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Nobelpreis: Die Krönung eines Forscherlebens

Stockholm Die Preisträger stehen schon seit Oktober fest, den Preis in Händen hält jedoch noch keiner.

Morgen ist es endlich so weit: Dann werden sie in Stockholm anstehen, die Wissenschaftler im Frack, die Wissenschaftlerinnen im Abendkleid (der Dresscode ist unerbittlich), um die Krone für ihr Forscherleben zu erhalten - den Nobelpreis.

Mit Gelehrten ist es so eine Sache , man findet so selten Entertainer unter ihnen. Verborgen in den Laboratorien von Hochschulen, Instituten und Firmen, gehen sie ihrer Arbeit nach - normalerweise. Doch just in diesen Kämmerlein zwischen Lehrbüchern, Lasern und Liebigkühlern träumen sie alle denselben Traum: Zumindest einmal im Leben ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt zu werden, die Scheinwerfer auf sich gerichtet zu sehen und den tiefen Respekt der Kollegenschaft zu genießen. Dieser Traum hat einen Namen: Nobelpreis.

Alle Jahre wieder trifft es rund ein Dutzend Wissenschaftler wie aus heiterem Himmel: Plötzlich richten sich Milliarden neugieriger Augen auf sie, sind ihre Namen in den Nachrichtensendungen rund um den Globus präsent. Die Medien reißen sich um Interviewtermine, denn die Welt will wissen, was der oder die da macht.

Wer den Nobelpreis zugesprochen bekommt, der leidet meist sehr schnell unter Erklärungsnot. Wilhelm Conrad Röntgen (er erhielt 1901 als erster einen Nobelpreis für Physik) dürfte da noch relativ wenig Probleme gehabt haben, er machte mit der Entdeckung der nach ihm benannten Röntgenstrahlen den Menschen gläsern und verhalf damit der medizinischen Diagnostik zu einem gewaltigen Fortschritt.

Max Planck hatte gewiss mit erheblich mehr Schwierigkeiten zu kämpfen, dem breiten Volke seine Theorien zur Quantenphysik zu erklären. Planck, der heute als Begründer derselbigen gilt, heimste 1918 den Preis der Preise ein.

Und bei Albert Einstein, dem drei Jahre später diese große Ehre zuteil wurde, blickten selbst manche Experten nicht mehr durch, wenn es darum ging, die Gedankengänge des Genies zu entwirren und dem gemeinen Menschen verständlich zu machen.

Bleiben wir einen Moment bei Einstein. Er war eine wissenschaftliche wie menschliche Ausnahmeerscheinung und verkörperte das Klischee vom etwas verrückten Forscher. Auch 88 Jahre nachdem er mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, ist Einstein noch allgegenwärtig - in klugen und hintersinnigen Zitaten oder auf Postern, die ihn mit herausgestreckter Zunge zeigen. Er war das seltene Exemplar eines Wissenschaftlers mit Entertainer-Qualitäten - weit über seinen Tod hinaus. Ach, übrigens: Nein, der Preis war nicht der Lohn für die von ihm entworfene "spezielle Relativitätstheorie" - eine weitverbreitete, aber nichtsdestotrotz falsche Annahme. Vielmehr war es seine bereits 1905 festgehaltene Erklärung des fotoelektrischen Effekts, für die er 17 Jahre danach den Nobelpreis bekam.

Albert Einstein gilt als Inbegriff des Forschers und Genies. Er nutzte jedoch seine außerordentliche Bekanntheit auch außerhalb der naturwissenschaftlichen Fachwelt bei seinem Einsatz für die Völkerverständigung und den Frieden. In diesem Zusammenhang verstand sich der Gelehrte selbst als Pazifist, Sozialist und Zionist.

Sucht man nach einer ähnlich schillernden Figur unter den aktuellen Nobelpreisträgern, stößt man auf den neuen US-Präsidenten Barack Obama, dessen Ehrung kurz nach seinem Amtsantritt zwiespältige Reaktionen hervorrief. Der 48-jährige Staatsmann erhielt den Friedensnobelpreis für seine Visionen von einer besseren Welt. Falls er nur annähernd umsetzt, was er sich bei der atomaren Abrüstung und der Versöhnung der Weltreligionen zum Ziel gesetzt hat, dürfte sein Schaffen ähnlich lange nachwirken wie das Albert Einsteins.

Es sind genau diese sich aus der Masse erhebenden Menschen, deren Wirken durch den Nobelpreis gekrönt werden soll. Diese höchsten Weihen führen sozusagen zur wissenschaftlichen Unsterblichkeit, verheißen den ewigen Ruhm. Der Karriereweg zukünftiger Studenten wird an solchen Geehrten nicht vorbeiführen, denn aus den Lehrbüchern werden diese Namen nicht mehr wegzudenken sein.

Im modernen Informationszeitalter sind es Forscher wie Charles Kao, die mit ihren Arbeiten die Welt verändern. Seine Ideen von der Übermittlung von Lichtsignalen in Glasfaserkabeln revolutionierten den weltweiten Datenverkehr. Das mittlerweile allgegenwärtige Internet wäre kaum denkbar ohne die Erkenntnisse des gebürtigen Chinesen. Kao teilt sich den mit zehn Millionen Schwedischen Kronen dotierten Preis mit den amerikanischen Forschern George Smith und Williard Boyle. Deren Entwicklung eines hochlichtempfindlichen Chips findet sich heute in Digitalkameras, Scannern und Faxgeräten.

An diesen Beispielen aus der Physik sieht man deutlich, wie nahe die oft als vergeistigt und manchmal gar als weltfremd verschrieenen Wissenschaftler an der Wirklichkeit arbeiten. Viele Ergebnisse haben direkte Auswirkungen auf unser Leben oder bilden die Grundlage für künftige bahnbrechende Entwicklungen.

Dabei wird es immer so sein, dass die Namen einzelner Nobelpreisträger im Gedächtnis bleiben, andere verwelken zu schlichten Namenszügen in der Statistik des Preiskomitees. Max von Laue (1914), Gustav Hertz (1925) oder Rudolf Mößbauer (1961) - um bei den Physikern zu bleiben - sind Namen, an die man sich erinnert, Hans D. Jensen, Maria Goeppert-Maier (beide 1963) und Hans Georg Dehmelt (1989) hinterlassen eher drei große Fragezeichen im Gehirn.

Für alle Preisträger jedoch ist die Verleihung in der schwedischen Hauptstadt Stockholm der glamouröse Auftritt ihres Lebens, denn die Kleiderordnung ist gnadenlos - hier haben die Herren noch Frack zu tragen und Damen Abendkleid. Für wissenschaftlich arbeitende Menschen eine nicht unbedingt übliche Garderobe.

So ist es denn auch erklärbar, warum zwischen der Bekanntgabe der Preisträger und der Preisverleihung mehrere Wochen ins Land gehen. Allein um sich derlei Kleidung zu organisieren, braucht es so lange. Und manch einer soll in seiner Not den Kostümverleih von Opern und Schauspielhäusern konsultiert haben, um vor Schwedens König eine gute Figur abzugeben.

Andere, wie beispielsweise die drei Literatur-Nobelpreisträger Boris Pasternak (1958), Jean-Paul Sartre (1964) und Elfriede Jelinek (2004), entzogen sich der großen Verleihungszeremonie, verweigerten sich dem Pomp und Glamour. Wohnen in der Nobelherberge und üppiges Festbankett mit 1400 geladenen Gästen reizten diese klugen Köpfe nicht.

Nicht allen wird der Preis in Stockholm überreicht. Barack Obama reist ins norwegische Oslo, um seinen Friedensnobelpreis abzuholen. (Von Axel Müller)

RZO