pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
RZ-Blog  |  Twitter  Mobil&RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Land & Region     » regioticker     » regiolinks     » aus dem Land     » „mehr” aus der RZ

RZ-INTERVIEW: Neuer Ring-Aufsichtsrat Schwanhold redet Klartext

Nürburgring/Koblenz Zu groß geplant, zu eilig gebaut: Erstmals spricht ein Verantwortlicher des Nürburgrings öffentlich von Fehlern bei der Realisierung des 300-Millionen-Euro-Projekts „Nürburgring 2009“: Der neue Aufsichtsratschef Ernst Schwanhold von Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) nach dem Platzen der Privatfinanzierung und dem Rücktritt von Finanzminister Deubel als Aufräumer an den Ring geholt, gab unserer Zeitung das erste Interview.

Schwanhold (61), früher SPD-Wirtschaftsminister in Nordrhein-Westfalen und zuletzt fünf Jahre lang Bereichsleiter im „Kompetenzzentrum Umwelt, Sicherheit und Energie“ des Chemiekonzerns BASF, ist seit Sommer Aufsichtsratschef der Ring GmbH. Mit dem maßgeblich von ihm mit gestalteten „Zukunftskonzept“ ist an der Formel-1-Strecke eine neue Bescheidenheit eingezogen: Schon eine schwarze Null wäre ein gutes Ergebnis für die weitgehend landeseigene Ring GmbH, meint der viel beschäftigte „Ruheständler“.

[an error occurred while processing this directive]

Sie sagten , der Aufsichtsratsvorsitz beim Nürburgring ist Ihre bisher größte ehrenamtliche Herausforderung. Warum?

Die größte Herausforderung daran ist, aus der sehr schlechten Stimmungslage, der negativen öffentlichen Betrachtung und aus den tatsächlichen sachlichen Fehlern, die gemacht worden sind, ein tragfähiges Zukunftskonzept zu entwickeln, das am Ende zum ökonomischen Erfolg führt.

Welche waren die größten sachlichen Fehler?

In aller Regel ist es eine Verkettung von sehr vielen kleineren Fehlern. Der ehrgeizige Zeitplan ist sicherlich ein Punkt, den man nicht außer Acht lassen darf.

Also: Baubeginn Herbst 2007 und Fertigstellung Sommer 2009?

Ja. Für ein solch großes Projekt ist das sicher ein Fehler, weil da auch eine unkalkulierbare Winterphase drin war, die in diesem Jahr ungewöhnlich lange gedauert hat. Hinzu kommen Enttäuschungen über Auftragnehmer. Vielleicht ist die Auswahl des einen oder anderen Auftragnehmers nicht so glücklich gewesen.

Auch der des Generalplaners, gegen den jetzt Regressforderungen geltend gemacht werden?

Der Generalplaner ist sicherlich ein Teil der Ursache. Wenn man dermaßen abweichende Baukosten, zeitliche Verzögerungen und auch Baumängel feststellen muss, dann heißt das ganz klar: Das passiert nicht ohne Fehlleistungen des Generalplaners.

Riesen-Arena und 1000 neue Betten am Ring: Ist das Ausbauprojekt überdimensioniert?

Die damaligen Zahlen, die die Gutachter zugrunde gelegt hatten, rechtfertigten wohl diese Dimension. Das Maß der Bescheidenheit ist da nicht angelegt worden, das ist aber in vielen Dingen eher ratsam, als allen schönen Zahlen zu glauben, die einem Gutachter gelegentlich aufschreiben. Aus heutiger Sicht würde ich sagen: Etwas weniger wäre genauso gut gewesen.

Welche Zielgruppe soll denn jetzt umworben werden – Junggesellenclubs, Familien, die Gut- und Sehr-gut-Verdiener?

Meine erste Frage, die ich gestellt habe, lautet: Welches Potenzial bietet der rennsport-affine Teil und reicht das aus, um das, was sonst gebaut worden ist, in ausreichendem Maße auszunützen? Das ist mir nicht ausreichend beantwortet worden. Daraufhin war das Drängen des Aufsichtsrates, sich sehr intensiv um jenen Teil zu bemühen, der viel mit Erlebnis, Neugier-Tourismus und Unterhaltungstourismus zu tun hat. Ich denke an die vielen Busunternehmer, die älteren Menschen Erlebnisse bieten. Die sind vielleicht nicht rennsport-affin, aber sie sind interessante Zielgruppen und verfügen über ein relativ hohes Einkommen. Was ich ungern möchte ist, eines jeder zweifelhaften Angebote zu schaffen, welche vom Alkohol und anderen Exzessen leben.

Liegt die Zielzahl weiterhin bei plus 25 Prozent auf 2,5 Millionen Besuchern pro Jahr wie im alten Businessplan?

Wir haben uns den Businessplan noch einmal sehr genau angeschaut und wir haben ihn auch noch einmal extern begutachten lassen. Der neue Businessplan geht von geringeren Zahlen aus.

Der alte Businessplan ging auch davon aus, dass ein paar Millionen plus für den Ring herumkommen. Das neue Konzept klingt eher so, als könne der Nürburgring zufrieden sein, wenn für ihn eine schwarze Null rauskommt .

Ich würde mich gerne mehr mit der Zukunft beschäftigen, aber natürlich gibt es Aufklärungsbedarf für die Vergangenheit. Anfangs wurde allein für die Nürburgring GmbH von einer Bausumme von 135 Millionen Euro ausgegangen und heute sind rund 200 Millionen zu erwarten. Das bedeutet eine Zinslast, die den Ertrag, der anfangs mit ein paar Millionen Euro angesetzt worden ist, deutlich schmälert. Zunächst erwarten wir, dass Zinsen, Abschreibung und Tilgung finanziert werden können. Dann wird kein Euro des Steuerzahlers benötigt. Das wäre ein gutes Ergebnis, und die Betreiber sollen verdienen.

Laut Ministerpräsident Kurt Beck ist der Verlustbringer Formel 1 eine strukturpolitische Maßnahme – ein Freizeitunternehmen als Strukturpolitik, wie rechtfertigt sich das?

Es ist nicht das Unternehmen, es ist die Marke Formel 1 und die Weltgeltung, die man damit erreicht. Die Marke Nürburgring lebt doch sehr von der Formel 1. Die wird man nicht jedes Jahr benötigen und man kann sie nicht um jeden Preis haben wollen. Aber dauerhaft brauchen wir ein Top-Ereignis, weil es Fernehauftritte bedeutet und alles das, was an PR (Öffentlichkeitswirkung, d. Red.) auf die Region und Rheinland-Pfalz abfärbt. Es ist eine Investition in die Marke, die sich an einem Sportereignis dokumentiert.

Nicht um jeden Preis – wie ist die Verhandlungslinie mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone für 2013?

Ich kann mir ein Paket vorstellen, in dem man vielleicht bis 2020 neu verhandelt, in das aber auch 2011 einbezogen wird und ein preiswerteres Rennen Formel 1 stattfindet. Es gibt große Veränderungen innerhalb der Formel 1 und die Position von Herrn Ecclestone ist sicherlich nicht mehr so, dass man nicht mit ihm reden könnte. Das haben wir am Hockenheimring gesehen. Ich glaube, dass wir gute Aussichten haben, zu besseren Ergebnissen zu kommen.

Wer soll denn die Verhandlungen mit Ecclestone künftig führen angesichts der neuen Gesellschaftsstruktur am Ring?

Das wird dann eine kleine Gesellschaft sein, die nicht die Betreibergesellschaft ist. Sie wird entweder bei der Nürburgring GmbH direkt angesiedelt oder eine eigenständige Gesellschaft. Darüber ist noch keine abschließende Entscheidung getroffen worden.

Ex-Geschäftsführer Walter Kafitz soll mit seiner Rennsporterfahrung dem Ring erhalten bleiben. An welcher Stelle?

Darüber mag ich nicht spekulieren, das ist offen. Zunächst mal habe ich Gespräche mit Herrn Kafitz im Vorfeld über diesen Veränderungsprozess geführt. Wo er sich einbringen könnte, ist weiteren Gesprächen vorbehalten und das ist natürlich auch noch von den Ergebnissen des Untersuchungsausschusses und vor allem des Landesrechnungshofes abhängig.

Kann der Rechnungshofbericht auch dazu führen, die Höhe einer Abfindung für Herrn Kafitz zu verändern?

Ich kann zu Abfindungen keine Aussagen machen. Ich möchte gerne, dass wir mit Herrn Kafitz eine faire Lösung finden, er hat ja lange Zeit hier gearbeitet und auch Erfolge zu verzeichnen. Was ich allerdings über Abfindungssummen lese, ist bar jeder Realität.

Die von den Grünen kolportierte Million?

Einige haben eine Million genannt. Mit der Realität hat das nichts zu tun.

Sie sagten, Sie hätten „in so manchen dunklen Raum“ hineingeleuchtet. Meinen Sie das Firmengeflecht am Ring?

Angesichts des Geschäftsvolumens am Ring gibt es eine beachtliche Zahl von Gesellschaften, die eigentlich nicht notwendig gewesen wären. Ein anderer Punkt ist, dass vielleicht unter dem Eindruck der Herausforderung des Baues und im Umfeld der Finanzierung die eigentlichen Hausaufgaben eines klassischen Unternehmers nicht immer gemacht wurden, nämlich ein striktes Kostenmanagement. Dazu gehört auch, dass man sich Gesellschaften, die nicht sonderlich erfolgreich sind, anschaut ob man sie braucht.

Hat der frühere Aufsichtsrat die Zügel schleifen lassen?

Ich möchte nicht über andere urteilen. Ich glaube, dass man die eine oder andere Entwicklung hätte früher erkennen und verhindern können.

Bei alteineingesessenen Gastronomen rufen die Namen „Lindner“ und „Mediinvest“blanke Panik hervor, jetzt endgültig an die Wand gedrückt zu werden. Was antworten Sie auf diese Sorgen?

Dazu möchte ich gerne drei Aussagen machen: Der Ring wird nie nur aus sich selbst heraus bestehen, er wird das Umland, die Landschaft, die alteingesessenen Unternehmen dazu benötigen. Der Chef der künftigen Betriebsgesellschaft, Jörg Lindner, wird auf die Gastronomie der Region zugehen. Zweitens: Es wäre gut, wenn die Menschen, die sich gegenwärtig lautstark beschweren, mal überlegen, was sie den Touristen der Gegenwart und der nächsten Jahre anbieten müssen. Man muss ja nur in das eine oder andere Lokal hineingehen, dann glaube ich, dass die ihre Möglichkeiten nicht alle ausgeschöpft haben. Der dritte Punkt, aber darauf wird Lindner peinlich achten: Es wird jeder die Angebotsmöglichkeit von „Packages“ (Pakete mit Ring-Besuch plus Übernachtungen und Gastronomie, d. Red.) haben. Es darf keine Bevorteilung geben, die kartellrechtlich anzuzweifeln wäre. Ich bin überzeugt, und darin bin ich mit Herrn Lindner einer Meinung: Das ist eine gemeinsame Chance, oder wir werden alle verlieren.

Die Fragen stellte Claudia Renner

RZO


[an error occurred while processing this directive]
Sie benötigen Flash Player 9, um den RZ-Video-Player ansehen zu können.
So.
regen
4·11°
Mo.
wolkig
6·10°
Di.
regenschauer
2·7°
Mi.
wolkig
5·7°

[an error occurred while processing this directive]
Eventkalender
RZ-Blog
[an error occurred while processing this directive]
Charts
» Börse     » Fonds
Weihnachts-Kinder-Malwettbewerb
Forscher-Camps
rz lexikon
[an error occurred while processing this directive]
[an error occurred while processing this directive]