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Kreditkarten in Misskredit: Was sie leisten und kosten

Berlin/Frankfurt/Main Kreditkarten haben Vorteile.

Erst am Ende des Monats ist die Rechnung zu zahlen, bei einigen Karten sogar noch später. Derzeit sehen viele Verbraucher allerdings eher die Nachteile.

Denn der massenhafte Austausch von Karten aller großen Herausgeber im November hat viele Verbraucher verunsichert. «Warum zahle ich überhaupt Gebühren, wenn die Daten möglicherweise nicht sicher sind?» - das fragt sich mancher. Die Antwort lautet: Zwischen dem Preis einer Karte und ihrer Sicherheit besteht kein Zusammenhang. Und wer sich über die Kosten ärgert, wird möglicherweise bei einem anderen Anbieter fündig. Denn es gibt auch Karten ohne Jahresgebühr.

Zunächst gilt für Kreditkarten dasselbe wie für die meisten anderen Produkte: «Die einzelnen Angebote unterscheiden sich nach Kosten und Leistungsumfang», erläutert Steffen Steudel, Sprecher beim Zentralen Kreditausschuss (ZKA) der deutschen Banken und Sparkassen. «In der Sicherheit unterscheiden sie sich nicht. Sie haben alle denselben technischen Standard, und alle Zahlungen werden von denselben Zahlungsabwicklern verarbeitet.»

Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft bei der Kartensicherheit gebe es nicht: «Gold- und Platinkarten können genauso betroffen sein», sagt Uwe Döhler von der Stiftung Warentest in Berlin. «Die Kunden bleiben auf einem Schaden zum Glück ja aber nicht sitzen.» Die Banken springen im Ernstfall ein.

Dennoch gibt es Unterschiede. «Die Angebote hängen von der Zielgruppe ab», fügt Christoph Strauch vom Beratungsunternehmen PaySys in Frankfurt hinzu, das sich auf den Zahlungsverkehr spezialisiert hat. Viele basieren auf einem Kooperationsmodell, das eine ausgesuchte Klientel etwa mit Bonusprogrammen zu Umsätzen anregen soll - an ihnen verdienen die Unternehmen.

Je edler die metallene Farbe der Karte , desto größer ist außerdem in der Regel der mitgelieferte Versicherungsumfang: «Die Goldkarte hat ein deutlich umfangreicheres Versicherungspaket und ein weitaus höheres Kreditlimit.» Das kostet allerdings auch. Die jüngste Marktauswertung Kreditkarten der Zeitschrift «Finanztest» ergab, dass Karten mit einer Jahresgebühr von bis zu 88 Euro zu bekommen sind. Dabei ist die Kernfunktion der Karte - das weltweite Bezahlen ohne Bargeld - auch umsonst zu haben.

Kreditkarten haben gerade weltweit betrachtet viel mehr Akzeptanzstellen als die normalen Bankkarten - auch EC-, Debit- oder Girokarte genannt. Außerdem ist auf Reisen oder zu Hause verlorenes Bargeld wirklich verloren - eine verlorene Karte lässt sich sperren. «Dazu kommt, dass der Umtausch - also der Sortenkauf - in einem Land mit anderer Währung entfällt. Gerade auf großen Reisen in ferne Länder ist das von Vorteil», sagt Steudel.

Für das Bezahlen bei Online-Käufen sei eine Kreditkarte darüber hinaus heute häufig schlichtweg Voraussetzung, weil keine andere Zahlung akzeptiert sei. «Und beim Autoverleih bekommen Sie ohne Kreditkarte häufig nur die kleinste Klasse. Die Kreditkarte ist auch ein Ausweis Ihrer Bonität.»

Ihren Kontostand und ihren guten Namen sehen viele Verbraucher nun in Gefahr. Verbraucherschützer haben eine Sperrung jüngst aber nicht unbedingt empfohlen. Dieser harte Schritt sei etwas für jene, die sonst nicht mehr ruhig schlafen können. «Die komplette Sicherheit wird es außerdem niemals geben», sagt Döhler - «es ist ein Wettlauf zwischen der kriminellen Energie von Angreifern und den Abwehrmechanismen der Banken.»

Sperr-Notruf (in Deutschland gebührenfrei): 116 116
Sperr-Notruf aus dem Ausland (gebührenpflichtig): + 49 / 116 116 oder + 49 30 / 4050 4050

10 Sicherheitstipps vom Bankenverband: dpaq.de/bankenverband

Sicherheitstipps von Visa: dpaq.de/visa

Sicherheitstipps von MasterCard: dpaq.de/mastercard

Rund um das Thema Kartensicherheit: www.kartensicherheit.de Kreditkarten-Systeme Die Deutschen zahlen laut einer Studie von PaySys 27,1 Prozent ihrer reinen Konsumausgabe mit Zahlkarten, 6,2 Prozent davon entfallen auf Kreditkarten. Etwas mehr als 25 Millionen reine Kreditkarten waren 2007 im Umlauf. Die meisten von ihnen werden von Banken und Sparkassen herausgegeben und sind im Girokonto-Paket in der Jahresgebühr enthalten. «Für eine Partnerkarte werden dann vielleicht noch einmal 10 oder 20 Euro extra fällig», erklärt Christoph Strauch vom Beratungsunternehmen PaySys in Frankfurt/Main.

Daneben geben Banken aber auch Karten ohne Girokonto-Bindung heraus. Häufig gibt es auch hier eine Jahresgebühr. «Und diese funktionieren meist nach dem Revolving-Prinzip. Die Unternehmen verdienen ihr Geld also mit der Kreditvergabe über die Karte - Kunden können die Umsätze mit der Karte peu à peu zahlen und nicht zwingend am Ende des Monats.» Das sei eine bequeme Angelegenheit, auf diesem Weg einen kleinen Konsumentenkredit aufzunehmen. Verbraucherschützer warnen allerdings seit Jahren davor, denn die Kosten könnten schnell aus dem Blick geraten und sich immer höhere Schulden anhäufen. Von Thorsten Wiese, dpa

dpa-infocom


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