pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
RZ-Blog  |  Twitter  Mobil&RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Land & Region     » regioticker     » regiolinks     » aus dem Land     » „mehr” aus der RZ

Bürgermeister in Sex-Prozess schwer belastet

Koblenz/Kaisersesch Schwere Vorwürfe gegen Bürgermeister Ewald Mattes: Wenn der 58-Jährige auf Dienstreise ging, soll er gern eine Dame aus seinem Vorzimmer dabei gehabt haben.

Tagsüber sollte sie ihn auf Termine begleiten, abends in sein Hotelbett. Als sich eine 43-Jährige weigerte, fiel er über sie her - erst in der U-Bahn, dann im Hotellift.

Diesen Vorwurf trug das mutmaßliche Opfer jetzt vor dem Landgericht Koblenz vor. Dort muss sich Mattes, Chef der Verbandsgemeinde Kaisersesch (Kreis Cochem-Zell), in einem Berufungsprozess wegen sexueller Nötigung verantworten. Er streitet alle Vorwürfe ab. Seine Ex-Mitarbeiterin habe diese frei erfunden. Das Amtsgericht Cochem hatte den CDU-Politiker im Sommer freigesprochen.

So kam es laut der 43-Jährigen zu den Übergriffen: Am 6. Juli 2005 waren Mattes und sie auf einer Dienstreise in Stuttgart. Nach den Geschäftsterminen aßen sie in der Innenstadt. Er trank einige Bier. Als beide mit der

U-Bahn ins Hotel fuhren , soll er zudringlich geworden sein - obwohl andere Fahrgäste zusahen. "Plötzlich umarmte er mich. Ich nahm seine Hände weg. Aber er ging mir unter die Bluse", erzählte die Frau. "Dann spürte ich seine Hände überall." Als sie später in der Hotelbar noch etwas tranken, soll er gesagt haben: "Jetzt bist du reif, Mädchen! Frauen meinen Ja, wenn sie Nein sagen." Als sie mit dem Lift nach oben fuhren, soll er sie in eine Ecke gedrängt, sie geküsst, ihre Bluse aufgerissen und ihre Brust berührt haben. Den Übergriff soll Mattes am nächsten Morgen so kommentiert haben: "Da war ich wohl sehr besoffen gestern."

Die 43-Jährige schilderte ihren Arbeitsalltag als Tortur. Mattes soll sie oft belästigt haben: Mal griff er ihr beim Kaffeekochen von hinten an die Brust, mal lud er sie zum Nacktbaden ein, mal bot er ihr an, das Hotelbett mit ihm zu teilen. "Ich habe das so lange mitgemacht, weil ich Angst hatte, meinen Job zu verlieren", sagte die Frau. Mattes verfolgte ihre Aussage genau, machte sich oft Notizen.

Drei Monate nach dem Vorfall im Lift teilte Mattes der Frau mit, dass er ihren Vertrag nicht verlängert. Ende 2005 kam ihre Nachfolgerin (38). Sie kündigte aber schon ein halbes Jahr später wieder.

Vor Gericht erzählte die Nachfolgerin von ihrer ersten Dienstreise nach Köln: Mattes und sie tranken abends Bier. Im Hotellift küsste er sie - später verbrachten beide die Nacht zusammen. Sie betonte, er habe sie nicht genötigt. Er bestätigte die Affäre.

Warum kündigte die Frau so schnell? Sie störte das "respektlose und diktatorische Verhalten" des Bürgermeisters. Er sei wegen Kleinigkeiten ausgerastet, habe sie oft angebrüllt. Und: Er habe sie sexuell belästigt. Noch vor der Reise nach Köln soll er ihr vorgeschlagen haben, sie solle mit ihm seine neue Dusche einweihen. Und laut der Frau sagte er mehrfach zu ihr: "Ich krieg Sie noch!" Der Prozess wird am 5. Januar fortgesetzt. Es sind sieben weitere Prozesstage anberaumt. (haw)

RZO