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Deutsche Bank will britische Sondersteuer umlegen

Frankfurt/London - Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann will seine Mitarbeiter in der Londoner City nicht allein für die geplante Boni-Sondersteuer bluten lassen. Man werde die Belastungen globalisieren, sagte der Chef des größten deutschen Geldhauses der «Financial Times» (Freitag).

Er ließ offen, welche Anteile die übrige Belegschaft und die Anteilseigner über einen geschmälerten Gewinn tragen müssen. «Es wäre ungerecht, die britischen Banker anders zu behandeln», sagte Ackermann. Es sei aber noch nicht entschieden, welchen Anteil die Belegschaft zu tragen habe und welche Belastungen bei den Eigentümer verbleiben. Die Deutsche Bank werde beobachten, was die anderen Banken tun. Ackermann wandte sich erneut gegen die von der britischen Regierung angekündigte Besteuerung der Sonderzahlungen. Boni für Fachleute sollten das Ergebnis von Angebot und Nachfrage sein, meinte der Deutsche-Bank-Chef.

Großbritannien will Bonuszahlungen von mehr als 25 000 Pfund (27 700 Euro) mit einer einmaligen Steuer von 50 Prozent belegen. Dabei sollen die Banken selbst auf ihren Bonus-Pool besteuert werden. Die Angestellten müssen danach noch auf ihr Gehalt plus Bonus den bisherigen Einkommensteuersatz zahlen. Die bis April befristete Abgabe soll dem Staat rund 550 Millionen Pfund Mehreinnahmen einbringen. Der britische Staat hatte die Banken in der Finanzkrise massiv gestützt, ohne dass vor allem die Investmentbanker auf ihre Sonderzahlungen verzichteten.

Die Branche hat die Steuerpläne heftig bekämpft und erwartet interne Auseinandersetzungen um die globale Verteilung der britischen Steuerlast. Nach Angaben aus Finanzkreisen hat es bei der Deutschen Bank bislang keinen weltweiten Bonus-Pool gegeben. Allerdings seien die jeweiligen Arbeitsmärkte, Lebenshaltungskosten oder auch die Inflationsbelastungen bei den Zahlungen an die jeweiligen Manager berücksichtigt worden. Der deutsche Branchenprimus beschäftigt nach eigenen Angaben 78 530 Mitarbeiter in 72 Ländern.

Die für Bankangestellte zuständige Gewerkschaft Verdi verlangte eine höhere Besteuerung extrem hoher Boni. Alle Zahlungen von mehr als zwei Millionen Euro im Jahr seien mit dem persönlichen Einsatz des Empfängers eigentlich nicht zu rechtfertigen, sagte Verdi- Bankenexperte Uwe Fullong. Seine Organisation trete daher dafür ein, alle Einkommen oberhalb dieser Grenze mit 80 Prozent zu besteuern. Das Verhalten der Deutschen Bank als wichtigste inländische Investmentbank müsse genau beobachtet werden.

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, argumentierte gegen die Sonderabgabe. «Strafsteuern auf Banker-Boni sind ordnungspolitisch unvernünftig, auch wenn ich die Diskussion angesichts der finanziellen Folgen der Finanzkrise verstehen kann», sagte Walter der Deutschen Presse-Agentur dpa. Gleichwohl solle es Änderungen bei den Boni-Programmen geben. Sinnvoll seien beispielsweise die verzögerte Auszahlung und längere Bemessungszeiträume, um Entscheidungen zu verhindern, die sich nur am kurzfristigen Erfolg orientierten. Die Veränderungen sollten aber den Banken selbst überlassen werden.

Außer Großbritannien will auch Frankreich die Boni scharf besteuern. In Deutschland gibt es bislang nur eine Selbstverpflichtung einer Gruppe von Instituten gegen exzessive Zahlungen - darunter auch die Deutsche Bank.

Fr, 18. Dez. 2009, 16:11 © Rhein-Zeitung & dpa-infocom
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