pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
RZ-Blog  |  Twitter  Mobil&RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Kriminalität

Ausbrecher Michalski auf dem Fahrrad gefasst

Köln/Schermbeck - Fünf Tage hat die Flucht zweier Schwerverbrecher Deutschland in Atem gehalten - am Dienstag konnte die Polizei nun auch den zweiten Ausbrecher festnehmen.

Sie benötigen Flash Player 9, um den RZ-Video-Player ansehen zu können.

Die Polizei hat in Scherm­beck am Nie­der­rhein den gesuch­ten Mörder Peter Paul Michal­ski fest­genom­men.

Peter Paul Michalski (46) war auf einem alten, silberfarbenen Fahrrad unterwegs und fuhr an der B 58 durch die platte niederrheinische Landschaft bei Schermbeck im Kreis Wesel, als Spezialeinsatzkräfte zuschlugen. Weder die Polizisten noch der verurteilte Mörder wurden verletzt.

Damit sind beide Schwerverbrecher , die am Donnerstagabend aus dem Aachener Gefängnis ausgebrochen waren, wieder in Gewahrsam. Der Geiselgangster Michael Heckhoff (50) war bereits am Sonntag in Mülheim an der Ruhr gefasst worden. Fast 1500 Beamte waren an der Suche nach den Ausbrechern beteiligt.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ingo Wolf (FDP) lobte die Polizei: «Sie hat den Fahndungsdruck permanent hoch gehalten und so eine schwierige Aufgabe gemeistert.» Mit einem immensen Einsatz von Beamten und moderner Technik habe die Polizei alles getan, um die Flüchtigen aufzuspüren. «Die Bevölkerung hat sich vorbildlich an der Fahndung beteiligt und die Polizei mit den nötigen Hinweisen versorgt, ohne die eine erfolgreiche Fahndung so schnell gar nicht möglich gewesen wäre», sagte Wolf.

Polizeigewerkschaft spricht von «Musterbeispiel»

Die Deutsche Polizeigewerkschaft sprach von einem «Musterbeispiel» für zentral gesteuerte Fahndungsarbeit. «Der große Vorteil ist, dass nicht mehrfach die Führung übergeben wurde, je nach örtlicher Zuständigkeit, wie es im Gladbecker Geiseldrama der Fehler war», sagte der NRW-Landesvorsitzende Rainer Wendt der dpa. Beim Gladbecker Geiseldrama im Sommer 1988 waren zwei Schwerkriminelle quer durch die Republik geflüchtet, verfolgt von Presse und Fernsehen. Drei Menschen wurden getötet.

Michalski und Heckhoff waren am Donnerstag offenbar mit Hilfe eines Gefängniswärters aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Aachen ausgebrochen. Auf ihrer Flucht kaperten sie mehrere Autos und brachten vorübergehend zwei Taxifahrer, eine Schülerin und ein Ehepaar in ihre Gewalt. Alle wurden unverletzt wieder freigelassen.

Beide Männer sind zu lebenslanger Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt - Heckhoff unter anderem wegen Geiselnahme und versuchten Mordes, Michalski wegen Mordes an einem Mittäter im Jahr 1993.

Die «Bild»-Zeitung brachte am Dienstag einen Bericht mit Einzelheiten des Ausbruchs und Zitaten des Ausbrechers Heckhoff. Nach eigenen Angaben liegt «Bild» ein vom Anwalt autorisiertes Interview mit Heckhoff vor. Die Polizei konnte zunächst nicht sagen, ob die Aussagen stimmen. Deutlich ist, dass Heckhoff sein Handeln in dem Interview zu rechtfertigen versucht und sich in einem möglichst günstigen Licht darstellen will.

Der Verbrecher berichtet, dass er von einem Wärter den Gefängnisschlüssel bekommen und diesen auf einem Kopierer kopiert habe. Anhand dieses Musters habe Michalski in einer Schlosserei eine Kopie machen lassen. Diesen Schlüssel hätten sie dann in einem günstigen Augenblick genutzt, um zu fliehen.

Heckhoff: Erst mal auf den Weihnachtsmarkt

In einem Taxi, das zufällig vor der JVA Aachen hielt, fuhren die beiden Täter bis Kerpen und von dort in einem anderen Taxi zum Kölner Dom. «Da sind wir erst mal auf den Weihnachtsmarkt. Wir haben uns in einer Pommesbude Pommes und Sprudel gekauft. Während wir gegessen haben, kreiste ein Polizeihubschrauber über uns.» Die Nacht hätten sie unter einer Brücke verbracht und dabei «voll gefroren».

Am nächsten Morgen frühstückten sie den Angaben zufolge in der Cafeteria eines Krankenhauses. Mit einer jungen Frau fuhren sie in deren Auto nach Essen. In einem Wald am Baldeneysee waren sie plötzlich von Polizisten umringt. Sie versteckten sich hinter zwei Schubkarren. «Irgendwann kamen SEK-Beamte vorbei. Einer meinte: "Da hör ich was!" Aber zum Glück hat der uns nicht gesehen.»

Nach einer Nacht im Schrebergarten drangen sie in die Villa eines Ehepaars ein, duschten dort, sahen fern und ließen sich bekochen. Die Nacht zum Sonntag verbrachten sie in einem Hochhaus in der Mülheimer Innenstadt. Am nächsten Morgen liefen sie der Schilderung zufolge einem Polizisten in Zivil in die Arme. Michalski konnte im letzten Moment entkommen. Zu seiner Motivation sagt Heckhoff: «Der Ausbruch war eigentlich eine Trotzreaktion auf die Vollzugsumstände im Knast.» Die Direktorin habe ihn «voll schlecht behandelt» und ihm den Ausgang gestrichen.

Die Kölner Polizei geht davon aus, «dass in dem Artikel Informationen verarbeitet sind, die unbefugt an die "Bild"-Zeitung gelangten». Ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt sei eingeleitet worden. Inwieweit die von «Bild» zitierten Äußerungen Heckhoffs den tatsächlichen Verlauf seiner Flucht wiedergeben, werde noch geprüft, sagte ein Polizeisprecher.

dpa-infocom