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Fernsehen

TV-Jahr 2009: Tragik, Ärger und Abschiede

Hamburg Jörg Pilawa und Johannes B. Kerner - mit diesen beiden Namen ist bereits ein Großteil des Fernsehjahres 2009 beschrieben.

Beide Moderatoren sorgten mit ihren Wechseln für Gesprächsstoff - und zum Teil schon für Probleme.

Pilawas Lücke muss die ARD nach seinem Abgang erst im nächsten Jahr füllen, das ZDF hatte bereits im Herbst, früher als zunächst vereinbart, Kerner zu ersetzen. Die Probleme bekam aber nicht das ZDF, sondern Sat.1, dessen neues Magazin «Kerner» (Start: 2. November) nicht das erwartete Publikum begeisterte.

Nach Kerners Weggang ersetzt das ZDF zunächst am Mittwoch und Donnerstag mit Markus Lanz die entstandene Lücke. Ärger bekam der Sender aus einer anderen Ecke - aus der politischen. Über Tage beherrschte das Thema Nikolaus Brender, in Fachkreisen die «causa Brender» genannt, das Geschäft. Weil die Unions-Mehrheit im Verwaltungsrat des Senders die Vertragsverlängerung des 60 Jahre alten Chefredakteurs ablehnte, wurde eine Diskussion um die Einmischung der Politik in Personalfragen des Rundfunks entfacht. Brender nützt dies nichts mehr. Er muss im Frühjahr 2010 gehen. Sein Nachfolger heißt Peter Frey. Er leitet bislang das ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin, das dann Bettina Schausten übernimmt.

Für richtig Aufregung, vor und hinter den Kulissen, sorgte Doris J. Heinze, gekündigte Fernsehspielchefin des Norddeutschen Rundfunks. Die 60-Jährige hatte dem NDR selbst verfasste Drehbücher unter einem Pseudonym verkauft. Erlaubt gewesen wäre ein eigenes Buch pro Jahr zum halben branchenüblichen Satz. Ihr eigener Film «Die Freundin der Tochter» erreichte kurz nach ihrer Entlassung in unmittelbarer Konkurrenz zu einem DFB-Pokalspiel sogar 5,9 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 19,7 Prozent. Heinzes Job übernahm beim NDR vorübergehend Unterhaltungschef Thomas Schreiber.

Eine andere, traurige Personalie aus dem Medium Fernsehen beschäftigte ebenfalls die Gemüter: Monica Lierhaus. Die populäre Sportmoderatorin erkrankte zu Beginn des Jahres und konnte fortan keine ARD-«Sportschau» moderieren, keine Länderspiele kommentieren und auch keine Sportsendungen im dritten Programm des Norddeutschen Rundfunks. Über ihren Gesundheitszustand wurde im Januar in dramatischen Storys in einigen Medien berichtet, obgleich ihr Anwalt das mit dem Verweis auf die Persönlichkeitsrechte unterbinden wollte. Wie es der 39-Jährigen jetzt geht, wissen nur ganz wenige.

Die Programme des Jahres lassen sich rasch erzählen: RTL wurde im zweiten Halbjahr der stärkste Sender und verdrängte die ARD auf Platz zwei. Der Grund sind Formate wie «Das Supertalent» und «Bauer sucht Frau». Als Flop entpuppte sich die Reihe «Baustelle Liebe» mit Miriam Pielhau (RTL II), in der Bauarbeiter ihrer Liebsten eine Liebeserklärung via TV machen sollten. Der Talk «Frauenzimmer» (Vox) mit verschiedenen Moderatorinnen scheiterte ebenfalls wegen enttäuschender Quoten. Die Showreihe «The Next Uri Geller» (ProSieben) mit lauter Nachwuchs-Magieren litt unter deutlich nachlassendem Interesse.

Gleiches galt für die Sommerreihe «Germany's next Showstars», in der DJ Bobo auf ProSieben Künstler für seine nächste Tournee suchte. Das Werben einer Handvoll Männer um «Die Promi-Singles» geriet auch bei ProSieben zur Enttäuschung. Die Castingreihe «Mission Hollywood» (RTL) zeigte, dass Til Schweiger als Schauspieler zwar gefragt ist, aber als Showjuror nicht sonderlich im Interesse des Publikums stand. Inka Bause ist stark bei «Bauer sucht Frau», aber «Papa gesucht» (RTL) kam nicht an. Sat.1 hatte Pech, und zwar mit den Reihen «Mister Perfect - Der Männertest» und «Deutschland wird schwanger». Die ARD- Serie «Geld.Macht.Liebe» wird wohl nicht fortgesetzt, und die Literaturreihe «Die Vorleser» im ZDF (mit Amelie Fried und Ijoma Mangold) erwischte einen mauen Start.

Zunehmend Probleme bekommt auch Thomas Gottschalk mit dem ZDF- Flaggschiff «Wetten, dass..?». Trotz der Verstärkung mit Michelle Hunziker blieb der Blondschopf zweimal hintereinander unter der magischen Zehn-Millionen-Zuschauer-Marke. Der Erfinder der Show trat kürzlich von einer Bühne ab: Frank Elstner wird im nächsten Jahr nicht mehr «Verstehen Sie Spaß?» moderieren, für ihn kommt Guido Cantz, karnevalserprobter Haudegen aus Köln. Von Carsten Rave, dpa

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