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Deutsche Aktien schließen kaum verändert

Frankfurt/Main - Nach durchwachsenen Daten aus Deutschland und den USA ist der deutsche Aktienmarkt am Dienstag wenig verändert aus dem Handel gegangen.

Von den vormittags veröffentlichten ZEW-Konjunkturerwartungen waren keine positiven Impulse für den Markt ausgegangen, und am frühen Nachmittag belasteten deutlich eingetrübte Geschäftsaussichten des Verarbeitenden Gewerbes im US-Bundesstaat New York.

Die überraschend stark gestiegene US-Industrieproduktion ermöglichte dem Dax dann aber eine Erholung, so dass der Leitindex ins Plus drehte und 0,16 Prozent höher bei 5.811,34 Zählern aus dem Handel ging. Der MDax stieg um 0,21 Prozent auf 7.365,35 Punkte. Lediglich der TecDax schaffte es nicht in positives Terrain und schloss 0,15 Prozent schwächer bei 812,04 Zählern.

Chefhändler Oliver Roth von der Close Brothers Seydler Bank sprach von einem lustlosen Handel. "Die institutionellen Anleger betreiben schon Window Dressing und versuchen, den Dax über sein bisheriges Jahreshoch bei 5.888 Punkten zu hieven, aber der immer stärkere Dollar versalzt ihnen die Suppe", umschrieb er das Marktgeschehen. Unter "Window Dressing" verstehen die Experten Kurse beeinflussende Maßnahmen etwa von Fonds-Managern, um stichtagsbezogen - gerade vor dem Jahresende - eine bessere Fondsentwicklung ausweisen zu können

Übernahmefantasien schoben MAN-Aktien mit zwischenzeitlich deutlichen Gewinnen an die Dax-Spitze. Allerdings gaben die Papiere einen Großteil davon wieder ab und schlossen letztlich noch 2,23 Prozent höher bei 53,98 Euro. Ein VW-Sprecher dementierte kurz vor Handelsschluss einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung", dem zufolge der Großaktionär Volkswagen den anderen Anteilseignern schon bald ein Übernahmeangebot unterbreiten könnte. Die Stammaktien von VW gaben um 0,70 Prozent auf 80,43 Euro nach.

Titel von Infineon verteuerten sich nach einem Pressebericht und Beteiligungsspekulationen um 1,33 Prozent auf 3,425 Euro. Konzernchef Peter Bauer peilt langfristig eine operative Gewinnmarge von 15 Prozent an, wie er der "Börsen-Zeitung" erklärte. Um die Mittagszeit machten laut Händlern Gerüchte die Runde, denen zufolge ein russischer Investor bis zu 25 Prozent an dem Chiphersteller erwerben wolle. Als Preis wurden 4,00 Euro je Aktie genannt. Ein Börsianer verwies auf einen Bericht in einer russischen Zeitung, wonach es Gespräche zwischen Sistema und Infineon gebe. Mehrere Marktteilnehmer äußerten sich allerdings skeptisch über das Gerücht, da ähnliche Spekulationen in den vergangenen Monaten immer wieder umgegangen waren.

Im MDax ging es für Tui-Papiere nach Zahlen und der Ankündigung personeller Veränderungen um 3,34 Prozent auf 5,420 Euro hoch. Der weltgrößte Reisekonzern schrieb im Rumpfgeschäftsjahr 2009 nur wegen des Teilverkaufs von Hapag-Lloyd schwarze Zahlen und behält weiter seinen kompletten Ausstieg bei der Container-Reederei im Auge. Die Tui AG passt gerade ihr Geschäftsjahr an das touristische Jahr bis Ende September an. Aus diesem Grund wurde die Berichtsperiode 2009 auf neun Monate verkürzt. Ferner geht Finanzvorstand Rainer Feuerhake im Februar in den Ruhestand. Horst Baier wird sein Nachfolger. Zudem sprach sich der Aufsichtsrat für Klaus Mangold als neues Mitglied des Kontrollgremiums aus. Sowohl bei Händlern als auch bei Analysten stieß der besser als erwartete Geschäftsbericht auf Beifall.

Bei den Technologiewerten büßten Aixtron nach zwischenzeitlich heftigeren Verlusten zuletzt 0,44 Prozent auf 24,80 Euro ein. Händler verwiesen einhellig auf Gerüchte, der Großaktionär Camma GmbH wolle Anteilsscheine des Spezialmaschinenbauers platzieren. "Solche Gerüchte gibt es allerdings schon seit Wochen", wiegelte ein Börsianer ab. Über 92 Prozent der Aktien sind im Streubesitz. Im SDax sorgte ein angehobenes Ergebnisziel bei den Aktien der Comdirect Bank nur kurzzeitig für Gewinne. Nach einem Anstieg bis auf 6,31 Euro fiel das Papier schnell wieder zurück und schloss letztlich 0,33 Prozent schwächer bei 6,13 Euro. Die Onlinebank erhöhte ihr Ergebnisziel für 2009 auf 75 Millionen Euro vor Steuern. Ein Händler verwies darauf, dass das Gewinnziel immer noch unter den vom Markt erwarteten 80 bis 82 Millionen Euro liege.

Außerhalb der bekannten Indizes sprangen die Titel von Solon um 11,43 Prozent auf 7,02 Euro hoch. Mit rund einem Jahr Verspätung hatte ein Kunde des Solarmodul-Herstellers endlich seine Rechnung für einen Großauftrag beglichen. Dank der hohen Nachfrage zum Jahresende insbesondere in Deutschland produziert Solon zudem nach eigenen Angaben derzeit in seinen Werken in Berlin und Greifswald unter Volllast.

dpa-infocom