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Eine Chance für viele: Kolleg wird 60 Jahre alt

Braunschweig Am Anfang galt es als schulisches Experiment.

Mittlerweile gibt es in ganz Deutschlands rund 60 Kollegs, Schulen an denen Erwachsene ihr Abitur nachholen können.

Das älteste Kolleg steht in Braunschweig und feiert am Freitag (13. November) seinen 60. Geburtstag. Ursprünglich sollte vor allem Kriegsheimkehrern die verpassten Bildungschancen geboten werden. Später waren es junge Erwachsene aus ländlichen Gebieten und Frauen, heute auch Menschen mit Migrationshintergrund. «Es gibt immer wieder Gruppen, die benachteiligt sind», sagt Schulleiter Roland Guttropf. Hinzu käme ein weiteres Spektrum an persönlichen Gründen im Erwachsenenalter noch einmal die Schulbank zu drücken.

Seine Familiengeschichte führte auch den Schriftsteller Uwe Timm 1961 nach Braunschweig. Nach der Volksschule absolvierte er eine Lehre als Kürschner. Dann starb sein Vater und Timm übernahm in Hamburg das verschuldete Pelzgeschäft. Die Schulden trug er ab, aber sein Leben sollte nicht das Kürschnern werden: «Ich hatte zufällig einen Bericht über das Kolleg im NDR gehört und habe mich dann sofort beworben», sagt der 69-Jährige.

Zur selben Zeit besuchte auch Benno Ohnesorg das Braunschweig-Kolleg. Timms Buch «Der Freund und der Fremde» berichtet von seiner Begegnung mit Ohnesorg, der 1967 in Berlin bei einer Studenten-Demonstration erschossen wurde. Auch der Präsident der Steinbeis-Hochschule Berlin, Prof. Johann Löhn, hat sein Abitur am Kolleg abgelegt. Löhn und Timm wollten aus alter Verbundenheit zur Geburtstagsfeier kommen.

«Das Kolleg ist eine ganz wichtige gesellschaftliche Institution, die unbedingt erhalten werden muss», sagt Timm. Niedersachsens Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) sieht es ähnlich: «Einrichtungen des Zweiten Bildungswegs waren und sind unverzichtbar. Aufgrund des Wertes von Bildung als solcher im Sinne von Persönlichkeitsentfaltung, aber auch angesichts des demografischen Wandels und des absehbaren Mangels an Nachwuchskräften benötigen wir ein spezifisches Bildungs- und Unterrichtsangebot für Erwachsene», sagt sie.    

In Niedersachsen wurden später auch in Hannover, Oldenburg und Wolfsburg Kollegs eröffnet. Vor allem in den 60er und 70er Jahren, als die Chancengleichheit im Fokus der Bildungspolitik stand, wurde der Zweite Bildungsweg generell ausgebaut. Anders als am Abendgymnasium läuft der Unterricht am Kolleg tagsüber. Die Kollegiaten haben entweder eine Berufsausbildung oder mehrjährige Berufserfahrung, sie erhalten in der Regel elternunabhängig BAföG.

Daniel Nieswand besucht derzeit das Kolleg: «Ich habe mein Leben bisher verdaddelt», gibt der 34-Jährige zu. Als eines von sieben Kindern sei er immer irgendwie orientierungslos gewesen. Mehrere Lehren habe er abgebrochen, am Kolleg würden nun seine Stärken besser erkannt. Ohne Probleme hat die 21-jährige Tanja Deinhart nach dem Realschulabschluss eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann gemacht: «Ich wollte aber unbedingt Abitur machen», erzählt sie. Sie träumt von einem Studium der Japanalogie. Anders als an Fachoberschulen erwerben Kollegiaten die bundesweit anerkannte allgemeine Hochschulreife, mit denen ihnen jeder Studiengang offen steht.

Für das Kultusministerium gilt das Kolleg als normales Gymnasium, entsprechend wird dort das Zentralabitur abgelegt. Wenn es nach Schulleiter Guttropf geht, sollten die Politiker darüber allerdings noch einmal nachdenken: «Die Berufserfahrungen unserer Schüler könnten wir bei einem größeren Freiraum beim Unterrichtsstoff nutzen.» Als Beispiel nannte er Krankenschwestern und Polizisten, die zum Beispiel etwas zu einem Schulfach Psychologie beisteuern könnten.

Kolleg-Liste (bundesweit): www.bundesring.de Von Anita Pöhlig, dpa

dpa-infocom



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