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Geständnisse im Wettskandal - Asien im Zentrum

Bochum Die ersten Geständnisse in Deutschland bringen langsam Licht ins Dunkel des Wettskandals.

Doch die Ausmaße der Manipulationen gerade in Asien sind unüberschaubar.

Der unter Verdacht stehende frühere Profi des VfL Osnabrück, Marcel Schuon, hat nach Angaben seines Anwalts bei der Staatsanwaltschaft Bochum ausgesagt und eine Verabredung mit seinem Auftraggeber gestanden. Der SV Sandhausen hat Schuon nach Informationen der «Rhein-Neckar-Zeitung» entlassen. Patrick Neumann, suspendierter Kapitän des Fußball-Regionalligisten SC Verl, hat den Geldzufluss von 500 Euro für zwei manipulierte Spiele zugegeben.

Nach Informationen von Spiegel Online hat der europäische Fußball-Verband UEFA in Zusammenhang mit dem Wettskandal den ukrainischen Schiedsrichter Oleg Orijechow suspendiert. Der 42-Jährige soll persönlichen Kontakt zu einem Mitglied der Wettmafia haben. Er sei aufgrund von Ermittlungen der Anti-Korruptions-Einheit der UEFA zu einer persönlichen Anhörung in die Verbandszentrale nach Nyon geladen worden.

Nun stehen weitere Aussagen und Ermittlungen an. «Das ist möglich. Ich habe Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft in Bochum beantragt. Zunächst müssen wir wissen, was in den Akten steht. Danach überlegen wir, ob wir weitere Angaben machen. Die bisherigen Aussagen von Herrn Neumann waren eine Vorleistung», sagte Neumanns Anwalt Lutz Klose am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Unterdessen führen die Spuren der Hintermänner immer wieder nach Asien. Vom Fernen Osten aus werden offensichtlich selbst die europäischen Teams «gesteuert». Dr. Declan Hill, der im vergangenen Jahr das Buch «Sichere Siege» über den Wettbetrug geschrieben hat, warnte in einem Beitrag der ZDF-Sportreportage vor den Auswirkungen. «Stoppst du diese Entwicklung nicht, wirst du den Sport ruinieren. Es gibt viele ehrliche Spieler, die Mehrheit ist in Ordnung und liebt den Sport so wie wir. Doch was wir haben, ist eine starke Minderheit an Kriminellen, die eine Menge Geld machen. Du kannst auf unehrliche Weise oft mehr Geld verdienen, als auf die ehrliche Tour in deiner gesamten Karriere.»

Ein 35 Jahre alter «Kontaktmann» aus Singapur, der sich nur «Raj» nennen ließ und nach eigenen Angaben seit 17 Jahren Spiele manipulieren lässt, sprach in dem Beitrag ganz offen über die üblichen Praktiken der Kontaktaufnahme und über die Höhe der Wett-Einsätze. «Das ist das lukrativste Geschäft der Welt. Bei jedem illegalen Internetanbieter kann ich für ein Spiel in der dritten Liga in Deutschland vier Millionen Euro setzen, in der Bundesliga sind selbst sechs bis acht Millionen Euro möglich. Und eine Viertelstunde vor Spielgewinn schreibe ich den Spielern eine SMS oder nehme über einen Balljungen Kontakt auf», sagte der Operations-Manager, der angeblich über drei Kontaktpersonen an die Spieler herantritt. Einer wirbt an, der Zweite ködert mit Geld, der Dritte zahlt aus.

Laut Informationen des MDR-Magazins «Fakt» greifen solche Methoden auch in Deutschland. Ein Insider der Wettmafia berichtete von angeblich mehr als 60 Partien in Deutschland, die verschoben worden seien. Der Hamburger serbischer Herkunft prahlte vor laufender Kamera: «Das waren fünf Zweitligaspiele und dann ging es abwärts bis zur Oberliga. Zu circa 80 Prozent waren die Manipulationen erfolgreich. Es ist so eingetroffen, wie wir es auch haben wollten.» Der Gehilfe des verhafteten Drahtziehers Ante Sapina will auch selbst Spieler zu Manipulationen überredet haben. Zudem verhöhnte er in dem TV-Beitrag die Fußball-Verbände, die nach dem letzten großen Wett-Skandal vor knapp fünf Jahren ihre Kontroll-Systeme verbessert hatten: «Wir haben aus dem Hoyzer-Skandal gelernt. Wir sprechen den Spieler nie direkt an, wir schauen erst mal das Umfeld an: Hat er Schulden, ist er ein Zocker, trinkt er gerne? Wir haben immer recherchiert: Wer, was, wo, wer mit wem? Wir haben alles verfeinert.»

Solche Kontakt hatte auch Marcel Schuon. «Zur Manipulation ist es aber nicht gekommen», sagte Anwalt Siegfried Kauder. Schuon habe während der Partie gegen den FC Augsburg (0:3) in der vergangenen Saison gemerkt, «dass er als Mittelfeldspieler alleine nichts ausrichten könne». Da allerdings dennoch das gewünschte Ergebnis eingetreten sei, seien Schuon von seinem Auftraggeber die Wettschulden erlassen worden. Damit habe sich Schuon der «Verbrechensabrede» schuldig gemacht, sagte Kauder. Vor einem weiteren Spiel der Saison gegen den 1. FC Nürnberg (0:2) habe Schuons Auftraggeber das erneute Signal zur Manipulation gesandt, dabei sei allerdings das gewünschte Ergebnis nicht erreicht worden.

Unterdessen wollen Spieler des Fußball-Regionalligisten SSV Ulm 1846 angeblich ihre in den Wettskandal verwickelten Ex-Kollegen verklagen, berichtet «Bild» in seiner Online-Ausgabe. Der Verein hat die der Manipulation beschuldigten drei Akteure Davor Kraljevic, Marijo Marinovic und Dinko Radojevic inzwischen entlassen. Vereinspräsident René Mick sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa: «Ich kann das nicht bestätigen.» Wenn Spieler gegen ihre ehemaligen Kollegen juristisch vorgehen wollten, so sei «das deren Privatsache». Ansonsten gebe es in der Angelegenheit «keine neuen Erkenntnisse».

dpa-infocom



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