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Facebook: Tausche Kontrolle gegen Offenheit

San Francisco Wen zählt man zu seinen Freunden? Diese Frage beantworten Online-Netzwerke wie Facebook, StudiVZ oder Wer- kennt-wen bislang so: alle, die im Adressbuch stehen.

Denn auf den Internet-Plattformen können Nutzer nicht einteilen, ob ihre Kontakte Familienmitglieder, Bekannte oder beste Kumpel sind.

Das heißt auch: Sie teilen Urlaubsfotos, Links oder launige Anmerkungen (Statusmeldungen) mit ihrem gesamten Netzwerk. Facebook will nun ermöglichen, Inhalte gezielt freizugeben - und hofft darauf, dass Nutzer dadurch mitteilsamer werden.

Die bisher übliche freundschaftliche Gleichmacherei im Internet entspricht nicht dem sozialen Leben außerhalb der digitalen Welt. Dort gibt es viele Abstufungen, erklärt der Kommunikationssoziologe Jan Schmidt: «Oft entscheiden wir spontan in einer Situation, wem wir was erzählen», sagt der Experte vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung in Hamburg.

Bürotratsch, der bei einem befreundeten Kollegen gut aufgehoben ist, könnte zum Beispiel dem Abteilungsleiter die Zornesröte ins Gesicht treiben. Babyfotos sind für die Familie spannend, für den Rest oft weniger. Wer dagegen für eine Unterschriftenaktion gegen den Klimawandel wirbt, will möglichst viele Menschen erreichen.

Solche Unterscheidungen sind in Online-Netzwerken schwierig. «Die Plattformen erlauben bislang nur flache Beziehungsmodelle», sagt Professor Hendrik Speck von der Fachhochschule Kaiserslautern. «Nutzer können nicht die Intensität der Kontakte einstellen.» Verschiedene soziale Netzwerke aus der Offline-Welt vermischen sich - nicht immer zum Vorteil.

Facebook will dieses Problem nun lösen und mehr Datenschutz ermöglichen. Das Unternehmen aus San Francisco kündigte diese Woche an, dass Nutzer die Leserschaft ihrer Beiträge künftig genauer festlegen können. Zum einen gibt es neue Standardeinstellungen, die zwischen eigenen Kontakten, Freunden der Freunde sowie dem gesamten Netzwerk unterscheiden. Zum anderen können Mitglieder die Zielgruppe aussuchen und etwa die Fotos von der Fahrt der Fußballmannschaft den Kollegen vorenthalten.

Die Differenzierung erfolgt über selbstangelegte Listen, in die man seine Kontakte einteilt. Wettbewerber wie StudiVZ erlauben lediglich eine gröbere Einteilung - Fotos etwa können alle, nur die eigenen Freunde oder bloß man selbst ansehen.

Facebook geht mit diesem Schritt nicht nur auf die Sorgen der Nutzer ein, sondern profitiert auch selbst. Das Kalkül: Wenn Nutzer so leicht die Zielgruppe einschränken können, sind sie freizügiger und offenbaren ihre Gedanken standardmäßig dem gesamten Netzwerk. Ein Unternehmenssprecher empfahl diese Einstellung - so ticke die Welt heute nun mal.

Das bietet Facebook zwei Vorteile: Je mehr es zu entdecken gibt, desto mehr Zeit verbringen die Mitglieder auf der Plattform - Zeit, die der Betreiber bei der Werbeindustrie vermarkten kann. Zudem bergen die gesammelten Statusmeldungen einen Schatz: In ihrer Masse fassen sie zusammen, was Millionen von Nutzern just in diesem Moment bewegt. Auf derartige Informationen in Echtzeit sind Betreiber von Suchmaschinen scharf - der Kurzmeldungsdienst Twitter hat etwa mit Google und Bing Deals gemacht.

«Je mehr Daten auf Facebook veröffentlicht werden, desto mehr Möglichkeiten entstehen für die eigene Suche und für Suchmaschinen», schreibt das US-Fachblog Techcrunch. Der in Statusmeldungen gegossene Zeitgeist erschließt dem Unternehmen vielleicht neue Einnahmequellen und hilft ihm so in die schwarzen Zahlen. Von Christof Kerkmann, dpa

dpa-infocom


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