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Trotz und Tränen: Attacken gegen Pechstein

Salt Lake City Die Tränen waren schnell vergessen, ihren geballten Frust nahm Claudia Pechstein jedoch mit auf den Heimflug nach Berlin. Allein trat sie die Rückreise von Salt Lake City an.

Allein hatte sie im Olympic Oval den schwersten Kampf ihres Lebens verloren und die Olympia-Qualifikation verpasst, konsequent geschnitten von den Konkurrentinnen. «Das war definitiv nicht mein Karriere-Ende», erklärte sie trotzig, nachdem sie von den Rivalinnen aus Kanada und den Niederlanden keines Blickes gewürdigt wurde, «ich werde erst Ruhe geben, wenn die Gerechtigkeit gesiegt hat.»

In der Heimat scheinen die fünffache Eisschnelllauf- Olympiasiegerin noch nicht alle endgültig abgeschrieben zu haben. «Für mich persönlich ist der Olympia-Zug für Claudia noch nicht abgefahren», sagte Günter Schumacher, der Sportdirektor der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), auf einer Pressekonferenz in Dresden. DOSB-Präsident Thomas Bach wehrte dagegen ab: «Darüber spekulieren wir nicht. Wir warten ab, wie es vor dem Schweizer Bundesgericht weitergeht, aber bei allem muss man berücksichtigen, dass noch andere Läuferinnen vor ihr stehen.»

Pechstein selbst versuchte sich mit einem Frust-Bier am Abend nach der missglückten Qualifikation und tags darauf beim Shoppen in der Stadt ihre großen Olympia-Triumphe von 2002 ein wenig abzureagieren. Tief getroffen musste sie auf einer Bank vor der Doping-Kontrolle am Fernseher mit anschauen, wie die Konkurrentinnen reihenweise an ihr vorbeizogen, sie auf Platz 13 zurückstuften und ihren Olympia-Traum platzen ließen. Vor laufenden TV-Kameras ließ sie ihren Tränen freien Lauf, gab sich aber nur kurze Zeit später schon wieder kämpferisch: «Ich habe recht und ich werde Recht bekommen.»

Im Trubel um Pechstein gingen die Top-Leistungen der anderen Deutschen ein wenig unter: Jenny Wolf hatte über 500 Meter zunächst den eigenen Weltrekord auf 37,00 Sekunden verbessert und den 400. Weltcup-Sieg deutscher Läuferinnen erkämpft, musste sich aber einen Tag darauf der Konkurrentin Wang (37,02) zum zweiten Mal in dieser Saison nach sechs Erfolgen beugen. Stephanie Beckert kam über 3000 Meter auf Platz zwei, ihr Bruder Patrick buchte mit deutschem Rekord über 5000 m (6:19,82) als 14. sein Olympia-Ticket.

Schumacher wies unterdessen noch einmal drauf hin, dass Pechstein zumindest die Qualifikationszeit des Weltverbandes ISU erfüllt hat. «Zweitens hat die DESG viele Startplätze für Vancouver errungen, die zur Teilnahme berechtigen», sagte er. Jetzt sei das Schweizer Bundesgericht zuständig. Da die Berlinerin in 4:04,59 für die 3000 Meter die ISU-Normzeit von 4:15 Minuten klar unterbot, könnte sie im Falle des Freispruchs auch für die Team-Verfolgung gemeldet werden. Ihre Nominierung wäre dann allein die Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Rückhalt erhielt die 37-Jährige auch per Mail von ihrem ehemaligen Trainer Joachim Franke. «Du hast etwas ganz Großartiges geleistet. Ich glaube, es gibt keine Athletin in der Welt, die unter diesen Umständen auch nur annähernd in die Nähe einer 4:04 gekommen wäre», übermittelte der 69-Jährige. Daniela Anschütz-Thoms rechnet nun mit dem Karriere-Ende der Berlinerin. «Das klingt krass, aber das wird wohl ihr letztes Rennen gewesen sein. Ich denke, sie war darauf vorbereitet. Sollte sie unschuldig sein, und davon gehe ich eher aus als vom Gegenteil, dann ist das eine ganz bittere Geschichte.»

Die Weichen für Pechsteins Zukunft werden nun vor dem Schweizer Bundesgericht gestellt. In der Revisions-Verhandlung im kommenden Jahr geht es für Deutschlands erfolgreichste Winter-Olympionikin um ihre Reputation, Schadenersatz in Millionenhöhe und ihre berufliche Zukunft bei der Bundespolizei. In der Schweiz können aber nur noch Verfahrensfehler des Sportgerichtshofes CAS reklamiert werden. Dazu sollen auch Tonbandaufnahmen als Argumente gegen die vom CAS bestätigte Sperre dienen. «Die Aufnahmen können beweisen, dass der CAS in seiner Urteils-Begründung entweder Dinge verfälscht oder gar nicht berücksichtigt hat», sagte ihr Manager Ralf Grengel der dpa.

Pechstein, die weiter betont , nie gedopt zu haben, griff nach ihrem per Eilantrag erwirkten Start in Salt Lake City erneut heftig den Weltverband und die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA an. «Vielen Dank an die ISU, dass sie mich so im Regen stehen lässt. Wenn sie sich alle Sachen angeschaut hätten bei mir, wäre ich mit Sicherheit schon lange wieder im Weltcup dabei. Die ISU will mich zermürben», kritisierte sie.

«Das tut so weh: nichts gemacht zu haben und so der Arsch der Nation zu sein. Es ist doch wahnsinnig, wenn die NADA sagt, ich wäre vielleicht längst zurück, wenn ich die Hintermänner genannt hätte. Und Leute, die was getan haben, sind eher frei, oder was? Das alles ist so unverständlich für mich», meinte sie mit Schlucken im Hals und weinerlicher Stimme. Empörung hatten bei ihr die Doping-Fahnder ausgelöst. «Es war der Wahnsinn: Ich komme ins Ziel und muss sofort zur Doping-Kontrolle. Das alles ist kein Zufall.»

dpa-infocom


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