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Neue Trikots für die deutsche Nationalelf

Herzogenaurach/Bonn - Nach dem «bayerischen Frieden» schlüpfte Philipp Lahm mit entschlossenem Blick ins neue Trikot der deutschen Nationalmannschaft, in dem er 2010 Fußball-Weltmeister werden will.

Bei der aufwändigen Präsentation von DFB-Ausrüster Adidas am Dienstag am Firmensitz in Herzogenaurach zog der neue Chefkritiker des FC Bayern alle Blicke auf sich - viel sagen wollte der Münchner aber nicht mehr. «Heute soll das Trikot im Vordergrund stehen», betonte Lahm einen Tag vor seinem 26. Geburtstag an diesem Mittwoch. Nach Geldstrafe und Aussprache mit den Bayern-Bossen zog er für sich erst einmal einen Schlussstrich unter die heiße Interview-Affäre: «Dazu ist alles gesagt seit gestern.»

Beim Treffpunkt des Kaders am Abend im futuristischen Designer-Hotel «Kameha Grand» in Bonn für die letzten beiden Länderspiele des Jahres wollten auch die Spieler am liebsten nicht mehr über das Thema Lahm sprechen. «Ich kommentiere das nicht, dazu bin ich zu weit weg», sagte der Ex-Münchner Lukas Podolski und reagierte nach mehreren Nachfragen sogar gereizt: «Stellen Sie mir Fragen zur Nationalmannschaft und gehen Sie mir nicht mit dem Bayern-Thema auf den Sack. Das nervt.» Bayern-Stürmer Miroslav Klose durfte erst nach dem offiziellen Treffpunkt der 21 Akteure anreisen und fehlte so beim ersten kurzfristig angesetzten Training in Bonn.

Erstmals äußerte sich Joachim Löw zur Bayern-Kritik seines Führungsspielers Lahm. Und der Bundestrainer vermied ein Jahr nach der schweren Nationalmannschafts-Krise wegen eines kritischen Interviews von Kapitän Michael Ballack eine Schelte. «Ich möchte mich in diese Angelegenheit nicht einmischen. Das ist eine Angelegenheit von Bayern München und Philipp Lahm. Sie haben das Ding aufgearbeitet. Das ist eine vereinsinterne Sache, die nicht an die Öffentlichkeit gehört», sagte Löw.

Allerdings kündigte der Bundestrainer ein Gespräch mit dem von ihm geschätzten Abwehrspieler rund um die Länderspiele gegen die WM- Teilnehmer Chile und Elfenbeinküste an. «Wir werden sicherlich mal reden und das am Rande thematisieren.» Denn auch Löw wünscht sich Aufklärung: «Die Beweggründe von Philipp Lahm weiß ich auch nicht.»

Der Bundestrainer steht aber auf jeden Fall zum Juniorchef der DFB-Elf. «Philipp Lahm ist nicht nur auf dem Weg zum Führungsspieler, er ist ein Führungsspieler», betonte Löw. Distanzierter bewertete Teammanager Oliver Bierhoff Lahms Weg über die Öffentlichkeit: «Das ist immer eine schwierige Situation. Philipp ist auf dem Weg, eine Persönlichkeit zu werden. Das ist so nicht ganz gelungen», meinte Bierhoff, unterstellte Lahm aber gute Absichten: «Er will etwas bewegen. Auf diese Weise wird er reifen.» Franz Beckenbauer sehnt ein Ende der Münchner Unruhen herbei. «Der FC Bayern hat es geschafft, immer für Wirbel zu sorgen», sagte der scheidende Bayern-Präsident in Herzogenaurach: «Ich hoffe, das wird nicht zum Dauerzustand.»

Den «Fall Lahm» wollen Löw und Bierhoff so gut es geht vom Nationalteam fernhalten. Alle Konzentration soll nach dem Treffen des 22-köpfigen Kaders am Dienstagabend in Bonn auf einen gelungenen Jahresabschluss am Samstag in Köln gegen Chile und vier Tage später in Gelsenkirchen gegen die Elfenbeinküste gerichtet werden. «Die Vereinsangelegenheiten lassen die Spieler jetzt hinter sich. Wir erwarten zwei erfrischende Länderspiele», erklärte Bierhoff. Für Löw sind es alles andere als «alberne Länderspiele», wie Bayern-Manager Uli Hoeneß moniert hatte: «Wichtig ist, dass die Spieler sich zeigen und das Gefühl vermitteln, dass sie bei der WM dabei sein wollen.»

Zumal Beckenbauer bei der Präsentation des neuen Trikots mit seinen markanten schwarzen, roten und goldenen Längsstreifen durch Löws Stammkräfte Lahm, Ballack, Mertesacker und Schweinsteiger gleich das höchste WM-Ziel formulierte. «Ein vierter Stern auf dem Trikot hätte noch Platz», sagte der «Kaiser» angesichts der Triumphe 1954, 1974 und 1990 und schickte den Bundestrainer umgehend an die Arbeit: «Joachim Löw soll sich auf die Socken machen und die Mannschaft in Südafrika zum Titel führen.»

Exakt sieben Monate bleiben bis zum Start der ersten WM-Endrunde auf afrikanischem Boden, bei der die DFB-Elf bis zum Ende dabei sein will. «Die Chancen stehen nicht schlecht, wieder im Finale zu stehen», sagte Kapitän Ballack, der sich auch einen Seitenhieb auf Hoeneß erlaubte: «Jetzt, wo über Sinn und Unsinn von Länderspielen gesprochen wurde, ist es gut, dass wir zwei so gute Gegner haben.» Löw schickte eine frohe Botschaft an die Nationalmannschafts-Neulinge Aaron Hunt (Werder Bremen) und Thomas Müller (FC Bayern - nur beim zweiten Spiel dabei). Sie dürfen wohl auf Anhieb ins WM-Trikot schlüpfen: «Es ist gut vorstellbar, dass sie eine Chance bekommen.»

dpa-infocom