Postbank will fast jede zehnte Stelle streichen
Bonn - Die Postbank streicht bis Ende 2012 fast jede zehnte Stelle. Auf diese Weise will das Institut fünf Prozent der Verwaltungskosten einsparen. Rund 2000 der derzeit 21 000 Arbeitsplätze sollen abgebaut werden.
Um die Eigenkapitalausstattung zu verbessern, behält das Institut außerdem vier Jahre lang seine Gewinne ein. Auf eine Dividende müssten die Aktionäre damit vorerst verzichten, teilte das Institut am Mittwoch nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Nach dpa-Informationen beschloss das Gremium außerdem eine Millionenabfindung für den früheren Postbank- Chef Wolfgang Klein.
Die Postbank war 2008 wegen der Finanzkrise tief in die roten Zahlen gerutscht. Mit dem Sparprogramm soll sich die Ergebnissituation verbessern. Bis 2012 sollen jährlich 500 bis 700 Arbeitsplätze gestrichen werden - zusätzlich zu den rund 500 Stellen, die ohnehin schon jedes Jahr wegfallen. Am Ende des Jahres 2012 will die Bank noch 19 000 Mitarbeiter beschäftigen.
Der Stellenabbau soll den Angaben zufolge sozialverträglich und «unter Ausnutzung der natürlichen Fluktuation» geschehen. In begrenztem Umfang würden auch Abfindungen und Vorruhestand angeboten. Auf diese Weise will die Postbank ihren Verwaltungsaufwand bis Ende 2012 um 145 Millionen Euro drücken. 2008 beliefen sich die Kosten auf 2,97 Milliarden Euro.
Zusätzlich will die Postbank ihre Produktpalette im Privatkundengeschäft verschlanken und den Service ausbauen. Mit den Änderungen wolle das Unternehmen dem durch die Finanzkrise veränderten Nachfrageverhalten entsprechen, sagte Vorstandschef Stefan Jütte. Die Postbank arbeitet bei den Privatkunden bereits mit dem neuen Großaktionär Deutsche Bank zusammen, der das Institut bis 2012 vermutlich komplett schlucken wird.
Ihre Eigenkapitalausstattung will die Postbank verbessern, indem sie die Gewinne für die Jahre 2009 bis 2010 einbehält. Bis Ende 2012 soll die Eigenkapitalrendite auf zehn Prozent steigen. Diesen Wert strebt auch Großaktionär Deutsche Bank als Mindestgröße an. Dass die Aktionäre deswegen auf eine Dividende verzichten müssen, nimmt die Postbank in Kauf.
Die Deutsche Bank hält seit dem vergangenen Jahr mehr als ein Viertel der Anteile an der Postbank und wird spätestens in drei Jahren zum Mehrheitseigner. So sehen es die Verträge mit der früheren Postbank-Mutter Deutsche Post vor, die derzeit ebenfalls noch mit knapp 40 Prozent beteiligt ist.
Neben dem Sparprogramm stimmte der Aufsichtsrat auch einer Abfindung von knapp 2,9 Millionen Euro für den früheren Postbank-Chef Klein zu. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur dpa aus sicherer Quelle. Kleins Gehalt für 2009 - bis zu seinem Ausscheiden Ende Juni - betrug rund eine halbe Million Euro. Auf eine etwaige Bonuszahlung für 2009 habe Klein verzichtet.
Der 45-Jährige war nach dem Einstieg der Deutschen Bank bei der Post-Tochter überraschend ausgeschieden - wahrscheinlich musste er seinen Hut nehmen. Zuvor war er in die Schlagzeilen gekommen, als er im Zuge des Verkaufsprozesses 2008 einen umstrittenen Sonderbonus von 2,4 Millionen Euro erhielt - der gesamte Postbank-Vorstand kassierte 11,5 Millionen Euro.
dpa-infocom
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