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EPO aus der heimischen Apotheke

Schweiz, 1990er-Jahre: Rolf Järmann ist einer der erfolgreichsten Radprofis des Landes. 28 Siege, darunter Triumphe beim Giro, Amstel Gold Race, Tirreno-Adriatico, Tour de Suisse und Tour de France.

Der dreifache Familienvater gilt als knallharter Hund, vor allem gegen sich selbst - und als ehrlicher Sportler. Järmann: "Ich bin lange sauber gefahren, weil ich sauber fahren wollte." Dann fing er an.

Järmann war schon vier Jahre lang (sauberer) Profi, als er in ein belgisches Team kam, in dem er spürte, dass es etwas abseits des Trainings gab, das die Kollegen schnell machte. Nach einem Jahr wechselte er aus dieser Equipe nach Italien. "Da wuchs der Druck ohne Resultate." Bis die Rennen in die entscheidende Phase gingen, war Järmann, der talentiert, taktisch ausgebufft und hart genug war für die großen Siege, dabei - dann wurde er gnadenlos abgehängt.

Um 1988 war EPO in die Branche gekommen; als Järmann 1992 zu "Ceramiche Aristoea" mit den dänischen Stars Rolf Sörensen und Bjarne Riis sowie dem Italiener Moreno Argentin kam, hing der Radsport längst an der Nadel. EPO war noch lange nicht nachweisbar. Järmann fuhr meistens hinterher, seine Karriere schien ohne Vertragsverlängerung am Ende. Also nahm er das Angebot eines teamnahen italienischen Dottore an, ließ sich Präparate besorgen - und bekam einen neuen Vertrag. "Anfangs habe ich sie das WC runtergespült", sagt Järmann heute, "das war ein teurer Spaß."

Er glaubte, dass er mit noch härterem Training im Winter so gut werden könnte, ohne Doping zu siegen. "Aber ich wurde immer brutaler abgehängt." Järmann begann, EPO zu nehmen, und gewann gleich zwei Rennen. "Danach habe ich gedacht, dass ich ohne EPO nichts mehr gewinnen kann."

Mit teils am heimischen Schreibtisch gefälschten Rezepten kaufte Järmann in einer öffentlichen Apotheke ein. Immer früh morgens, um nicht erkannt zu werden. Aber zumindest der Mann im weißen Kittel hinter dem Tresen wusste sofort, worum es ging. "Sporttreiben ist auch nicht mehr so billig", sagte der Apotheker dem Radprofi bei seinem ersten Besuch. Dabei blieb es.

"Für mich war es damals eine existenzielle Entscheidung, ob ich dope oder nicht." Andernfalls hätte der sechsmalige Tour-Teilnehmer seine Karriere vorzeitig beenden müssen, glaubt er. Järmann sagt, er hätte es gern anders gehabt, einen Radsport ohne verbotenen Treibstoff. Weil er hoffte, etwas ändern zu können, gestand er im Jahr 2000 kurz nach dem Ende seiner Karriere seine Vergehen. "Aber es wollte keiner hören." Das Geständnis wurde in einer großen Schweizer Tageszeitung gedruckt. "Ich war damals ziemlich naiv, ich wollte diesen Schritt zurück in die Ehrlichkeit gehen", sagt er, "aber es wurde totgeschwiegen. Mich hat nicht ein einziger Journalist angerufen."

RZO

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