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Konflikte

USA erwarten stärkeres Engagement der Verbündeten

Brüssel - Jetzt sind die Verbündeten der USA im Zugzwang: Nach der Ankündigung von Präsident Obama, 30 000 US-Soldaten zusätzlich nach Afghanistan zu schicken, wächst der Druck auf Deutschland, Frankreich und andere NATO-Mitglieder, ebenfalls weitere Truppen an den Hindukusch zu entsenden.

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen erwartet, dass die Verbündeten mindestens 5000 zusätzliche Soldaten in Marsch setzen. Nach monatelangen Beratungen hatte Obama in der Nacht zum Mittwoch (MEZ) in der traditionsreichen Militärakademie West Point seine neue Afghanistan-Strategie bekanntgegeben. Dabei setzt er nach acht Jahren Afghanistan-Krieg auf eine massive Militäroffensive. Um die erstarkten Taliban-Kämpfer zurückzuschlagen, schickt er bereits Anfang des Jahres 30 000 zusätzliche US-Soldaten an die Front. Der US-Präsident machte klar, dass er jetzt auch ein stärkeres Engagement der Verbündeten erwartet.

Obama fasst in seiner neuen Strategie aber auch erstmals das Ende des Krieges ins Auge. Bereits im Sommer 2011 soll - abhängig von der Sicherheitslage vor Ort - der Rückzug der US-Soldaten beginnen. US-Medien sprachen von der wichtigsten sicherheitspolitischen Weichenstellung seit Jahren. Wenn die Truppenaufstockung im Sommer 2010 abgeschlossen sein wird, wird sich die Zahl der US-Soldaten auf rund 100 000 erhöht haben.

Der Oberbefehlshaber der internationalen Truppen in Afghanistan, US-General Stanley McChrystal, begrüßte Obamas neue Strategie. Er selbst hatte die Überlegungen mit seiner Forderung nach einer massiven Truppenverstärkung in Gang gebracht. Der Präsident habe ihn jetzt mit einer «klaren militärischen Mission sowie den notwendigen Ressourcen» ausgestattet, um die Aufgaben in Afghanistan erfüllen zu können, sagte McChrystal am Mittwoch in Kabul.

Auch NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen reagierte positiv. «Das Bündnis und unsere Partner werden mehr tun, wesentlich mehr», sagte er am Mittwoch vor Journalisten in Brüssel. «2010 werden die Verbündeten der USA mindestens 5000 zusätzliche Soldaten entsenden, möglicherweise ein paar Tausend mehr.» Dies erhöhe die Zahl der bisher 38 000 Nicht-US-Soldaten in der von der NATO geführten Afghanistan-Schutztruppe ISAF deutlich.

Die Außenminister der 28 NATO-Staaten wollen noch in dieser Woche in Brüssel über eine Verstärkung der vom Bündnis geführten Afghanistan-Schutztruppe ISAF sprechen. Diplomaten erwarten dabei aber aus Europa noch keine genaue und vollständige Aufstellung zusätzlicher Truppen. Die Bundesregierung hat angekündigt, dass es erst nach einer für den 28. Januar in London geplanten Afghanistankonferenz darüber beraten will, ob der Bundestag um eine Erhöhung der Obergrenze von 4500 Bundeswehrsoldaten für den Einsatz in Afghanistan gebeten werden soll.

Nach Medienberichten fordern die USA auch von Deutschland eine massive Aufstockung des Bundeswehrkontingents. Wie die «Leipziger Volkszeitung» unter Berufung auf Regierungsvertreter in Berlin berichtete, habe Obama um die zusätzliche Entsendung von 2000 Bundeswehrsoldaten gebeten. Nach einem Bericht der «Bild»-Zeitung hat sich Berlin auf Forderungen der USA nach bis zu 2500 weiteren Soldaten eingestellt.

Auch Frankreich will die Afghanistankonferenz Ende Januar abwarten und seinen Schwerpunkt ähnlich wie Deutschland auf die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte legen. Frankreich ist laut Sarkozy mit «fast 4000 Soldaten, Gendarmen und Polizisten» am Hindukusch engagiert. Dabei sind 350 Soldaten mit der Ausbildung afghanischer Einheiten betraut oder direkt in sie integriert.

dpa-infocom