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Wetter

Kälte bringt Chaos: Unfälle, Ausfälle, Todesfälle

Hamburg Zwei Dutzend Europäer sind bei der ersten Kältewelle des Winters erfroren.

Wenige Tage vor dem Weihnachtsfest stürzte der grimmige Wintereinbruch den Verkehr in weiten Teilen des Kontinents ins Chaos.

Auch die US-Ostküste rüstete sich für starken Schneefall. Meteorologen sagten weiteren Frost voraus. Ob Deutschland eine weiße Weihnacht erleben werde, blieb am Freitag aber offen.

In einer verlassenen Pfadfinder-Schutzhütte in Rheinland-Pfalz wurde ein 62 Jahre alter Mann tot gefunden, teilte die Polizei mit. Es war der erste Kältetote im Land. Der Verein Armut und Gesundheit in Deutschland kritisierte vor dem Hintergrund dieses Falls vom Mittwoch, dass Hilfsangebote für Obdachlose oft nicht genug auf deren Bedürfnisse ausgerichtet seien. In Polen kamen seit Donnerstag mindestens fünf Menschen ums Leben.

Selbst die an heftigen Frost gewöhnten Russen bibbern bei eisigen Temperaturen. In der Nacht zum Freitag erfror ein Mann in Moskau. Damit stieg die Zahl der Kältetoten in der russischen Hauptstadt seit Anfang November auf 19, teilten die Behörden nach Angaben der Agentur Interfax mit. Dutzende Menschen erlitten Erfrierungen. In der ostrussischen Republik Tuwa wurden minus 40 Grad gemessen.

An einer sächsischen Wetterstation fiel die Temperatur am Freitagabend auf minus 21,3 Grad Celsius. Dieser Wert sei gegen 19.00 Uhr in Dippoldiswalde-Reinberg gemessen worden, teilte die Meteomedia Unwetterzentrale in Bochum mit. «Lokal können in dieser Nacht vor allem in einzelnen Tälern Sachsens Tiefstwerte von minus 20 bis etwa minus 23 Grad erreicht werden», lautete die Prognose des Wetterkundlers Thomas Sävert. Fast überall in Deutschland werde am Samstagmorgen strenger Frost unter minus 10 Grad erwartet.

Auf deutschen Straßen kam es zu hunderten Karambolagen - allein in Hamburg zählte die Polizei rund 130 Unfälle. Mehr als 250 mal krachte es etwa in Westfalen und Lippe - wie die Polizei mitteilte, blieb es aber meist bei Blechschäden und Leichtverletzten. In Rheinland-Pfalz, wo der Schnee am Nachmittag zu fallen begann, krachte es nach Polizeiangaben immer wieder. In Montabaur kam ein Lastwagen von der glatten Fahrbahn ab und rammte ein Haus. Dabei lief Diesel aus dem Tank aus, verletzt wurde niemand.

Bei Schlüchtern in Hessen wurden drei Menschen bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt. Ihr Wagen war auf eisglatter Straße auf die Gegenfahrbahn geraten, wie die Polizei in Offenbach berichtete. Das Auto prallte mit einem Linienbus zusammen. In Südhessen war die Lage auf den Straßen «katastrophal». «Wir konnten die Unfälle noch gar nicht zählen», sagte ein Polizeisprecher am Abend.

In Belgien stauten sich die Fahrzeuge auf einer Länge von 350 Kilometern, berichtete die Nachrichtenagentur Belga. Auf Flughäfen in Brüssel, London und Paris fielen wetterbedingt viele Flüge aus. In der französischen Hauptstadt mussten Hunderte Passagiere, die nach Hamburg, Stuttgart und anderswohin wollten, die Nacht auf dem Flughafen verbringen. Das Luftfahrtamt DGAC rief die Fluggesellschaften auf, als Vorsichtsmaßnahme ein Drittel der Flüge zu streichen. Die Hochgeschwindigkeitszüge TGV drosselten ihre Fahrt.

In Bulgarien war nach Medienberichten der Nordosten betroffen, mehrere Dörfer waren ohne Strom. Schnee auch in Norditalien, wo die Temperaturen auf der Marcesina in den Dolomiten unter minus 27 Grad Celsius fielen. Freude über die Kälte herrschte in deutschen Wintersportorten und bei Winzern, die ihre Eisweinlese begannen.

In den USA sagen Meteorologen der US-Ostküste für die Nacht zum Samstag massive Schneefälle voraus. In Washington wurden um die 30 Zentimeter Schnee erwartet, in New York bis zu 20 Zentimeter, auf Long Island könnte es laut Vorhersagen zu einem Blizzard kommen. Im US-Fernsehsender MSNBC sprach ein Wetterkundler von den heftigsten Schneefällen um diese Jahreszeit seit einem Jahrzehnt. In Miami standen die Straßen nach heftigen Regenfällen kniehoch unter Wasser.

Das Wetter zu Heiligabend wird für deutsche Meteorologen unterdessen zum Ratespiel. «Das ist spannend wie ein Tatort-Krimi», sagte Andreas Wagner von der meteomedia-Unwetterzentrale der dpa. Zwei große Wettersysteme über Mitteleuropa treffen aufeinander und könnten Deutschland ein «zweigeteiltes» Wetter bescheren. «In der Südosthälfte könnte milde Luft die Oberhand gewinnen - im Nordwesten könnte es relativ kalt bleiben», sagte Wagner. «Und an der Grenze der beiden Gebiete diagonal durch Deutschland vom Saarland bis Mecklenburg-Vorpommern ist Schneefall möglich.»

Andreas Friedrich, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) entgegnet, dass es sich dabei um ein «Außenseitermodell» handelt. Der DWD habe aus allen verfügbaren Modellen die wahrscheinlichste Vorhersage getroffen - und danach wird kein Schnee fallen. Spätestens an Heiligabend solle es in ganz Deutschland zwischen 0 und 5 Grad warm sein, so dass der gefallene Schnee zu tauen beginne. Da es im Osten kälter bleibt, besteht laut Friedrich aber noch die Chance, dort durch eine weiße Winterlandschaft zu spazieren.

Nach Einschätzung von meteomedia liegt die Wahrscheinlichkeit für eine weiße Weihnacht für den Norden und die Mittelgebirge bei 60 bis 70 Prozent. Schuld am Wetterwirrwar sind Tief «Uwe» und Hoch «Frauke», die für eine extrem kalte Ostströmung sorgen. Dagegen beschert Tief «Vincent» milde Luft.

dpa-infocom