbehinderten Studenten dabei, weitgehend unabhängig zu studieren. Die Blinden werden dadurch nicht nur betreut, sondern gleichzeitig auch ihre speziellen Probleme erforscht.

Sein Abitur schrieb Smirek noch mit eingeschränkter Sicht - auf DIN A2-Papier mit dicken Filzstiften. Mit 19 Jahren verlor er endgültig sein Augenlicht, die Netzhaut seiner Augen hatte sich gelöst. Daran verzweifelt ist er nicht. In einem Kurs für Blinde lernte er, als Behinderter zu leben. Dort hörte er auch zum ersten Mal von dem Computerprogramm, das sein Studium heute erst möglich macht: «Screenreader». Es wandelt die Inhalte des Bildschirms in Tastschrift um, überträgt sie auf eine spezielle «Braillezeile» unter der Tastatur des Rechners und liest sie zusätzlich vor. Smirek kann damit die Texte aus seinen Kursen lesen und bearbeiten.

Pfeile, Brüche und Klammern kann der Student damit aber nicht bezwingen. Sie sind in Blindenschrift sehr schwierig darzustellen. Deshalb wird Blinden oft von Studienfächern, wie er eines gewählt hat, abgeraten. Ein tragischer Fehler, meint Joachim Klaus, Berater und ehemaliger Geschäftsführer des SZS. «So werden naturwissenschaftliche und technische Begabungen von Anfang an nicht gefördert.» Deshalb hilft das Zentrum den Studenten nicht nur dabei, sich mit dem Gehstock auf dem Campus zu orientieren oder Gelder für Hilfsmittel aufzutreiben. Das SZS arbeitet auch Lehrtexte so auf, dass Blinde damit arbeiten können. Grafiken werden in Worten beschrieben oder in Braille umgewandelt, Formeln mit einer speziellen Programmiersprache dargestellt.

«Im ersten Semester war ich nur mit mir und meiner Technik beschäftigt», erzählt Smirek heute. Mit anderen Studenten in der Gruppe zu arbeiten, war so nicht möglich. Später habe man sich beim gemeinsamen Lernen aber gut ergänzt. Die Sehenden haben vorgelesen, der Blinde konnte den Stoff besser erklären. «Da muss man eben ein bisschen kreativ sein», sagt er selbstbewusst. Auch Smireks Professoren gehen neue Wege, um sein Studium möglich zu machen. Die Prüfungen legt er zum Beispiel zum großen Teil mündlich ab.

Dass er selbstbestimmt leben kann , war für den Studenten und seine Familie immer das Wichtigste. Smirek hat ein Zimmer im Wohnheim, studierte ein Jahr lang in den USA. Sein Vordiplom hatte er nach der Regelstudienzeit in der Tasche - mit einer eins vor dem Komma. Hartnäckig müsse man dafür schon sein, sagt der 25-Jährige. «Aber ich wollte es immer so schaffen wie der Rest der Welt auch.» Dass er so gut abschneiden würde, hätte er anfangs selbst nicht gedacht.

Schon jetzt weiß Smirek, dass er einmal in der Energiebranche arbeiten will. Angst, als Blinder keine Stelle zu finden, hat er nicht. Das muss er auch nicht, meint Klaus vom SZS: «Unsere Studenten haben den Umgang mit modernster Technologie erlernt. Das ist gefragt auf dem Arbeitsmarkt.» Seine Hartnäckigkeit und Kreativität könnten gerade im Beruf von Vorteil sein, glaubt Smirek. «Ich suche die Probleme nicht, ich löse sie.»

Studienzentrum für Sehgeschädigte: www.szs.uni-karlsruhe.de Von Sabine Hub, dpa

dpa-infocom


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