pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
RZ-Blog  |  Twitter  Mobil&RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Auto     » News     » Tests     » Liebhaber-Autos     » Aus zweiter Hand     » Auto-ABC     » Recht

Oldies mit Seltenheitswert: Frühe «Lifestyle»-Kombis

Castrop-Rauxel Um auf einem Klassiker-Treffen aufzufallen, muss es schon ein glänzender alter Sportwagen sein.

Oder zumindest ein edles Youngtimer-Cabrio, so die gängige Meinung.

Doch weit gefehlt: Viel Aufmerksamkeit beim Szenepublikum ist heute auch denjenigen gewiss, die in einem frühen «Lifestyle-Kombi» anreisen. Denn Fahrzeuge wie das Mercedes W123 T-Modell haben inzwischen absoluten Seltenheitswert, genießen Kultstatus und steigen im Preis. Auf dem Markt sind sie kaum noch zu bekommen.

Das liegt nach Einschätzung von Frank Wilke vom Marktbeobachter Classic Data in Castrop-Rauxel auch daran, dass seinerzeit gar nicht so viele von den damals noch «Luxus-Kombis» genannten Autos gebaut wurden. Vom ersten Mercedes T-Modell auf Basis der W123-Baureihe, das 1977 vorgestellt wurde, rollten nach Herstellerangaben bis 1986 insgesamt 199 517 Exemplare vom Band. Von der W123-Limousine wurden dagegen von 1976 bis 1985 immerhin 2 375 440 Exemplare gebaut.

Ähnlich verhielt es sich laut Frank Wilke mit den luxuriösen Ghia-Ausführungen des Granada-Kombis Turnier der ersten Generation, der bis 1977 bei Ford im Programm war. Auch die Luxus-Versionen des Citroën CX Break, der 1976 debütierte, sind so zahlreich gebaut worden wie die Standard-Ausführungen.

«Und es haben nicht viele überlebt», fügt Wilke hinzu. Wie die meisten Autos aus den 70er und 80er Jahren litten die Edel-Kombis heftig unter Rostfraß, was den Fahrzeugbestand über die Jahre dezimierte. «Es ist daher sehr, sehr schwer, heute an gut erhaltene Luxus-Kombis heranzukommen», sagt Wilke. «Ich könnte eher sagen, wo ich einen alten 911er Carrera S herkriege.» Auf dem Gebrauchtmarkt werden Youngtimer-Kombis so gut wie gar nicht gehandelt.

Wer einmal einen schicken alten Edel-Kombi ergattert hat, gibt ihn wahrscheinlich nicht so schnell wieder her. «Diejenigen, die so ein Auto haben, wissen, dass sie ein Kultauto besitzen - und verkaufen es nicht», bestätigt Dieter Ritter, Youngtimer-Experte beim Automobilclub von Deutschland (AvD) in Frankfurt/Main. Denn die Szene ist auf den Geschmack gekommen: «Mit einem Kombi steht man auf Treffen gut da», sagt Frank Wilke. Gerade der Seltenheitswert mache für viele den Reiz aus.

Das war früher kaum vorstellbar. «Ein Kombi war in Deutschland immer ein Nutzfahrzeug, ein rustikales Auto für Handwerker», sagt Wilke. Von diesen Fahrzeugen wollten sich die Hersteller ab den 70er Jahren bewusst absetzen - mit Kombi-Modellen, «die ein bisschen «lifestyliger» waren», erläutert der Klassiker-Experte. Das waren edle Kombis, die gerade nicht für Maler und Handwerker gedacht und auch um einiges teurer in den Preislisten ausgezeichnet waren.

Zwar gab es teure Kombis auch schon vor den 70er Jahren. «So richtig los ging es aber eigentlich erst 1977 mit dem T-Modell von Mercedes», sagt Wilke. Merkmale der höheren Positionierung waren unter anderem hochwertige Innenraumverkleidungen, Lederausstattungen und ein mit Velours ausgeschlagener Laderaum.

Auch bei Ford konnten sich Fahrer über eine solche Ausstattung und die Motorisierung von den Basis-Kombis absetzen. Hier kamen laut Wilke bevorzugt große Motoren zum Einsatz. Eine ähnliche Linie verfolgte später Audi mit dem 1983 vorgestellten Avant C3 - der Vorgänger Avant C2 gilt unter Klassiker-Experten noch als Schrägheck. Und auch BMW folgte dem Trend mit dem 1987 vorgestellten ersten 3er Touring. Selbst bei Volvo finden sich in dieser Zeit vergleichbare Luxus-Ausführungen von dem seit 1974 gebauten Kombi 240.

Es hat laut Dieter Ritter einige Zeit gedauert, bis die Youngtimer-Szene auf den Kombi gekommen ist. Ein solches Auto wollte sich in den 90er Jahren kaum jemand als Liebhaberstück anschaffen. Bei den W123-Modellen von Mercedes etwa hatten sich alle zunächst auf die Coupés gestürzt - «Nutz-» oder «Familienfahrzeuge» galten als nicht erhaltenswert. «Heute sind sie begehrt», so Ritter.

Manche Modellvarianten werden in der Szene inzwischen sogar als Technik-Ikonen verehrt. So ist etwa unter T-Modell-Fans laut Frank Wilke der 300 TD Turbodiesel (1980 bis 1986) mit seinem drei Liter großen, 92 kW/125 PS starken Fünfzylinder-Motor besonders gesucht. Den Motor gab es in Deutschland nur im Kombi, die 165 km/h schnellen Autos galten lange als die schnellsten Diesel auf hiesigen Straßen.

Die steigende Beliebtheit von Kombis in Youngtimer-Kreisen und ihr Seltenheitswert bleiben natürlich nicht ohne Auswirkung auf die Preise. Laut Frank Wilke von Classic Data müssen Interessenten für ein gut erhaltenes T-Modell vom Typ 280 TE (1977 bis 1985) ohne Extras mindestens 10 600 Euro einplanen. Je nach Ausstattung würden auch 12 000 oder 13 000 Euro gezahlt. Ein Ford Granada 3000 Turnier (1972 bis 1977) wird «nackt» auf 6700 Euro geschätzt. Tendenz: auf jeden Fall steigend. Von Felix Rehwald, dpa

dpa-infocom


Sie benötigen Flash Player 9, um den RZ-Video-Player ansehen zu können.
Regioticker
Eventkalender
rz lexikon
Energiesparen