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Jagd über den Asphalt: Polo auf dem Fahrrad

Karlsruhe Im hinteren Teil der Karlsruher Tiefgarage herrscht gähnende Leere.

Glück für Hannes und seine Freunde: Kaum haben sie die freien Parkplätze entdeckt, schwingen sie sich auf ihre Räder und eröffnen die Jagd über den Asphalt.

«Bikepolo» steht auf dem Programm , und da kommt den Radlern die Garage gerade recht. Die schmalen Hinterreifen des Fahrrads quietschen, als Hannes in voller Fahrt abbremst. Knapp erwischt er den Ball mit seinem Schläger. Schon früher hat der 29-Jährige gerne an seinem Fahrrad herumgebastelt. Vor eineinhalb Jahren entdeckte er den Trendsport Bikepolo für sich. Ihn habe vor allem die gute Stimmung und die Gemeinschaft mit den anderen Spielern gereizt, sagte er. «Uns hat alle zur selben Zeit das selbe Fieber für diese Sache gepackt», schwärmt Hannes. Auch in anderen Städten findet der Sport seine Anhänger.

Polo stammt aus Persien und ist über 2500 Jahre alt. Ziel des Mannschaftssports ist es, einen Ball mit Schlägern ins gegnerische Tor zu bringen. Die Spieler reiten dabei auf Pferden. Bikepolo hat mit dieser als elitär bekannten Sportart nicht mehr viel gemein: Pferde werden nicht benötigt, das Ganze wird auf dem Fahrradsattel ausgetragen.

«Pferdepolo ist nicht meine Welt. Wir spielen die tierfreundliche Variante», sagt Hannes, der seinen Nachnamen nicht nennt, um keinen Ärger mit dem Parkhaus-Pächter zu bekommen. Beim Bikepolo treten zwei Mannschaften aus je drei Spielern gegeneinander an. Mit der einen Hand lenken die Spieler ihr Rad, mit der anderen führen sie den Schläger. Dieser wird aus Bambusrohren oder Skistöcken selbst gebastelt. Ans Ende ist ein Rohrstück geschraubt, mit dem man den Ball ins gegnerische Tor schießt.

Auch sein Rad ist Marke «Eigenbau», erzählt Hannes. Sportlich sieht es aus, und irgendwie auch schlicht. Erst auf den zweiten Blick fällt auf: Gangschaltung, Freilauf und Bremsen fehlen. «Fixies» werden solche Räder genannt. Sie kommen aus der Szene der Radkuriere. Gebremst wird mit den Hinterrädern. «Deshalb ist der hintere Mantel auch das Teuerste am Bikepolo. Wenn man viel bremsen muss, ist der nach zwei Spieltagen schon mal durch», erklärt der Sportler.

Vor einigen Monaten hat sich der Grafikdesigner beim Spiel an der Hand verletzt. Größere Unfälle sind bei seiner Mannschaft aber nicht auf der Tagesordnung. «Am Anfang hat es oft gekracht, aber inzwischen geht es bei uns relativ verletzungsfrei zu.» Ein paar blaue Flecken müsse man schon aushalten können. Das sei beim Fußball aber genauso, meint Hannes.

Ursprünglich kommt Bikepolo aus den USA. In Deutschland ist der Sport noch recht unbekannt. Größere Städte wie Berlin und München spielen zwar schon seit mehreren Jahren, die kleineren ziehen jedoch gerade erst nach. «Die Szene wächst im Moment enorm», erzählt Hannes. In diesem Jahr fand in London sogar die erste offizielle Europameisterschaft statt. Hannes und seine Mannschaft, die «Candy Coloured Clowns», waren mit dabei.

Der Trendsport kommt ohne hierarchische Organisation und klassisches Vereinswesen aus - in den Augen vieler Spieler ein großer Vorteil. Frei sind Hannes und seine Kollegen auch bei der Wahl des Spielorts: Als Sportplatz dient die gesamte Stadt. «Wir können praktisch überall spielen, wo es Asphalt gibt und wo wir den Ball gegen Banden schießen können», sagt Hannes. Im Winter treffen sie sich in der Tiefgarage, nach Absprache mit dem Sicherheitspersonal sind sie dort geduldet. Dennoch wünschen sich die Sportler ein Spielfeld speziell für Bikepolo. Das haben die Karlsruher der Stadtverwaltung auch schon signalisiert. «Optimal sind die Proportionen auf dem Parkplatz nämlich nicht. Eigentlich ist die Garage zu lang und zu schmal.»

Bikepolo in Karlsruhe: www.bikepolo-ka.de

Bikepolo in Berlin: www. bikepolo-berlin.de

Bikepolo in München: www.bikepolo-muenchen.de Von Sabine Hub, dpa

dpa-infocom