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«Designer-Tanne» vom «Christbaum-Friseur»

Bestwig/Eslohe Bei der «Designer-Tanne» muss der «Christbaum-Friseur» persönlich Hand anlegen.

Fünf Jahre lang werden im Frühjahr die weichen grünen Spitzen mit einer Machete gekappt, die Bäume werden voller und wachsen gleichmäßig in Kegelform.

Für das Endprodukt muss der Tannenbaum- Kunde rund 30 Prozent mehr bezahlen, berichtet Meinolf Mütherich, Vorsitzender der Fachgruppe Weihnachtsbaum des Landesverbands Gartenbau Westfalen-Lippe.

Für das Durchschnitts-Wohnzimmer ist dagegen die Nordmann-Tanne die erste Wahl. Der dunkelgrüne Baum mit den weichen Nadeln ist mit einem Marktanteil von 80 Prozent der beliebteste Weihnachtsbaum, weiß Ralf Gockel, der mit seinem Betrieb im sauerländischen Nierbachtal bei Bestwig zu den größten Weihnachtsbaumhändlern in Deutschland zählt. Die Blaufichte mache etwa 15 Prozent aus, der Rest seien Rotfichten und Exoten.

In den Weihnachtsbaumkulturen des Sauerlands hat Ende November bereits die Hochsaison begonnen. «In Spitzenzeiten liegen hier mehr als 250 000 Bäume», berichtet Gockel beim Blick über seinen Verladeplatz. An Wegen und Straßen in der Region stapeln sich frisch geschnittene und bereits in Netze verpackte Christbäume. Auf dem Gelände des Christbaum-Händlers geht es zu wie auf einem Güterbahnhof. Regelmäßig werden frisch geschnittene Bäume aus den angrenzenden Kulturen auf den Platz gekippt, während aus der anderen Richtung täglich mehrere Sattelschlepper mit Bäumen aus Dänemark eintreffen.

Mit der Qualität der Bäume sind Gockel und Mütherich in diesem Jahr zufrieden. Für ihren Weihnachtsbaum sollen die Bundesbürger aber bis zu zehn Prozent mehr bezahlen. Für eine Nordmanntanne werden dann zwischen 18 und 20 Euro pro Meter verlangt, die Blaufichte sei zwischen 10 und 13 Euro pro Meter zu haben, sagt Gockel. Ursachen seien höheren Energiekosten und gestiegene Löhne für Saisonarbeiter. Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf den Weihnachtsbaummarkt fürchten die Experten nicht: «Der Christbaum ist traditionell sehr krisenresistent», sind sie sich sicher.

Festliche Atmosphäre gibt es aber auch zum Schnäppchenpreis. Mit «Leihtannen» aus dem Sauerland geht ein Baumarkt aus dem Ruhrgebiet auf Kundenfang. Eine zweieinhalb Meter große Nordmanntanne gibt es für 28 Euro, 20 Euro davon können sich die Käufer über einen Gutschein nach Weihnachten wieder anrechnen lassen.

Auch in diesem Jahr werden zwischen 25 und 28 Millionen Bäume allein in Deutschland für weihnachtliche Stimmung sorgen. Schätzungsweise jeder dritte kommt aus den Kulturen im Sauerland. «Unser Klima ist optimal für die Christbäume», sagt Mütherich. Viel Regen und milde Temperaturen lassen die Bäume nicht nur gleichmäßig wachsen, sondern sorgen auch für ein sattes Grün, erklärt der Christbaum-Produzent.

«Unsere Bäume sind deshalb auch im Ausland sehr beliebt», sagt Mütherich. In die Niederlande, nach Frankreich und mehr und mehr nach Osteuropa gehen die Christbäume aus dem Sauerland. In den vergangenen Jahren hatten Mütherich und seine Kollegen zunächst Konkurrenz aus Polen befürchtet. Durch das zu warme und zu trockene Klima sei die Qualität der dort erzeugten Bäume schlecht gewesen. «Die Bäume sehen aus wie Schirmständer und sind lange nicht so grün», lautet das harte Urteil der Sauerländer über die Produkte der Konkurrenz. Von Jörg Taron, dpa

dpa-infocom