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Schuh ist nicht gleich Schuh: Männer üben Shoppen

Celle Plötzlich interessieren sich Männer für Kajal und Peeptoes und lauschen geduldig einem Vortrag von Einkaufstrainerin Miriam Laube über Eyeliner, Lipgloss und High Heels.

Was sich für manchen vielleicht lebensfremd anhört, ist in Celle Realität. Dort nehmen zehn Männer am «Ich-weiß-endlich-wovon-sie-redet-Seminar» teil und lassen sich die Einkaufswelt der Frauen erklären. Die Idee dazu hatte Celles Tourismusmanager Alexander Hass. «Es ist mir bislang völlig unerklärlich, warum Frauen so viele Schuhe brauchen.» Er erhofft sich von dem zweistündigen Seminar in der Celler Innenstadt endlich Aufklärung.

«Die Anzahl der Männer, die angeben , shoppen zu gehen, steigt», sagt Ulrich Reinhardt vom BAT-Freizeitforschungsinstitut Horst W. Opaschowski in Hamburg. Waren es vor zehn Jahren noch 34 Prozent der Herren, die einmal im Monat einkaufen gingen, so seien es in diesem Jahr immerhin schon 43 Prozent, sagt der Freizeitwissenschaftler. Vor allem im Bereich Online-Shopping und bei der Unterhaltungselektronik hätten die Männer deutlich die Nase vorn. Beim Kaufen von Haushaltsgegenständen und Kleidung führten allerdings die Frauen, räumt er ein. Es gebe zudem einen Trend, die Männer beim Einkaufen zu beschäftigen. «In Geschäften gibt es häufig eine Bar oder eine Sitzecke, wo Männer Fußball schauen oder einen Kaffee trinken können, während die Frauen einkaufen.»

«Wir Männer sagen zum Schuh einfach Schuh und nicht Sneakers oder Pumps», sagt Seminarteilnehmer Julian Latza. Der 20-Jährige aus Celle berichtet, er sei von seiner Freundin dazu gedrängt worden, am Einkaufstraining teilzunehmen. Das sei auch dringend nötig, erklärt Christin Kirstein. «Wenn ich mich mit meinen Freundinnen übers Shoppen unterhalte, versteht Julian nur Bahnhof. Das muss sich ändern.»

Auch für Karl Brüchert aus Celle ist die Einkaufswelt der Damen ein schier unerklärliches Phänomen. Kajal hätte der 59-Jährige wohl eher im Autofachmarkt als im Kosmetikgeschäft gesucht. «Ich habe zwar schon im Auftrag meiner Frau einige Dinge für sie gekauft», räumt der frühere Telekom-Mitarbeiter ein. Doch vieles sei für ihn bisher ein Buch mit sieben Siegeln gewesen. «Doch jetzt kann ich endlich mitreden.» Maik Behringer aus Celle hofft ebenfalls, dass ein paar soeben gelernte Begriffe hängen bleiben. Vor allem im Bereich Kosmetik habe er doch arge Bildungslücken gehabt, gibt der 42 Jahre alte Brunnenbauer zu.

Nach einem abschließenden Praxistest erhalten alle Seminarteilnehmer eine Urkunde, die sie als Frauenversteher ausweist. Auch Veranstaltungsleiter Hass hat etwas gelernt. «Ich weiß jetzt, dass man Peeptoes nicht essen kann», lacht er. Von Simone Gatz, dpa

dpa-infocom