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Jogginghosen - vom «No-Go» zum letzten Schrei

Hamburg Sie ist die Uniform in Fitnessstudios und Dauergast in Polizeimitteilungen, wenn es um die Kleidung von Tätern geht: die Jogginghose. Jetzt ist die Schlabberhose zum hippen Kleidungsstück geworden.

Der lässige Stil - mancher sagt auch «Proll- Look» - gewinnt an Terrain. Die Rapper- und Hip-Hop-Szene mit Idolen wie Bushido hat die Jogginghose schon seit längerem straßenfähig und sogar clubtauglich gemacht.

Die Modekolumnistin Marlene Sørensen von der Zeitschrift «Maxi» sagt: «In den letzten zehn Jahren ist die Straße zum wichtigen Laufsteg geworden.» Gerade junge Designer wie Alexander Wang oder Isabel Marant fielen mit Kollektionen auf, die direkt vom Stil der Straße inspiriert waren. «Da war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Designer schließlich das Kleidungsstück rausgriffen, dass am wenigsten glamourös ist - und es glamourös machten.»

Sørensen sagt: «Tough aussehen und es dabei trotzdem bequem haben, das passt in harten Zeiten. Aber als direkte Reaktion auf die Krise sollte man diesen Hosen-Trend in der Designer-Mode nicht verstehen. Designer-Jogginghosen kosten nämlich gerne mal mehrere hundert Euro und sind dann aus Kaschmir oder Seidengemisch.

Wer Paparazzi-Fotos in Gossip-Blogs oder Leute-Magazinen anschaut, bekommt selbst Stil-Ikonen wie Madonna oder Natalie Portman in Jogginghosen zu Gesicht - die Stars tragen in ihrer Freizeit nicht nur die edle Teile von Designern, sondern auch - wie der Mainstream - die Hosen bekannter Sportmarken.

«Heute sieht man Julia Roberts und Cameron Diaz ungekämmt in Jogginghosen rumlaufen, die sehen aus wie bag ladies, wie Obdachlose, so was gab es früher nicht. Früher mussten sich Schauspielerinnen in ihren Verträgen verpflichten, wie Stars aufzutreten, wenn sie das Haus verlassen», beklagte Mode-Altmeister Valentino schon 2005 in der Wochenzeitung «Die Zeit». Der Vollständigkeit halber muss man aber sagen, dass sich der Meister der klassischen Eleganz in einer Kollektion für 2003 selbst einmal der Jogginghose angenommen hatte.

Wird hier also mit zweierlei Maß gemessen? Klare Antwort: Ja. Designer unterscheiden einen edlen und einen schäbigen Jogginghosen- Look. Michael Michalsky etwa sagte dem Berliner Magazin «030»: «Das kann geil sein, wenn man sie mit einem Jackett und einem guten T- Shirt kombiniert.»

Die «Süddeutsche Zeitung» philosophierte kürzlich allgemein über die Jogginghose, insbesondere die graue, die zum «Klassiker des neuen Jahrtausends» werde. In ihrem Heimatland USA sei sie fast ein Kulturgut. Die angesagtesten Modelabels bemühten sich derzeit um ihre Resozialisierung. Die Jogginghose - im Amerikanischen sweatpants - habe sich seit den 70er Jahren immer mehr vom Sweatshirt emanzipiert.

Dass sie auch Kleinganoven-Uniform sei , hat laut «SZ» einen einfachen Grund: Sie sei nun mal «der beste Komplize, den man sich wünschen kann». «Das nachgiebige Baumwollgemisch erleichtert die Flucht über Rolltreppen, Gartenzäune und sonstwelche Hindernisse. Dazu ist die Jogginghose leicht wie Watte und warm wie eine Taschenheizung, Kriminalität hat ja immer Hochsaison, auch nachts und im Winter.»

Und was sagt Karl Lagerfeld? Der Modezar hat schließlich immer einen Rat, wenn man nicht mehr weiter weiß. Lagerfeld findet Jogginghosen auf andere Art verbrecherisch. Der Zeitschrift «Freundin» sagte er: «Jogginghosen sind gefährlich.» Warum? «Weil sie einen Gummizug haben. Der gibt nach und dann merken Sie nicht, wenn Sie zugenommen haben.» Von Gregor Tholl, dpa

dpa-infocom