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Lampedusa: Naturerlebnis und Flüchtlingsziel

Lampedusa Lampedusa kennen viele Menschen aus den Nachrichten: Bilder von abgemagerten Bootsflüchtlingen aus Afrika gingen von hier um die Welt.

Dass Italiens südlichste Insel auch ein Ziel für Natururlauber ist, dürfte vielen unbekannt sein.

Türkisblaues Wasser, weiße Strände und schroffe Felsen prägen das Bild. Inmitten von Gestrüpp und Gestein wachsen gelbe Margeriten und rosa Malven, die sich neben wilden Artischocken und Fenchel halten. Wer Lampedusa besucht, fährt daher mit dem Eindruck heim, auf einer Insel voller Widersprüche gewesen zu sein.

Die größte der drei Pelagischen Inseln, nur 120 Kilometer von Tunesien entfernt, gehört geografisch schon zu Afrika. Politisch war sie lange umkämpft: Von den Griechen über die Phönizier, Römer und Sarazenen bis zu den Aragoniern waren alle versessen darauf, Lampedusa in ihren Besitz zu bringen, um von dort aus Afrika zu erobern.

Der Großteil der rund 5000 Inselbewohner lebt im einzigen Ort, der ebenfalls Lampedusa heißt. Neben dem Pub liegen Kaffeebars in der Sonne. Vom Alltagstempo her scheint die Insel schon mehr zu Afrika als zu Italien zu gehören. Kleine Jungs spielen Fußball auf dem holprigen Kopfsteinpflasterplatz vor dem Bürgermeisteramt. Ein paar alte Männer stehen schwatzend um einen Gemüsewagen, Frauen eilen mit Kindern an der Hand durch den Ort.

Regenwasser ist die einzige Frischwasserquelle. Von vereinzelten Olivenbäumen und Palmen abgesehen, bestimmen Feigenkakteen und Agaven das Bild. Ab und an trifft der Besucher auf einen Gemüsegarten und ein paar herumstreunende Ziegen. Der karge Boden ist jedoch für Ackerbau und Viehzucht eher ungeeignet. Haupteinkommensquelle der Einheimischen sind der Fischfang und der Tourismus.

Durch die Schlagzeilen über überfüllte Flüchtlingslager hat der Fremdenverkehr starke Einbußen erlitten. «An Ostern hatten wir normalerweise 300 bis 500 Gäste, je nach Wetterlage. Dieses Jahr waren es noch knappe 30», klagt Emanuele Billardello, der sein Geld mit Bootstouren und Appartement-Vermietung verdient.

Die Situation könnte sich wieder ändern: Seit Mitte Mai liegen die zwei Flüchtlingslager auf Lampedusa verwaist in der Sonne. Damals hatte die italienische Regierung begonnen, in Zusammenarbeit mit Libyen Bootsflüchtlinge direkt nach Afrika zurückzuschicken, bevor sie überhaupt einen Fuß auf italienischen Boden setzen können. Das Abschiebeprogramm ist stark umstritten. Hilfsorganisationen wie das Flüchtlingshilfswerk der UN (UNHCR) protestierten, ein solches Vorgehen sei nicht mit der Genfer Flüchtlingskonvention vereinbar.

Allerdings haben die «sbarchi» , wie die Flüchtlingslandungen in Italien genannt werden, drastisch abgenommen und damit auch die geballte Präsenz von Militär und Polizei. Anfang 2009 war Lampedusa schlecht informierten Touristen noch wie ein besetzter Felsen erschienen. Wer heute den stillen Ortskern besucht, kann kaum glauben, dass auf dem 20 Quadratkilometer großen Eiland 2008 rund 32 000 Verzweifelte aus Afrika strandeten und Lampedusa bis vor kurzem für Tausende von Verzweifelten in überfüllten Holzkähnen das «Tor nach Europa» war.

Im Inneren der Insel liegen auf dem «Cimitero delle Barche», dem «Schiffsfriedhof», übereinandergestapelt noch Hunderte von der See zerstörte Fischerboote. Östlich der Hafeneinfahrt verweist das Denkmal «Porta d'Europa» des Künstlers Mimmo Paladino auf die ungezählten Opfer, die auf diesen Reisen im Mittelmeer verschwanden.

Webauftritt der italienischen Tourismus- Zentrale mit weiteren Informationen: www.enit.de Lampedusa Anreise: Flüge von Palermo auf Sizilien nach Lampedusa bietet die Fluggesellschaft Meridiana an. Im Sommer gibt es auch Verbindungen mit Billigfliegern aus anderen italienischen Großstädten. Fähren verbinden Lampedusa mit Palermo sowie Porto Empedocle auf Sizilien. Auf der Insel gibt es einen Bus-Service, so dass man eventuell auf ein eigenes Verkehrsmittel wie etwa einen Mietwagen verzichten kann.

Klima & Freizeit: Die Temperaturen sind meist noch etwas höher als auf Sizilien. Bei einer durchschnittlichen Wassertemperatur von 21 Grad und einer durchschnittlichen Lufttemperatur von 19 Grad dauert die Badesaison auf Lampedusa das ganze Jahr.

Unterkünfte: Auf Lampedusa gibt es sieben Hotels sowie viele günstige Bed & Breakfast-Unterkünfte. Ein kleines Appartement für bis zu vier Personen kostet dort ab 20 Euro pro Nacht.

Informationen: Italienische Zentrale für Tourismus ENIT, Neue Mainzer Straße 26, 60311 Frankfurt, Telefon: 069/23 74 34 Von Katie Kahle, dpa

dpa-infocom