Unicef präsentiert das Siegerfoto des Jahres 2009: Die Aufnahme stammt von dem schwedischen Fotografen Johan Bävman und zeigt Selina (r), die ihrer Freundin Mwanaidi beim Spiel mit einem Band zuschaut. Die Schülerin leidet an einer Pigmentstörung. Ihr Körper produziert so gut wie keinen Farbstoff. Das zehnjährige Mädchen gehört zu den schätzungsweise 150.000 Albinos in Tansania. Im Klassenraum der Mintindo- Grundschule im Norden des Landes fühlt sich Selina sicher. Hier muss sie nicht um ihr Leben fürchten wegen der blassen Hautfarbe und den weißblonden Haaren. Denn viele ihrer Leidensgenossen werden verfolgt: ihre Körperteile gelten als Glücksbringer.
Platz zwei geht an den tschechischen Fotografen Milan Jaros: Das Foto zeigt die fünfjährige Adelka aus Prag, die einen Kindergarten speziell für Autisten besucht. Die Kinder dort leiden an einer Wahrnehmungsstörung, und ihr Gehirn kann Informationen nicht richtig verarbeiten. Adelka wurde mit einer besonders schweren Form von Autismus geboren. Sie spricht kein Wort und lebt vollkommen in ihrer eigenen Welt.
Edwin Koo aus Singapur belegt den dritten Platz: Seine Aufnahme zeigt Kinder im pakistanischen Flüchtlingslager Sheikh Yasin, die mit Kannen in der Hand an den Bottichen der Ausgabestelle auf ihren Tee warten. Tee gilt in Pakistan als Nationalgetränk, und die Tradition soll den Jungen und Mädchen helfen, den Konflikt in ihrer Heimat für ein paar Minuten am Tag zu vergessen. Sie alle stammen aus dem Swat­Tal, eine Hochburg der Taliban. Wie 2,5 Millionen andere Menschen sind die Kinder vor den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Taliban geflohen.
Eva Luise Köhler (l), Schirmherrin des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen, präsentiert in Berlin gemeinsam mit dem schwedischen Fotografen Johan Bävman das Siegerfoto.
Zehn weitere Fotografn der insgesamt 123 Teilnehmer wurden von Unicef mit einer ehrenvollen Erwähnung ausgezeichnet. Wie Eman Mohammed für diese Aufnahme: Ein paar Minuten Sorglosigkeit und unbeschwerter Kindheit: Im Norden von Gaza plantschen die Jungen in der Badewanne zwischen den Trümmern ihres Zuhauses. Dieses wurde bei einem israelischen Angriff zerstört.
Ihr Zuhause ist ein stillgelegtes Bahngleis in einem Bangkoker Slum, und weil ihre Eltern zu wenig verdienen, um die Familien zu ernähren, müssen die Kinder von Sukhumvit mitarbeiten: als Bettler oder Blumenverkäufer in den Touristenvierteln, als Handlanger bei Hahnenkämpfen. Foto: Jacob Aue Sobol
Während der Schulzeit albert die blonde 16-Jährige lieber mit ihren Freunden und einem Einkaufswagen im Supermarkt herum, statt zu pauken. Sie lebt in einem Kinderheim nahe Berlin, freiwillig, nachdem sie einige Zeit in der Psychiatrie verbrachte. Nach Hause will sie vorerst nicht zurück – zu sehr bedrückt sie das schwierige Verhältnis zu ihrer Mutter. Foto: Anna Jockisch
Sieben Jahre alt und süchtig: Rushanora raucht zusammen mit ihrem Vater Heroin. Die Droge betäubt Kälte- und Hungergefühle. Diese spürt die Familie besonders in den langen und eisigen Wintermonaten. Denn ihre Heimat Badakhshan liegt in einer abgeschiedenen Bergregion im Nordosten Afghanistans. Das Land gilt als der größte Rohopium-Produzent der Welt, und in manchen Teilen sind geschätzte 70 Prozent der Menschen abhängig. Foto: A.K. Kimoto
Es ist einer der unbeschwerten Momente in ihrem Leben: Die sechs Jahre alte Vibe aus Dänemark verspritzt unter der Dusche Wasser in alle Richtungen. Eine Szene, die wohl viele Eltern kennen, doch für Vibe und ihre Familie ist sie eine seltene geworden. Denn das Mädchen leidet an einem Gehirntumor, eine der häufigsten Krebsarten bei Kindern. In Dänemark erkranken jedes Jahr rund 40 Kinder an einem Geschwür im Kopf. Foto: Thomas Lekfeldt
Der Krieg hat den sechs Jahre alten Abdel Aziz traumatisiert. 22 Tage kämpfte die israelische Armee Anfang 2009 hier im Gazastreifen gegen die Hamas und andere militante Palästinensergruppen. Während der Luft- und Bodenangriffe starben schätzungsweise 1.400 Menschen. Bei den Überlebenden hinterlassen die Kämpfe Spuren auf der Seele. Foto: Christian Als
Wenn Mama und Papa, beide drogenabhängig, vor sich hindämmern, ist Anfisa sich selbst überlassen. Sie lehnt aus dem Fenster der verwahrlosten Wohnung in Sankt Petersburg, Zigaretten sind Spielzeug. Die Eltern des zwei Jahre alten Mädchens gehören zur Punkszene der Stadt und sind seit fünf Jahren ein Paar. Sie stehlen Lebensmittel aus dem Supermarkt und betteln um Geld auf der Straße. Anfisa hat das Recht, sich "gesund zu entwickeln". So will es die UN-Konvention der Kinderrechte. Wer setzt ihren Anspruch durch, wenn die Eltern versagen? Foto: Irina Popova
Sie „spielen“ den Ernstfall: Mit Plastikgewehr und kugelsicherer Weste ausgestattet, werden die Jungen gleich ein Gebäude in der kalifornischen Stadt Imperial durchsuchen. Die 13- bis 21-Jährigen lernen, Terroristen aufzuspüren, illegale Einwanderer zu jagen und Attentäter zu überwältigen. In einem Raum des Gebäudes liegt ein 15 Jahre altes Mädchen auf dem Boden, das T-Shirt gespickt mit roten Farbflecken und -spritzern, neben ihr die Tatwaffe – sie spielt die verwundete Geisel. Die Jugendlichen sollen den Schützen aufspüren. Foto: Todd Krainin
Hier dürfen sie Kinder sein – trotz Krieg: Im Frühsommer 2009 spielen die vier Jungen und das Mädchen in einem Fluss nahe des Flüchtlingslagers „Yar Hussein“, rund hundert Kilometer westlich der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Das Lager ist ihre Heimat geworden – und die von zehntausend weiteren Menschen. Ihr eigentliches Zuhause liegt im nordpakistanischen Swat-Tal, doch dort kämpft die pakistanische Armee gegen die Taliban. Foto: Daniel Berehulak
Die Hochzeitsfrisur der 14 Jahre alten Ouma ist fertig – die krausen Haare schmiegen sich in feinen Zöpfen um ihren Kopf. Das Mädchen macht sich fein für einen Mann, den sie sich nicht selber ausgesucht hat. Heiraten muss sie ihn trotzdem. Ihr Bräutigam Hamidou ist 33 Jahre alt, das Mädchen wird seine zweite Frau. Foto: Mads Nissen
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17. Dezember 2009