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Musik

Gruselige Bescherung: Alice Cooper in Schwerin

Schwerin «School's out ...», röhrt Alice Cooper von der Bühne. Und tausendstimmig fällt der Chor seiner Zuhörer in den Refrain mit ein: «...for summer».

Und dann mit der zweiten Zeile noch lauter: «...forever». Das klingt begeistert - und glaubhaft.

Denn die Schulzeit dürfte bei der großen Masse des Publikums, das zum einzigen Deutschland-Konzert der amerikanischen Rock-Legende nach Schwerin gepilgert ist, Jahrzehnte zurückzuliegen.

Graue Schläfen, Kurzhaarfrisuren in Ermangelung jugendlicher Haarfülle, Bauchansatz über dem Bund der obligatorischen Jeans. Das zumeist männliche Publikum ist mit seinem Star, der im Sommer in den USA zu seiner «Theatre of Death»-Tour (Todestheater-Tour) aufbrach, in die Jahre gekommen.

Mit spektakulären und provokanten Bühnen-Shows hat Alice Cooper in den 70er Jahren dem Schock- und Grusel-Rock den Weg auf die Bühnen gebahnt. Und noch immer ziehen sich inszenierte Scheinhinrichtungen am Schafott, am Galgen oder mit überdimensionierter Heroinspritze, begleitet von wahren Lichtorgien, wie ein roter Faden durch die Show.

Temporeich und professionell spult der 61-Jährige sein Programm ab. Doch vieles wirkt fast wie eine Persiflage auf die einst wilde Zeit des nach eigenen Angaben geläuterten, dem Alkohol schon lange entsagenden Alt-Rockers mit der diabolischen Gesichtsbemalung.

Die Maßstäbe für Bühnenspektakel und Provokation setzen heute aber jüngere Bands, wie Rammstein zum Beispiel. Und so darf es wohl nicht wundern, dass die Konzerthalle in Schwerin an diesem Mittwochabend längst nicht ausverkauft ist. Von 3000 Besuchern sprechen die Veranstalter, aber auch Schätzungen, die von gut 2000 Rock-Fans in der Halle ausgehen, scheinen nicht unrealistisch.

In Internet-Foren beklagen Fans, dass ihnen der Eintrittspreis mit 50 Euro doch zu hoch sei. Anhänger des traditionellen Grusel-Rocks aus Süddeutschland dürften ohnehin die beiden Cooper-Konzerte in Tschechien besucht haben, statt die weite Anreise nach Norddeutschland auf sich zu nehmen.

Schon im Sommer war Cooper in den USA und Australien unterwegs. Fast 50 Stationen weist das Tour-Shirt der aktuellen Welt-Tournee seit Mitte September aus. Die Liste reicht von Detroit und Houston in den USA über Bratislava in der Slowakei und Newcastle, Glasgow, London auf der britischen Insel bis zu Västeras in Schweden. Dort soll die Tour am 15. Dezember für dieses Jahr zu Ende gehen.

Cooper, das verriet er in Interviews, ist inzwischen nicht nur begeisterter Golfspieler. Er ist auch gläubig und Familienmensch. Und da gehört es sich, Weihnachten zu Hause im Kreise der Familie zu verleben.

Für viele seiner deutschen Fans fand die Bescherung aber schon zwei Wochen vor Heiligabend statt - mit dem Konzert am Mittwoch in Schwerin, bei dem sie ihr Idol solche Hits wie «No More Mr. Nice Guy», «Dirty Diamonds» oder «Poison» live singen hörten.

dpaq.de/alicecooper Von Frank Pfaff, dpa

dpa-infocom