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Herzogenaurach ist die Heimat des Turnschuhs

Herzogenaurach Herzogenaurach hat eine Altstadt, die zum Bummeln einlädt. Und neben vielen Fachwerkhäusern gibt es sogar ein Schloss.

Aber die kleine Stadt in Franken wäre längst nicht so bekannt, wenn es keine Turnschuhe gäbe.

Und auch die Zahl der Besucher , die nach Herzogenaurach kommen, wäre sicher kleiner. Denn ausgerechnet dort, abseits der Metropolen, wurde ein Stück Wirtschaftsgeschichte geschrieben, das die «Schuhmacher» aus Franken mit ihren Marken adidas und Puma weltberühmt und die Stadt zum beliebten Ziel für Einkaufs-Touristen gemacht hat.

Lange Zeit deutete in der mehr als tausendjährigen Stadtgeschichte allerdings wenig darauf hin, dass Herzogenaurach einmal in solchen Dimensionen von sich reden machen würde. Das änderte sich erst, als Adolf Dassler anfing, in der Waschküche seiner Mutter an Entwürfen für Sportschuhe zu tüfteln. Seinetwegen gilt Herzogenaurach heute als die Heimat des Markenturnschuhs. Der gelernte Bäcker hatte in den 1920er Jahren die Idee, verschiedene Sportler mit unterschiedlichem Schuhwerk auszustatten. Er probierte und probierte, bis die Fußball-, Lauf- und Wanderschuhe herauskamen, die er sich vorgestellt hatte.

Zusammen mit seinem Bruder Rudolf gründete «Adi» die Gebrüder Dassler Sportschuhfabriken - und stattete zu den Olympischen Spielen 1928 und 1932 die ersten Sportler aus. 1936 trugen bei den Olympischen Spielen in Berlin alle Sportler Schuhe aus Herzogenaurach. Sprinter Jesse Owens bekam Rennschuhe mit eigens für ihn geschmiedeten Spikes - und wurde der erste Leichtathlet, der vier Goldmedaillen gewann.

Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten die Dassler-Brüder von vorne anfangen. Die Amerikaner, die in Herzogenaurach stationiert waren, versorgten sie mit Material aus alten Baseballhandschuhen. Doch die beiden Brüder gingen bald verschiedene Wege. «Am Tag nach der Währungsunion trennten sie sich», sagt Klaus-Peter Gäbelein, Vorsitzender des Heimatvereins der Stadt. Die Belegschaft konnte sich entscheiden, ob sie für Adi Dasslers «adidas» arbeiten wollte oder für Rudolfs «ruda», später «Puma».

«In den 50er Jahren ist es nur aufwärtsgegangen», sagt Gäbelein. Adi Dassler hat der Überlieferung zufolge das Seine zum deutschen Fußball-Weltmeistertitel von 1954 beigetragen: «Er hat bei Sepp Herberger auf der Bank gesessen und den Jungs die Stollen in die Schuhe geschraubt.» Das soll den Kickern im Dauerregen von Bern einen entscheidenden Vorteil verschafft haben.

Nach Jahren steiler Aufwärtsentwicklung wurde es schwieriger für die Unternehmen beider Brüder: Zwar liefen deutsche Sportmannschaften entweder mit den drei Streifen oder mit der Raubkatze auf - doch die Konkurrenz nahm zu. Es wurde verschlankt, restrukturiert - und es ging wieder aufwärts. «Produziert wird in Herzogenaurach schon lange nichts mehr», sagt Gäbelein. Doch die Hauptverwaltungen der Unternehmen sitzen noch immer in dem 24 000-Einwohner-Ort - und beschäftigen mehrere tausend Menschen aus rund 70 Nationen.

Und noch eines brachten die vergangenen Jahrzehnte der Gemeinde: Outlets. Diese amerikanische Idee, Ware aus der vergangenen Saison oder Ausschussware günstiger zu verkaufen, wurde in Deutschland bis vor ein paar Jahren nur sporadisch umgesetzt - adidas allerdings richtete schon recht früh auf seinem alten Werksgelände einen «Fabrikverkauf» ein. Das Geschäft war bald weit über die Stadtgrenzen hinweg bekannt - und quoll vor allem am Wochenende über.

Ein neuer Platz musste her, einer, der gewährleistete, dass sich nicht Tausende Autos durch die mittelalterliche Innenstadt zwängen müssen. Der alte Flugplatz der Amerikaner, die HerzoBase, stand leer - also wurde das Gelände jenseits der Bundesstraße kurzerhand zum «Outlet Central» für adidas, Puma, Nike und diverse andere Marken. Der historische Ort mit seinen zwei Stadttürmen und den zahlreichen Fachwerkhäusern und verwinkelten Gassen allerdings ist von den Einkaufstouristen kaum in Mitleidenschaft gezogen. «Man bekommt das tatsächlich kaum mit», sagt Gäbelein, der seit mehr als 30 Jahren in der Stadt lebt.

Wer dem Shoppen ein Kontrastprogramm entgegensetzen will, hat dazu eine Reihe von Möglichkeiten: Ein mittelalterliches Altes Rathaus, das früher neben dem Rat und dem Gericht auch den Brot- und Fleischmarkt sowie das städtische Waffenarsenal beherbergte. Dazu kommt ein barockes Schloss, das den Amtmännern des Bamberger Fürstbistums als Residenz diente und in das heute das Rathaus integriert ist.

Besonders für den Überblick interessant sind die beiden Tortürme aus dem 13. Jahrhundert, der Türmersturm und der Fehnturm in der Altstadt. Auch Kirchen hat die Stadt an der Aurach genügend zu bieten - überwiegend katholisch. Die Stadtpfarrkirche St. Magdalena, hochgotisch mit barocker Ausstattung, liegt abseits der zentralen Hauptstraße. Nur ein paar Schritte entfernt sind das Pfründner-Spital von 1508, das heute Stadtmuseum ist, das klassizistische Pfarrhaus und die um 1200 errichtete Marienkapelle. Der moderne Brunnen im Stadtzentrum illustriert die Geschichte Herzogenaurachs bis in das 20. Jahrhundert - inklusive der Turnschuhhersteller, für die die Stadt erst richtig bekanntgeworden ist.

Internetportal der Gemeinde: www.herzogenaurach.de Von Verena Wolff, dpa

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