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Tagung im Stil von Wikipedia: Beim Barcamp darf jeder mitreden

Mainz Die Unterschiede könnten größer nicht sein: In einem Hörsaal des Instituts für Informatik an der Uni Mainz berichtet ein Experte über spezielle Betriebssysteme von Multimediahandys.

Nebenan erzählt ein anderer 20 Zuhörern über seine Alltagserfahrungen mit der Hotline der deutschen Telekom und welche Spiele er sich gerade für sein i-Phone, eines der derzeit modernsten Mobiltelefone, runtergeladen hat. Wissenschaftlicher Anspruch gleich null und doch kann man sich mit beiden Themen auf derselben Veranstaltung beschäftigen.

Denn auf dieser speziellen Konferenz sind alle Themen erlaubt. Organisator Darren Cooper spricht deshalb auch lieber von einer "Un-Konferenz". Der richtige Name dieses Treffens, zu dem 300 Teilnehmer aus ganz Deutschland angereist sind, lautet "Barcamp". Wofür dieser Name steht, lässt sich nicht ganz klären. In der Programmiersprache der Computerexperten wird das Kürzel "bar" als später noch zu ersetzender Platzhalter benutzt. Und die ersten Barcamps wurden im Jahr 2005 von Internetexperten in den USA organisiert. Schon bald folgten die ersten "Un-Konferenzen" in Deutschland. Das Mainzer Barcamp vom vergangenen Wochenende ist das erste in Rheinland-Pfalz.

Der Geist der Barcamps ist sehr von der Kultur der sozialen Netzwerke wie Wer-kennt-wen, Facebook oder StudiVZ geprägt. "Die Gemeinschaft macht die Veranstaltung", sagt der gebürtige Engländer Cooper, der jetzt in Frankfurt arbeitet. Die Teilnehmer eines Barcamps bringen ihre Vorträge selbst mit. Gemeinsam wird am Morgen abgestimmt, wie viele der Teilnehmer sich für welche Themen interessieren. Die Hoffnung von Zuhörern und Referenten: Sie kommen mit Menschen ins Gespräch, die sich wirklich für das Thema interessieren. In der gemeinsamen Diskussion soll das Thema weiterentwickelt werden. Ein bisschen kann man es sich so vorstellen, als würde das Mitmachlexikon "Wikipedia", bei dem jeder Leser auch eigene Einträge erstellen darf, mit echten Menschen in der Realität ablaufen.

Auch wenn das Publikum eher jung ist , besuchen auch echte Experten die lockere Konferenz. Professor Herbert Göttler lässt sich von der ungezwungenen Atmosphäre des Barcamps anstecken: "Man spürt, dass die Menschen, die hier reden, ein Anliegen haben, etwas erreichen wollen", sagt der 63-Jährige Leiter des Instituts für Informatik. Er nimmt viele Anregungen von der Konferenz mit. Nicht nur was den Inhalt der Vorträge angeht: Ihm hat die Idee des Barcamps so gut gefallen, dass er sich vorstellen kann, ähnliche Veranstaltungen auch in der Lehre einzusetzen. Vielleicht gibt es schon bald Seminare, bei denen nicht der Dozent die Themen festsetzt, sondern die Studenten selbst entscheiden, worüber sie ihre Referate halten möchten. (Moritz Meyer)

RZO



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