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Deutsche Bank hakt die Krise ab

Frankfurt/Main - Die Deutsche Bank strotzt am Ende eines erfolgreichen Jahres vor Selbstbewusstsein. Bankchef Josef Ackermann hat seine in den vergangenen Monaten vorgetragene Vorsicht fallen lassen und spricht wieder offen über Rekordgewinne.

Binnen zwei Jahren will er das Ergebnis im Idealfall auf 10 Milliarden Euro vor Steuern hochschrauben. Er fürchtet weder Rückschläge durch eine strengere staatliche Regulierung noch durch die Spätfolgen der Finanzkrise. «Das sind ambitionierte Ziele, aber es sind Ziele, an die wir glauben», sagte Ackermann am Dienstag in Frankfurt.

Bei faulen Krediten - der größten Sorge der Finanzbranche für 2010 - gibt die Führungsriege der Deutschen Bank für ihr eigenes Haus Entwarnung. Risikovorstand Hugo Bänziger rechnet damit, schon in diesem Jahr das Schlimmste überstanden zu haben. Die Vorsorge soll entsprechend zurückgehen - trotz steigender Insolvenzen im Mittelstand und immer mehr arbeitslosen Schuldnern. Die Deutsche Bank habe sich gut abgesichert, begründete Bänziger seine Zuversicht.

In den ersten neun Monaten des Jahres hatte der heimische Branchenprimus seine Kreditvorsorge auf knapp 2,1 Milliarden Euro vervierfachen müssen. Viele Konkurrenten hatte es aber noch schlimmer getroffen. So musste die Commerzbank im gleichen Zeitraum 2,9 Milliarden Euro zurücklegen und plant für das Gesamtjahr mit einem Puffer von mehr als 4 Milliarden Euro. Denn mit der steigenden Arbeitslosigkeit bleiben immer mehr Menschen ihre Raten schuldig. Anders als der Rivale konnte die Deutsche Bank die Einbußen aber durch ein starkes Investmentbanking mehr als ausgleichen.

Das risikoreiche Handelsgeschäft soll auch im kommenden Jahr der Gewinnbringer der Bank sein. Zwar geht der zuständige Vorstand Anshu Jain davon aus, dass der Boom der letzten Monate erst einmal vorbei ist. Der erwartete Rückgang dürfte seiner Meinung nach aber durch geringere Wertberichtigungen aufgefangen werden. Die Frankfurter verdienten zuletzt vor allem am massiven Geldbedarf von Konzernen und Staaten mit ihren Konjunkturprogrammen.

Ackermann will nun das globale Investmentbanking weiter ausbauen, in Asien kräftig wachsen und die Marktführerschaft in der von Sparkassen dominierten Heimat erobern. Dabei helfen sollen die Übernahmen der jüngeren Vergangenheit: Die Deutsche Bank war bei der Postbank eingestiegen, hatte die Privatbank Sal. Oppenheim mit ihrer vermögenden Klientel übernommen und sicherte sich zuletzt Teile des Firmenkundengeschäfts der verstaatlichten ABN Amro.

Bei letzterem Zukauf fehlt aber noch die Zustimmung des niederländischen Parlaments. Diese erwartet der zuständige Deutsche- Bank-Vorstand Michael Cohrs aber noch in dieser Woche. Im Wesentlichen hat es der Konzern auf die Mittelstandsbank Hollandsche Bank-Unie (HBU) abgesehen. Für die Frankfurter ist es schon der zweite Anlauf. Den ersten Kaufvertrag hatte die Gegenseite nach monatelangen Nachverhandlungen letztlich platzen lassen.

Die milliardenschweren Übernahmen kann sich die Deutsche Bank nur leisten, weil sie glimpflich durch die Finanzkrise gekommen ist. Zwar musste sie im vergangenen Jahr vor Steuern einen Verlust von 5,7 Milliarden Euro verkraften. Anders als viele Wettbewerber hatte sich die Deutsche Bank zuvor aber von Teilen ihrer Schrottpapiere getrennt und kam deshalb schnell wieder auf die Beine. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres verdiente sie vor Steuern 4,4 Milliarden Euro.

Nun sieht sich das Institut gut gerüstet, auch den kommenden strengen Anforderungen gerecht zu werden. Die Regierungen rund um die Welt wollen die Banken zwingen, künftig mehr eigenes Geld für ihre Geschäfte vorzuhalten, um eine neuerliche Krise abzuwenden. Risikovorstand Bänziger stellte klar, dass die Deutsche Bank das zusätzlich nötige Kapital aus Bordmitteln aufbringen kann. Eine Kapitalerhöhung kommt für den Vorstand nur für einen neuerlichen großen Zukauf infrage. Die Komplettübernahme der Postbank, das hatte Bankchef Ackermann bereits am Vortag gesagt, werde aber noch eine Weile dauern.

dpa-infocom