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Mutmaßlicher Kinderschänder will gestehen

Trier/Mayen Der Fall löste im Sommer bundesweit Empörung aus: Ein Mann missbraucht zwei kleine Jungen und stellt Aufnahmen davon ins Internet. Jetzt wird dem mutmaßlichen Täter aus Mayen der Prozess gemacht.

Der mutmaßliche Kinderschänder aus Mayen in der Eifel, der über Sex-Videos im Internet entlarvt wurde, kommt vor Gericht. Ab 4. Januar muss sich der 38-Jährige wegen schweren sexuellen Missbrauchs von fünf Jungen verantworten, teilte das Landgericht Trier mit.

Für den Prozess sind fünf Verhandlungstage anberaumt. "Mein Mandant wird sich seiner strafrechtlichen Verantwortung stellen", erklärt sein Anwalt Hartmut Diesel gegenüber unserer Zeitung. "Den Kindern wird eine Aussage erspart bleiben."

Das aber kann nur heißen: Der mutmaßliche Kinderschänder will ein umfassendes Geständnis ablegen. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Gefängnis und anschließende Sicherheitsverwahrung.

Selten zuvor ist ein Missbrauchsfall schon vor der Verhandlung auf ein derart großes Medieninteresse gestoßen. Der Hauptgrund: Nach dem zunächst noch unbekannten Mann aus der Eifel war Anfang August in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" bundesweit gefahndet worden, nachdem Ermittlern von einem Journalisten mehrere Missbrauchs-Videos zugespielt worden waren. Sie zeigen unter anderem die Vergewaltigung zweier kleiner Jungen.

Weil zum damaligen Zeitpunkt sowohl Opfer wie auch Täter unbekannt waren, entschlossen sich die Ermittler, die natürlich zensierten Videos auszustrahlen. Schon am Tag nach der Aktenzeichen-Sendung stellte sich der mutmaßliche Täter im bayerischen Sonthofen der Polizei. Der 38-Jährige hatte dort zuletzt als Kellner gejobbt.

Die Fahnder wären dem einst von Leipzig nach Mayen gezogenen Mann wohl auch so rasch auf die Schliche gekommen. Denn auch die Mutter der beiden Missbrauchsopfer, zwei zur Tatzeit in der Verbandsgemeinde Kelberg (Vulkaneifelkreis) wohnende Zwillingsbrüder, meldete sich nach der Sendung bei der Polizei.

Wie sich später herausstellte, waren die heute elfjährigen Brüder nicht die einzigen Opfer des mutmaßlichen Kinderschänders. An mindestens drei weiteren Jungen soll sich Christoph G. in den vergangenen sieben Jahren vergangen haben. Gelegenheit dazu hätte er gehabt: Nach Erkenntnissen der Ermittler war er zwischen 1991 und 2009 Übungsleiter in diversen Turnvereinen in Polch, Mayen und Kaisersesch und als Mitglied eines Spielmannszugs Ausbilder von Kindern und Jugendlichen.

Ob es in dieser Zeit zu weiteren Übergriffen kam, ist noch nicht abschließend geklärt. Nach Angaben des Leitenden Trierer Oberstaatsanwalts Jürgen Brauer dauern die Vernehmungen des Bundeskriminalamts an. Bislang gibt es aber keinen weiteren Verdachtsfall.

Triers Chef-Ermittler hatte sich gegen Vorwürfe zur Wehr setzen müssen, seine Behörde hätte Christoph G. wesentlich früher aus dem Verkehr ziehen können. Denn er war vor drei Jahren schon einmal in den Fokus der Fahnder geraten, nachdem ein Nachbar der Zwillingsbrüder die Polizei auf einen möglichen Missbrauch aufmerksam gemacht hatte. Mangels Tatverdachts wurde das Verfahren nach einigen Monaten aber wieder eingestellt. Die Zwillinge seien "von ihren ursprünglichen, belastenden Angaben wieder abgerückt", sagt Brauer. (sey)

RZO