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Deutsche Bankberater schneiden schlecht ab

Berlin - Wer Geld anlegen will, kann sich laut Stiftung Warentest nach wie vor nicht auf seinen Bankberater verlassen. Die Verbraucherschützer gaben 21 Banken und Sparkassen bei einer Untersuchung schlechte Noten.

In 147 Kundengesprächen hätten die meisten Berater weder nach der Finanzlage der Verbraucher gefragt noch sie ausreichend über Produkte und deren Risiken aufgeklärt - trotz gesetzlicher Vorschrift und der Lehren aus der Finanzkrise. Die Bundesregierung will einen schärferen Kurs einschlagen. Die Banken räumten einen Verbesserungsbedarf ein.

Beim Vergleich von Beratungsgesprächen in den 21 Banken und Sparkassen konnten die Warentester keinen Sieger ermitteln. Die meisten Institute erhielten in der Zeitschrift «Finanztest» die Note «ausreichend», die Ostsächsische Sparkasse und die BW Bank sogar «mangelhaft». Nur die Commerzbank, die Kreissparkasse Köln und die Berliner Sparkasse schafften gerade noch ein «befriedigend». «Gute» Beratung gab es demnach nicht. «Es ist eine Blamage», sagte Stephan Kühnlenz, Fachmann der Stiftung für Finanzdienstleistungen, am Dienstag in Berlin.

Die Banken und Sparkassen nehmen die Untersuchung nach eigenen Angaben ernst. «Der Trend geht in der Kreditwirtschaft zu ganzheitlichen Beratungskonzepten, die offenbar noch nicht in allen Teilen mit aller Konsequenz umgesetzt wird», teilte die Kreditwirtschaft mit. «Die Banken und Sparkassen legen großen Wert auf eine gute Anlageberatung, die für langfristige und vertrauensvolle Kundenbeziehungen im Bankgeschäft unabdingbar ist.»

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) forderte höhere Anforderungen für Berater und Vermittler. «Die Haftung für Finanzprodukte und deren Vertrieb muss verschärft werden», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Offenbar haben viele Banken aus der Krise nichts gelernt.» Aigner kündigte für diesen Freitag einen Runden Tisch mit Finanzexperten und Verbraucherschützern an. Sie forderte einen gesetzlichen «Beipackzettel» für Geldanlagen, bei dem die Kunden Chancen und Risiken auf einen Blick erkennen können.

Bei der Beratung simulierten die verdeckten Tester nach eigenen Angaben Gespräche, wie auch Anleger sie geführt haben könnten, denen vor der Finanzkrise riskante und undurchsichtige Papiere angeboten wurden: Sie wollten 30 000 Euro für fünf Jahre sicher anlegen und vier Prozent Rendite erzielen - laut Stiftung derzeit eine Illusion. Doch darüber klärte ein Drittel der Berater nicht auf. Auch die simple Weisheit, dass mehr Rendite auch mehr Risiko bedeute, behielten sie demnach für sich. Selbst Volksbanken hätten komplizierte und riskante Zertifikate empfohlen, andere rieten den auf Sicherheit bedachten Anlegern zu Aktien- und Rohstofffonds. «Berater sind immer auch Verkäufer», sagte Kühnlenz.

Die Pläne von Aigner greifen nach Ansicht der Opposition zu kurz. «Solange Berater Provisionen für den Verkauf von Finanzprodukten erhalten, kann es keine neutrale und am Kunden orientierte Beratung geben», sagte Linke-Abgeordnete Caren Lay. Grünen- Verbraucherpolitikerin Nicole Maisch verlangte eine Stärkung der Finanzaufsicht mit Verbraucherschutzaufgaben.

Berater müssen Kunden von Januar 2010 an ein unterschriebenes Exemplar des Beratungsprotokolls aushändigen. Damit haben sie laut Stiftung ein Beweismittel in der Hand. Aigner will in den kommenden Wochen konkrete Vorschläge für schärfere Regeln für Finanzberater machen. Gesetzliche Pläne sind bisher nicht vorgesehen.

Internet: http://dpaq.de/FW5JX

dpa-infocom