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Institute: Wirtschaft erholt sich nur langsam

München/Hamburg - Die deutsche Wirtschaft kommt trotz der langsamen Erholung noch nicht aus eigener Kraft auf die Beine. Ein selbsttragender Aufschwung sei noch nicht in Sicht, warnten das ifo Institut und das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) am Dienstag.

«Wir sind von der Klippe abgestürzt, liegen am Boden und krabbeln jetzt auf allen Vieren wieder hoch», sagte der Chef des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn.

Für das kommende Jahr schraubten beide Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Erwartungen angesichts der derzeitigen Belebung aber nach oben. Das ifo Institut rechnet nun mit einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent nach einem Einbruch von fast fünf Prozent in diesem Jahr, das HWWI bleibt mit einer Prognose von 1,5 Prozent für 2010 etwas vorsichtiger. Die deutsche Wirtschaft habe aber schneller die Wende geschafft als von vielen erwartet, erklärte das HWWI.

ifo-Chef Sinn warnte eindringlich davor, die staatlichen Konjunkturprogramme zu früh zu beenden. Durch die milliardenschweren Hilfen sei ein noch schlimmerer Einbruch verhindert worden. In der weiterhin labilen Lage gebe es zu der Staatsverschuldung noch keine Alternative. «Wir können nicht aufhören mit dem Schuldenmachen im nächsten Jahr, weil wir dann die Wirtschaft abwürgen würden.» Es sei besser, der nächsten Generation Schulden zu hinterlassen als einen Scherbenhaufen.

Finanzexperten stellen sich auf einen langen Weg bis zu einem spürbaren Aufschwung ein. «Im nächsten Jahr werden wir eine Erholung, aber keinen Aufschwung bekommen», sagte der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Wolfgang Franz. Die ZEW- Konjunkturerwartungen sanken im Dezember um 0,7 Punkte auf 50,4 Punkte und verschlechterten sich damit den dritten Monat in Folge. «Damit gehen die Experten weiterhin von einer langsamen Erholung der Wirtschaft aus», kommentierte das ZEW die neuen Umfrageergebnisse. «Wir sind nach wie vor in einem Rezessionstal», sagte Franz.

Die Beurteilung der aktuellen Lage hellte sich indes um 5,0 Punkte auf minus 60,6 Punkte auf. Die Erholung dürfte sich zum einen auf die wieder anziehenden Exporte stützen. Zum anderen zeige die Investitionsnachfrage erste Stabilisierungstendenzen. 

Als große Gefahr für die wirtschaftliche Erholung sieht das ifo Institut die rigide Kreditvergabe der Banken. «Deutschland hat eine Kreditklemme.» Auch wenn die Politik dies gerne bestreite, hätten vor allem große Firmen zunehmend Probleme bei der Geldbeschaffung. «Es reicht nicht für eine ordentliche Kreditvergabe.» Das Geld stehe zwar zur Verfügung, die Banken nähmen es aber nicht an, sondern versuchten mit Blick auf ihre Aktionäre, sich so «durchzuwurschteln». Im nächsten Jahr werde sich die Lage nochmals verschärfen. «Wenn der Aufschwung kommt, wird man sehen, dass das Geld nicht reicht.»

Die Zahl der Arbeitslosen wird nach ifo-Schätzungen im nächsten Jahr im Durchschnitt um rund 180 000 auf 3,6 Millionen steigen. Dass die Krise nicht stärker auf den Arbeitsmarkt durchgeschlagen habe, gleiche einem Wunder.

Mit der Wachstumsprognose von 1,7 Prozent für das kommende Jahr ist das ifo Institut etwas optimistischer als die übrigen großen Wirtschaftsforschungsinstitute, die überwiegend mit einem Wachstum von 1,6 Prozent rechnen. Sinn betonte aber, dass eine Punktlandung bei derartigen Prognosen ausgeschlossen sei. «Man ist es als Volkswirt gewohnt, dass man dafür geprügelt wird.» Im vergangenen Jahr hatten die Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen für 2009 mehrfach anpassen müssen, da auch sie das Tempo des Abschwungs nicht vorhergesehen hatten.

dpa-infocom