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Weihnachtsland: Bei den Spielzeugmachern in Seiffen

Seiffen «Markt und Straßen stehn verlassen, still erleuchtet jedes Haus...»: Diese Eichendorff-Zeilen kommen einem bei einer Fahrt durch die Dörfer des mittleren Erzgebirges in den Sinn.

Draußen ist es kalt und dämmerig, beinahe jedes Fenster mit reich geschnitzten Schwibbögen oder kerzentragenden Engeln und Bergmännern festlich geschmückt. Besonders stimmungsvoll wird dieser Anblick, wenn dick Schnee liegt. Nicht umsonst heißt die Region rund um das sächsische Dorf Seiffen «Weihnachtsland».

Generationen sind hier als Holzspielzeugmacher tätig gewesen - eine Tradition, die sich gehalten hat. Auch Hendrik Neuberts Vorfahren haben um 1900 eine Holzwarenfabrik in Seiffen gegründet, in der er heute eine Schauwerkstatt betreibt. Der Spielzeugmacher hat einen langen Stift aus Lindenholz in seine lärmende Drechselbank eingespannt. Vorsichtig bearbeitet er ihn mit einem Drechseleisen. Späne fliegen umher, als er dünne Holzschichten zur Spitze hin schiebt. Ring um Ring entsteht aus dem Holz ein kleiner Tannenbaum. «Fertig ist das Ringelbäumchen», sagt Neubert und hält sein Werk hoch.

Ein paar Schritte weiter stehen Dutzende winzige Kühe und Schafe auf einem Tisch - sogenannte Reifentiere. Sie erfordern noch mehr Fingerspitzengefühl: Eine ganze Baumscheibe wird von oben und unten so gedrechselt, dass am Ende scheibchenweise 40 bis 60 Tiere wie Tortenstücke davon heruntergeschnitten werden können. «Erst wenn der Ring aufgespalten ist, sehe ich, ob das Tier gelungen ist», erklärt Neubert. Ist das der Fall, werden bei jedem einzelnen die Beine auseinandergesägt, Ohren, Hörner und Schwänze angeklebt. Dann folgt die Bemalung.

Die Herstellung von Spielzeug- und Weihnachtsschmuck ist Handarbeit, die sich über Jahrhunderte entwickelt hat, erläutert Konrad Auerbach. Schon am Anfang des 17. Jahrhunderts suchten die Menschen in der Region nach neuen Erwerbszweigen - weil der Bergbau nicht mehr genug abwarf. Waren es zunächst hölzerne Gebrauchsgüter wie Teller und Knöpfe, begannen sie Mitte des 18. Jahrhunderts mit der Produktion von Holzspielzeug, welches selbst in ferne Länder verschickt wird.

Sabine Bernhardt sitzt in der ungeheizten, achteckigen Kirche von Seiffen und strickt. Die Kirche ist ein Sinnbild des weihnachtlichen Erzgebirges: Mit ihrer unverkennbaren Form ziert sie unzählige Schwibbögen oder ist Hintergrund für die Kurrendesänger genannten Figurengrüppchen, die in fast jedem Laden in Seiffen als Dekoration zu haben sind. In einer Seiffener Schauwerkstatt sticht Bernhardt im Herbst Spanbäume.

Diese Bäume sind noch so ein typisches Produkt aus dem Erzgebirge - neben den Nussknackern, Engeln, Bergmännern und Pyramiden. An jeder Seite eines Vierkantholzes werden vorsichtig einzelne Späne nach oben geschoben, so dass sie sich locken. Dazu muss das Holz sorgsam ausgewählt werden und die Holzfeuchte stimmen. «Wenn das Holz nicht feucht genug ist, dann ringeln sich die Locken nicht», erklärt Bernhardt. Zehn Stück pro Stunde schafft sie, je nach Größe. «Keiner kann hier eine Unikatfabrikation betreiben», sagt Konrad Auerbach, Direktor des Spielzeugmuseums Seiffen. Und trotzdem ist jedes Stück etwas Besonderes - für den einen Kunden ist es eine nostalgische Erinnerung, andere haben einfach Freude an schönen Dingen.

Informationen: Tourismusverein Spielzeugdorf Kurort Seiffen, Hauptstraße 95, 09548 Kurort Seiffen, Telefon: 037362/170 19

Informationsseite zum Kurort Seiffen: www.seiffen.de

Internetauftritt der «Werkstatt im Seiffener Hof»: www.seiffener-hof.de/werkstatt Von Nina C. Zimmermann, dpa

dpa-infocom